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Milchwirtschaftliche Tagung in der Steiermark

Bei der Pressekonferenz stellten sich Johann Költringer (Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter – VÖM), Helmut Petschar (Präsident der VÖM) sowie Michael Riegler (Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei eGen) den Fragen der Journalisten.
Quelle: Vetta

Die österreichische Milchwirtschaft konnte im angelaufenen Jahr nach coronabedingten Rückgängen im Vorjahreszeitraum die Milchproduktion um 3,2 % steigern. Andere wichtige europäische Milchproduzenten kamen mit Produktionsrückgängen aus der Coronakrise. Die massiven Kostensteigerungen brachten EU weit höhere Erzeugerpreise, wobei die Kostensteigerungen von den Handelspartnern in Österreich nicht zur Gänze bzw. mit Verzögerungen akzeptiert wurden. Dies führte in Österreich zu einem geringeren Erzeugerpreisanstieg im Vergleich zu anderen Ländern.

Die massiven Kostensteigerungen bei Strom und Gas treffen die Milchwirtschaft hart.
Quelle: VÖM

Steigende Auszahlungspreise und Notierungen

Die Erzeugerpreise für gentechnikfreie konventionelle Qualitätsmilch (4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß) beliefen sich für den Zeitraum Jänner bis Juli 2022 auf 42,72 ct/kg netto, 21,7 % über dem Vorjahreswert, bzw. 51,36 ct/kg im Durchschnitt aller Qualitäten incl. USt. Im Juli 2022 lagen die Werte mit 48,72 (plus 35,2 %) bzw. 58,02 ct/kg (plus 32,1 %) zwar höher. Die Preissteigerungen in Deutschland mit 55,1 ct netto/kg und einem Plus von 53,9 % konnten nicht erreicht werden.

Die Notierungen auf den Produktenmärkten erreichten ebenfalls entsprechende Steigerungen. Im Gegensatz zu früheren Preisvolatilitäten legten aktuell sowohl Eiweiß als auch Fett als wichtigste Inhaltsstoffe der Milchprodukte zu. