LANDWIRT: Wie kann ein Zusammenleben mit dem Wolf für alle Beteiligten zufriedenstellend funktionieren?
Marcel ZÜGER: Je länger ich mich mit dem Thema befasse, umso klarer ist meine Einsicht: Ein Zusammenleben funktioniert nicht. Das ist auch gar nicht nötig. Europa hat mindestens 60.000 Wölfe. Meist werden nur die 23.000 in West- und Mitteleuropa genannt, bis zum Ural sind es aber fast drei Mal so viele. Da kommt es auf ein paar Exemplare im Alpenraum nicht drauf an. Hier gibt es aber hunderte gefährdete und zum Teil streng geschützte Arten, die auf die Bewirtschaftung angewiesen sind. Diese stehen in direkter Opposition zum Wolf. Wir müssen uns entscheiden, für das eine oder andere. Beides zusammen geht nicht. Kurzum: Es braucht eine wolfsfreie Zone im ganzen Alpenraum. Alles andere zerstört die jahrhundertealte, artenreiche und nachhaltige Kulturlandschaft. Mehr zum Wolfsmanagement im Alpenraum
Befürworter des Wolfes sagen aber, er kommt in seinen heimischen Lebensraum zurück. Sie sagen, er dringt in eine komplett veränderte Welt ein. Was hat sich verändert?
Der Alpenraum ist seit 1.000 Jahren flächendeckend besiedelt und genutzt. Die Leute mussten alle Lebensmittel vor Ort herstellen, Bau- und Brennholz gewinnen. Und es waren nicht wenige Einwohner. Nicht in den heutigen Zentren, aber in den Randregionen lebten vor 500 Jahren mehr Menschen als heute. Die Nutzungen waren jahrhundertelang bedeutend intensiver als heute und reichten weiter hinauf in die Hochlagen. Selbst Felsbänder wurden noch gemäht, Laubstreu im Wald zusammengerecht, jeder Zweig genutzt. Das ging nur, weil man sich den Wolf vom Hals hielt. Der Wolf war ja auch nicht ‚nur‘ 150 Jahre weg. Im deutschsprachigen Alpenraum gab es seit 500 Jahren nur mehr wenige Wölfe. Nach großen Kriegen waren es etwas mehr, aber sie wurden stets intensiv verfolgt und eliminiert.
Was dieses Interview noch bereit hält:
- Die Großraubtiere werden als Ökosystemmanager oder Schlüsselarten bezeichnet. Stimmt das?
- Herdenschutz wird als Schlüssel für die Koexistenz zwischen Wolf und Weidehaltung dargestellt. Ist dem so?
- uvm.
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