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LS XP101 Traktor, der südkoreanische Herausforderer

Der LANDWIRT und ie BLT Wieselburg haben diesen LS XP101 aus Südkorea genau unter die Lupe genommen.
Quelle: Paar

Der Traktorhersteller LS Mtron gehört zum südkoreanischen Konzern LS Group. Im Heimatmarkt ist LS Marktführer und hat sich mit Kompakttraktoren weltweit einen Namen gemacht. Mehr über den Konzern lesen Sie im Kasten auf Seite 61. Jetzt bereiten die Südkoreaner den Einstieg mit landwirtschaftlichen Traktoren in Europa vor. Dieser ist für das erste Quartal im kommenden Jahr geplant.

Erstmals wurden die Traktoren auf der Agritechnica 2019 der Öffentlichkeit präsentiert. Schon ein Jahr davor stellten uns die Koreaner zwei Vorserientraktoren für einen Praxistest zur Verfügung: den XP101 mit 101 PS und den MT5.73 mit 73 PS. Rund 18 Monate bzw. über 500 Stunden testeten wir beide Maschinen auf Herz und Nieren – im Grünland, auf dem Acker, im Forst, im Stall, auf der Straße, zu jeder Jahreszeit und schließlich auf dem Prüfstand der BLT Wieselburg. LS Mtron nutzte das Know-how und die Erfahrungen unseres Testteams und der BLT Wieselburg, um die Traktoren für den europäischen Markt fit zu machen. Viele kleine und größere Beanstandungen wurden schon im Laufe des Tests verbessert. Einige sollen noch bis zum Serienstart folgen. Die größte Umstellung betrifft den Motor. Unser Testtraktor XP101 hatte einen Stufe-4-Motor unter der Haube, der Serienstart soll gleich mit Stufe 5 erfolgen. Trotz allem wird
sich an den von der BLT Wieselburg gemessenen Leistungsdaten nicht viel ändern, da auch schon der Stufe-4-Motor mit SCR-Technologie ausgestattet war.
Da wir bei der kleineren MT5-Serie durch den Motorwechsel auf Stufe 5 größere Auswirkungen erwarten, ist für den Herbst ein weiterer Prüfstandtest mit dem neuen Motor an der BLT Wieselburg geplant. Aber nun zur XP-Serie, die aus den drei Modellen XP84 (86 PS), XP94 (94 PS) und XP101 (101 PS) besteht.

Die gut verarbeitete, geräumige Kabine mit guter Rundumsicht wird bis zum Serienstart noch in einigen Details verbessert.
Quelle: Paar

Leichter, kompakter Traktor

Der XP101 ist ein leichter, kompakter Traktor ohne viel Schnickschnack. Die von der BLT Wieselburg gemessenen Daten stimmen gut mit den Herstellerangaben überein – er hält, was er verspricht.
Unser Testtraktor, ausgestattet mit Fronthubwerk und -zapfwelle von Aigner, brachte 3,9 t auf die Waage. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 6.200 kg bleiben 2,3 t Nutzlast. Das ist bestimmt nicht zu viel, aber man sollte in den meisten Fällen damit das Auslangen finden: z.B. für den Transport zweier Silageballen in der Front- und Heckhydraulik. Doch Vorsicht! Der begrenzende Faktor könnte die zulässige Vorderachslast sein. Sie ist mit 2,6 t limitiert.
Der äußere Wendekreisdurchmesser bei Allradantrieb beträgt 11,3 m. Für seine breite Bereifung – vorne 440/65R20 und hinten 540/65R30 – ist das ein passabler Wert. Mitverantwortlich dafür ist auch der kurze Radstand von nur 2,29 m. Die Gesamthöhe von 2,62 m liegt ebenso im Mittelfeld.

