LANDWIRT: Ernährungsexperten haben der Milch in der Vergangenheit eine düstere Zukunft vorausgesagt. Wie sieht die weltweite Nachfrage nach Milch derzeit aus?
Erik ELGERSMA: Die Nachfrage nach Milch steigt – entgegen vieler Prognosen. Wir sehen, dass Milch gebraucht wird. Der weltweite Milchkonsum pro Person ist in den letzten fünf Jahren um 1,6 Prozent gestiegen. In den vergangenen Jahren wurde häufig darüber diskutiert, dass künstliche Milch die natürliche Produktion ersetzen könnte. Es hieß, Milch von Tieren werde bald überflüssig – doch das Gegenteil ist der Fall.
Wie stark beeinflussen Ernährungstrends wie „Clean Eating“ die Wahrnehmung von Milchprodukten?
Vor etwa 4–5 Jahren wurde pflanzliches Eiweiß als Milchersatz intensiv beworben. Begründet wurde dies mit der vermeintlich besseren Lösung für das Klima. Seit dem Ukraine-Krieg, der eine massive Inflation auslöste, sind pflanzliche Produkte, die ohnehin schon teurer als tierische Milchprodukte waren, plötzlich extrem teuer geworden. Viele Verbraucher greifen wieder zu Milchprodukten. Hinzu kommt, dass der Trend zu gesunder Ernährung Kuhmilch begünstigt. Verbraucher haben Produkte wie Joghurt und Trinkmilch wiederentdeckt.
Wie sieht es mit der Milchversorgung weltweit aus?
Weltweit gesehen kann sich der Großteil der Länder nicht selbst versorgen. Die Weltbevölkerung wächst und damit verbunden auch die Nachfrage nach Protein und Fett. Wenn wir beispielsweise den westlichen Teil von Afrika ansehen, sehen wir, dass die Nachfrage steigt und das Angebot hinterherhinkt. Aber auch arabische Länder wie Irak, Saudi-Arabien und Jemen sowie Länder in Asien, wie Indonesien, Malaysia und Thailand, sind weit unter dem Selbstversorgungsgrad.
Welche Milchprodukte haben weltweit das größte Wachstumspotenzial?
Weltweit sind die Aussichten für Käse äußerst positiv. Da die Kaufkraft in Ländern mit mittleren Einkommen steigt, gönnen sich die Konsumenten gelegentlich westliche Gerichte wie Pizza, Pasta und Burger. Dieses Essen bietet einen hervorragenden Absatz für Käse und Butter. Der Trend zum Snacken spielt auch eine Rolle. Und natürlich: Schokolade ohne echte Butter? Unvorstellbar!
Lesen Sie darüber hinaus in diesem Beitrag:
- In welchen Regionen es zukünftig schwierig sein wird, Milch zu produzieren.
- Wie die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Milchbetriebe im Vergleich zu Überseemärkten ist.
- Wie sich weltweit der Milchpreis entwickelt.
- uvm.
Kommentare