AgrarpolitikMercosur Abkommen: Bauernproteste in ganz Europa erwartet

Mercosur Abkommen: Bauernproteste in ganz Europa erwartet

In mehreren Mitgliedsstaaten protestieren Bauern gegen den Abschluss des Freihandelsabkommens.
Quelle: Vetta

In mehreren Mitgliedstaaten der EU stehen in den kommenden Tagen wieder Bauernproteste an. Zugleich scheint aktuell eine Einigung über die Ratifizierung des Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten immer wahrscheinlicher zu werden, was wiederum den Unmut im Berufsstand weiter befeuern würde.

Mercosur-Abkommen: Wie bewerten Sie die angekündigten Bauernproteste?

Unruhen in Frankreich

Auf größere Unruhen kann sich die französische Regierung gefasst machen. Daran konnte auch das Krisentreffen nichts ändern, zu dem Premierminister Sébastien Lecornu am 6. Jänner 2026 die Spitzen der wichtigsten Agrarverbände nach Paris geladen hatte. Konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirte will der Regierungschef erst am 9. Jänner 2026 präsentieren. Am selben Tag soll nach aktuellem Stand in Brüssel der Ständigen Ausschuss der EU-Botschafter (Coreper) über die Ratifizierung des Mercosur-Abkommens abstimmen.

Der kleinere Landwirtschaftsverband Coordination Rurale (CR) machte nach dem Treffen mit Lecornu unmissverständlich klar, zeitnah wieder in Paris demonstrieren zu wollen. Fraglich dürfte nur noch sein, wie weit der Staat gehen wird, um dabei den Einsatz von Traktoren zu unterbinden. Laut CR-Präsident Bertrand Venteau sollen die ersten Protestzüge am 8. Jänner 2026 die Außenbereiche der Hauptstadt erreichen.

Der kleinere Landwirtschaftsverband Coordination Rurale möchte zeitnah wieder in Paris demonstrieren.
Quelle: Vetta

Sollte das Mercosur-Abkommen über die Ziellinie gebracht werden, wird der französische Bauernverband (FNSEA) laut Rousseau in der kommenden Woche landesweit auf die Barrikaden gehen. Auch die Planungen für Proteste gemeinsam mit Agrarverbänden aus anderen Mitgliedstaaten sollen bereits laufen; angepeilt wird der 19. Januar in Straßburg.

Proteste auch in Spanien, Belgien und Irland

In weiteren Mitgliedstaaten stehen ebenfalls Bauernproteste bevor. Laut dem „Irish Farmers Journal“ werden im irischen Athlone bis zu 10.000 Personen bei einer Demonstration gegen das Mercosur-Abkommen erwartet. In Spanien kündigten die drei größten Verbände UPA, COAG und Asaja „handfeste“ koordinierte Aktionen an. Asaja forderte die Regierung in Madrid auf, sich gegen das Freihandelsabkommen zu stellen und eine „Kompensation“ über höhere Agrarfördermittel abzulehnen. In Belgien plant der Algemeen Boerensyndicaat (ABS), in mehreren Regionen Straßen zu blockieren. In Polen hatte es kurz vor dem Jahreswechsel bereits neue Proteste gegeben.

Keine Proteste in Deutschland

Verhältnismäßig ruhig sollte zumindest nach derzeitigem Stand die Lage vorerst in Deutschland bleiben. Der Landesbauernverband Brandenburg (LBV) mahnte eine „Refokussierung“ auf die Kernanliegen des Berufsstandes an. Diese müssten „zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und bei den richtigen Adressaten“ platziert werden.

Eine Behinderung der Menschen und der Wirtschaft auf dem Weg zur Arbeitsstätte, Schule oder Kindergarten hält LBV-Präsident Henrik Wendorff nicht für zielführend.
Quelle: Vetta

„Autobahnzufahrten sind kein guter Ort für den berechtigten Protest der Landwirte gegen die aktuelle Agrarpolitik“, erklärte LBV-Präsident Henrik Wendorff. Nach seinen Worten würde das Mercosur-Abkommen „oberflächlich betrachtet“ die wirtschaftliche Situation der Landwirte verschärfen. „Die Ursachen liegen jedoch tiefer, und genau hier setzt die Arbeit der Bauernverbände an“, so der LBV-Präsident. Eine Behinderung der Menschen und der Wirtschaft auf dem Weg zur Arbeitsstätte, Schule oder Kindergarten hält er nicht für zielführend.

Der LBV hat nach eigenen Angaben die realen Auswirkungen des Abkommens auf die Branche analysiert und die Relevanz für Protestaktionen auf der Straße als nicht gegeben eingeordnet. Nach seiner Einschätzung müssen die vorgesehenen Schutzklauseln nachgebessert werden. „Die entscheidende Frage ist nicht das Abkommen selbst, sondern ob Kontrolle, Vollzug und Durchsetzung funktionieren“.

 

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