Der FPT-Motor mit SCR, DOC und EGR erfüllt die Abgasstufe 4, ist durchzugsstark und sparsam.
Quelle: Paar

Kräftiger FPT-Motor

Im LS XP-Traktor steckt viel Europa. Viele Zulieferteile und Komponenten sind europäischer Herkunft. Da LS Mtron schon vor über zehn Jahren mit New Holland eine OEM-Lieferpartnerschaft eingegangen ist, ist es nicht verwunderlich, dass unter der Haube ein FPTMotor aus dem CNH-Konzern dieselt.
Der Vierzylinder mit 3,4 Liter Hubraum erfüllt die Abgasnorm Stufe 4. Diese erreicht er mit SCR-Technologie (AdBlue), einem Dieseloxidationskatalysator (DOC) und einer externen Abgasrückführung (EGR). Einen Dieselpartikelfilter gibt es nicht. Die Abgasmessung zeigte keine Auffälligkeiten, alle Werte waren im grünen Bereich.

Der Motor erhielt viel Lob von den Testfahrern. Diese subjektive Einschätzung wurde durch die Messergebnisse der BLT eindrucksvoll bestätigt. Der Motor ist kräftig und sparsam. Lediglich der Leistungsverlust über das Getriebe ist mit 14,4 % überdurchschnittlich hoch. Ein Manko und nicht mehr zeitgemäß ist auch der starr angetriebene Lüfterflügel.

Die Anzeigen im Armaturenbrett sind gut lesbar. Eine Anzeige für den Anhängerblinker und die Zapfwellendrehzahlen gibt es leider nicht.
Quelle: Paar

Der Motor erzielt seine höchste an der Zapfwelle gemessene Leistung bei 1.900 U/min: 64,2 kW/87,3 PS. Die Nennleistung bei 2.200 U/min beträgt 59,2 kW/80,5 PS, der Konstantleistungsbereich gute 700 Motorumdrehungen. Das maximale Drehmoment von 383,3 Nm wird bei niedrigen 1.400 Motorumdrehungen erreicht. Auch das Anfahrdrehmoment mit 136,4 % und der Drehmomentanstieg von 49 % können sich sehen lassen.
Die Kraftstoffmessung brachte ebenfalls erfreuliche Werte: Bei 1.500 Motorumdrehungen benötigt der FPT-Motor nur 232 g/kWh. In der Nähe dieses Drehzahlbereichs liegt auch das maximale Drehmoment. Der Spritverbrauch unter Volllast liegt immer deutlich unter 300 g/kWh. Auch beim AdBlue-Verbrauch ist der Motor sparsam. Im Durchschnitt waren nur fünf Prozent für die Abgasnachbehandlung notwendig. Bravo! Lob gab es auch für die Zugänglichkeit der Batterie und den Luftfilter sowie für das gute Startverhalten im Winter.
Wenig Applaus gab es für den kleinen Dieseltank. 115 Liter Diesel und 16 Liter Ad-Blue sind auch für einen sparsamen Motor nicht üppig. Zudem haben unsere Praktiker bedauert, dass sich die beiden Tanks nur mit dem Schlüssel öffnen lassen.

Einfaches Getriebe

Die Bedienelemente auf der rechten Bedienkonsole sind ergonomisch angeordnet und lassen sich gut bedienen.
Quelle: Paar

