LANDWIRT: Worin unterscheidet sich die Erwartung der EU-Kommission vom Mercosur-Abkommen von der Position der Agrarvertretung?
Andreas THURNER: Die EU ist eine Exportmacht, auch im Agrar- und Lebensmittelbereich. Gleichzeitig importiert sie große Mengen an Rohstoffen und Futtermitteln, insbesondere Soja und Sojaschrot aus Südamerika. Für die Kommission ist Mercosur daher Teil einer Strategie, stabile Partnerschaften zu schaffen und Zölle sowie Handelshemmnisse abzubauen. Sie erwartet im Industriebereich jährliche Kostenvorteile von rund vier Milliarden Euro.
Für die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft stellt sich die Lage anders dar. Die EU exportiert zwar Agrarprodukte im Wert von etwa 230 Milliarden Euro und importiert rund 170 Milliarden Euro – ein Überschuss von etwa 60 Milliarden Euro. Entscheidend ist jedoch: Die Mercosur-Staaten sind starke Agrarproduzenten und wollen Produkte exportieren, die direkt mit europäischen konkurrieren, insbesondere Rindfleisch, Geflügelfleisch, Zucker und Ethanol.
Worin unterscheidet sich Mercosur von bisherigen Handelsabkommen?
Anders als bei Kanada, Japan oder Südkorea geht es hier nicht um Märkte, auf denen europäische Agrarprodukte zusätzliche Chancen hätten. Für Milcherzeugnisse, Wein oder andere Exportgüter sieht die Landwirtschaftskammer im Mercosur-Abkommen kaum Vorteile. Die potenziellen Nachteile überwiegen klar. Deshalb lehnt die österreichische Agrarvertretung das Abkommen ab.
Lesen Sie darüber hinaus in diesem Interview:
- Welche Fleischsegmente besonders betroffen wären.
- Wie der Sicherheitsmechanismus geplant ist.
- Ob dieser Mechanismus die EU-Landwirtschaft ausreichend schützt.
- uvm.
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