KommentarMehr Landtierärzte? Da muss auch die eigene Kammer umdenken

Mehr Landtierärzte? Da muss auch die eigene Kammer umdenken

Erschienen in: LANDWIRT 15/2026

Während bei den Tierärzten eine Pensionswelle bevorsteht, fehlen junge Nutztierpraktiker bereits jetzt in vielen Gebieten.
Quelle: Archiv

Ein wesentlicher Grund wird in der öffentlichen Debatte kaum angesprochen: die Beitragsstruktur der Österreichischen Tierärztekammer. Selbstständige Tierärzt:innen müssen unabhängig vom Einkommen mehr als 5.000 Euro pro Jahr an Kammerumlage und Wohlfahrtsfonds bezahlen. Ob jemand eine Vollzeitpraxis (24/7) betreibt oder nur einen Tag pro Woche selbstständig arbeitet, macht keinen Unterschied. (Angestellte Tierärzt:innen können ihre Beiträge hingegen einkommensabhängig reduzieren lassen).

Mütter brauchen andere Rahmenbedingungen

Gerade dadurch gehen viele Fachkräfte verloren. Zahlreiche Tierärztinnen würden nach der Karenz oder während der Schulzeit ihrer Kinder gerne wieder stunden- oder tageweise arbeiten.
Eine Tierärztin schilderte mir ihre Situation. Sie hat schulpflichtige Kinder und führt gemeinsam mit ihrer Familie einen Milchviehbetrieb mit 16 Kühen. Sie könnte sich durchaus vorstellen, ein bis zwei Tage pro Woche am Schlachthof oder in einer Nutztier-Gemeinschaftspraxis nach dem Vorbild moderner Ärztezentren in der Humanmedizin tätig zu sein. Doch bei verpflichtenden Kammer- und Wohlfahrtsfondsbeiträgen von über 5.000 Euro pro Jahr ist das wirtschaftlich kaum darstellbar. Statt eine dringend benötigte Fachkraft zurückzugewinnen, hält das System sie vom Wiedereinstieg ab. Während Politik, Landwirtschaft und Tierärztekammer über neue Studienplätze diskutieren, wechseln viele bereits ausgebildete Tierärzt:innen in andere Branchen oder ins grenznahe Ausland. Wenn tatsächlich mehr Tierärzt:innen für die Nutztierpraxis gewonnen werden sollen, braucht es auch faire, einkommensabhängige Beiträge, die Teilzeit, Wiedereinstieg und flexible Arbeitsmodelle ermöglichen. Österreich hat keinen Mangel an Tierärzt:innen – Österreich hat einen Mangel an Rahmenbedingungen, die ihnen die Ausübung ihres Berufs ermöglichen.

Der Autor: Prof. Dr. Konrad Steiner
Quelle: Steiner

Kontaktdaten: konrad.steiner@kalchgrub.at

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