Es gibt vier verschiedene, einfach gehaltene Getriebevarianten. Unser Testkandidat war mit dem höchstspezifizierten Getriebe ausgestattet: Vier Gänge mit zwei Lastschaltstufen, drei Gruppen und Kriechgänge in den zwei kleineren Gruppen ergeben 40 Vorwärts- und 40 Rückwärtsgänge. Der Gangschalthebel mit den Lastschaltknöpfen befindet sich in der rechten Bedienkonsole, der Gruppenschaltund Kriechganghebel links vom Fahrersitz. Der Hauptarbeitsbereich (4–12 km/h) umfasst neun Geschwindigkeitsstufen, sieben davon lassen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten nutzen. Auf der Straße erreicht der Traktor eine Höchstgeschwindigkeit von nur knapp über 35 km/h. Und das leider bei Vollgas. Sonderbar ist auch, dass die Rückwärtsgänge geringfügig schneller übersetzt sind als die Vorwärtsgänge.
Links unter dem Lenkrad befand sich bei unserem Testtraktor der Powershuttle-Hebel. Die Aggressivität der Kupplung und des Powershuttles ist stark von der Öltemperatur abhängig. Bei steiler Bergabfahrt kam es sogar vor, dass das Getriebe in den Leerlauf schaltete. Glücklicherweise hat der Traktor eine gut wirkende Bremse, die von den Testfahrern immer wieder positiv erwähnt wurde.
Gegen Ende unserer Testphase hat uns der Hersteller eine verbesserte Variante mit einer stufenlosen Aggressivitätsverstellung gezeigt. Leider konnten wir diese Verbesserung nicht mehr testen.

Schalthebel links vom Fahrersitz: Gruppengetriebe (orange), Zapfwellendrehzahl (gelb), Wegzapfwelle (wischen orangen und gelben Hebel) und Kriechganggetriebe (schwarzer Hebel im Kabinenboden).
Quelle: Paar

Nachholbedarf bei Zapfwelle

Unser XP101 hatte im Heck drei Zapfwellengeschwindigkeiten zur Wahl: 540, 540E oder 1.000. Der links vom Fahrersitz angeordnete Vorwahlhebel und der Ein/Aus-Schaltknopf in der rechten Bedienkonsole lassen sich gut bedienen. Optional steht auch eine Wegzapfwelle zur Verfügung.
Kritik gab es für die 1.000er-Heckzapfwelle. Sie erreicht ihre Normdrehzahl erst bei 2.125 Motorumdrehungen. An diesem Punkt hat der Motor fast den höchsten Kraftstoffverbrauch. Die 540er-Normzapfwelle liegt in einem deutlich günstigeren Bereich. Vermisst haben wir auch eine Anzeige für die Zapfwellendrehzahl.

Hohe Hubkräfte: Im Heck stemmt der LS XP101 durchgehend
bis zu 4.050 kg.
Quelle: Paar

Starkes Hubwerk vorne und hinten

Getriebe und Hydraulik der XP-Serie haben einen gemeinsamen Ölhaushalt. Wie viel davon für externe Verbraucher entnommen werden darf, wird bis zum Serienstart vom Hersteller noch bestimmt. Die Tandempumpe des offenen Hydrauliksystems (OC) für Hydraulik und Lenkung liefert laut Hersteller 61 bzw. 25 l/min. Diese Förderleistung passt zu einem 100-PS-Traktor und wurde auch bei den BLTMessungen bestätigt. Die höchste Hydraulikleistung von 12,9 kW wird bei einem Druck von 141 bar erreicht.
Auch bei den Hubkräften gibt es nichts zu meckern: Im Heck hat die BLT an der Ackerschiene eine durchgehende Hubkraft von 4.050 kg gemessen. Vorne sind es gute 2.190 kg. Die Transporthöhe, die unterste Position der Unterlenkerenden und der Hubweg weichten beim Heckhubwerk geringfügig von der Norm ab. Vorne erfüllt lediglich die Transporthöhe die Norm nicht.
Im Heck unseres XP101 waren drei mechanische Zusatzsteuergeräte montiert. Nur eines davon hat eine Schwimmstellung. Gefehlt hat uns auch eine Fixierung z.B. für den Dauerbetrieb eines Ölmotors. Da die Anschlüsse dieses Hydraulikblocks rechts angeordnet und zudem leicht nach rechts gedreht sind, wird das Ankuppeln auf der linken Seite erschwert. Der Oberlenker kann traktorseitig in drei Höhen positioniert werden. Er lässt sich in der Parkstellung nur dann gut fixieren, wenn er im obersten Loch montiert ist.
Die Bedienung der Hydraulik funktioniert ähnlich wie wir es bei unseren westeuropäischen Traktoren gewohnt sind, manches ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Z.B. gibt es eine Funktion, bei der das Hubwerk nach dem Einlegen des Rückwärtsganges automatisch aushebt und umgekehrt. Für manche Arbeiten eine praktische Sache!

