Die Insektenproduktion hat sich in Frankreich trotz hoher staatlicher Unterstützung bislang nicht aus der Nische lösen können. Zwei aktuelle Berichte bewerten die wirtschaftliche und ökologische Bilanz der Branche kritisch. Die Beobachtungsstellen für Agrarförderung (ObSAF) und Insektenproduktion (ONEI) fordern in einem gemeinsamen Bericht sogar einen Stopp öffentlicher Förderungen. Staatliche Mittel sollten erst wieder fließen, wenn belastbare Ökobilanzen Vorteile gegenüber bestehenden Alternativen nachweisen.
Staatliche Förderung in Millionenhöhe
Laut ObSAF und ONEI wurden in den vergangenen zehn Jahren mindestens 284 Mio. Euro öffentliche Gelder in die Insektenproduktion investiert. Pro tatsächlich erzeugtem Kilogramm Insektenmehl entspreche das rund 20 Euro Förderung – etwa dem Fünffachen des Marktpreises. Weltweit sollen rund 2 Mrd. Euro öffentliche und private Mittel in die Branche geflossen sein. Davon gingen laut Bericht mindestens 720 Mio. Euro an Unternehmen, die inzwischen insolvent sind oder sich im Umbau befinden. Die wirtschaftlichen Perspektiven beurteilen die Beobachtungsstellen skeptisch. Der Futtermittelmarkt wachse nur langsam. Insektenmehl sei weiterhin zwei- bis viermal teurer als Fischmehl und bis zu neunmal teurer als Soja. Auch im Bereich Humanernährung fehle es an gesellschaftlicher Akzeptanz. Den Haustierfuttermarkt sehen ObSAF und ONEI lediglich als begrenzte Nische.
Zweifel an der Klimabilanz
Auch die Nachhaltigkeitsversprechen der Branche seien bislang nicht erfüllt worden. Laut einer Ökobilanz des Londoner Umweltministeriums könne der CO₂-Fußabdruck von Insektenmehl bis zu 13,5-mal höher sein als jener von Soja. Zudem nutze die Branche entgegen häufiger Aussagen nur geringe Mengen an Lebensmittelabfällen. Stattdessen würden überwiegend landwirtschaftliche Nebenprodukte eingesetzt, für die bereits andere Verwertungsketten existierten. Kritisch bewertet wird auch der Einsatz von Insekten als Lebensmittel: Laut Bericht ersetzen sie meist pflanzliche Zutaten statt Fleisch und verschlechtern dadurch die Klimabilanz.
Know-how als wichtigstes Ergebnis
Weniger kritisch äußert sich der Generalrat für Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume (CGAAER) in einem eigenen Bericht zur Förderung der Ernährungswirtschaft. Positiv hervorgehoben wird vor allem das aufgebaute Know-how der französischen Unternehmen. Als Beispiel nennt der CGAAER den inzwischen insolventen Insektenproduzenten Ynsect, der bis 2022 insgesamt 341 Patente angemeldet hat. Das Unternehmen war zudem maßgeblich am Projekt „Ynfabre“ beteiligt, das genetische Fortschritte bei der Zucht von Mehlwürmern ermöglichen soll. Entwickelt wurde bereits ein Chip zur schnellen Analyse der genetischen Ausstattung von Mehlwürmern.
Kommentare