Vorne hebt der XP101 durchgehend bis zu 2.190 kg.
Quelle: Paar

Laute Kabine mit FOPS-Schutz

Die Kabine bietet ein durchschnittliches Platzangebot und eine gute Rundumsicht. Die nach oben gewölbte Frontscheibe und die leicht abfallende Motorhaube bieten eine gute Sicht nach vorne. Das Kabinendach ist serienmäßig mit einem Basis FOPS-Schutz ausgestattet. Dieser ist z.B. beim Einsatz mit einem Frontlader gegen herabfallende Gegenstände vorgeschrieben. Der Geräuschpegel ist leider sehr hoch. Die BLT Wieselburg hat am Fahrerohr 83 dB(A) gemessen. Unsere Fahrer haben dies in der Praxis aber nicht als unangenehm empfunden. Die Verarbeitung der Kabine wurde von den Testfahrern gelobt.


Für den Serienstart haben die Koreaner noch an einigen Kabinendetails gefeilt, die unser Testteam beanstandet hatte: z.B. größere Außenspiegel, LED-Beleuchtung, verbesserte Türschlösser, zusätzliche Steckdosen in der Kabine, verbesserte Zugänglichkeit zu Sicherungen und Diagnosestecker, stärkere Gasdruckfedern an der Heckscheibe, eine zusätzliche Glasscheibe unter der Heckscheibe, optimierte Verkleidungsteile in der Kabine und ein Touch-Display. In Summe hat der Hersteller einige Kinderkrankheiten ausgemerzt. Schön wäre es, wenn auch noch die rechts neben dem Sitz angeordnete Handbremse und der rechts unter dem Lenkrad platzierte Blinkerhebel bis zum Serienstart auf die linke Seite „wandern“ würden. Bekrittelt haben unsere Tester auch die Anordnung der unbeleuchteten Schalter am und unter dem Armaturenbrett sowie die fehlende Blinkanzeige für den Anhänger. Zudem deaktiviert sich der Drehzahlspeicher und die Differenzialsperre beim Tritt auf das Bremspedal.

Die nächsten Schritte

Die Zusammenarbeit mit den Koreanern bei diesem Vorserien-Test war sehr konstruktiv. Mit Rudolf Dietrich haben sie auch einen profunden Kenner der europäischen Traktorszene an der Hand. Er war der Mittelsmann zwischen unserem Testteam und den Entwicklungsingenieuren in Südkorea. Auch bei der Hydraulik und beim Motor wurden einige praktische Verbesserungen durchgeführt. Angefangen von den Schnellfanghaken, über die Unterlenker-Seitenstreben, die Außentaster für das Heckhubwerk, bis hin zu einer verbesserten Kühlerreinigung.
Aus technischer Sicht wurde für den Serienstart viel optimiert. Wie erfolgreich dieser sein wird, hängt im Wesentlichen von einem funktionierenden Händlernetz und einem moderaten Verkaufspreis ab. Derzeit laufen Gespräche mit möglichen Partnern für den Start in Westeuropa. Leider konnte uns LS Mtron noch keinen Richtpreis für die XP-Serie nennen. Wir hoffen, dass die Preise bis zum Herbst feststehen und wir sie bei der geplanten Veröffentlichung des LS MT5.73 nachreichen können.

Kommentare

1 Kommentar

Sehr geehrtes Team von Landwirt,

die großen LS Traktoren (wie im Artikel beschrieben), sind in Europa noch nicht verfügbar. Aber kleinere LS Traktoren, von 23 bis 48 PS werden in Europa bereits verkauft. In Deutschland gibt es ein Händlernetzwerk, das bereits einige Bundesländer abdeckt.

Mit freundlichen Grüßen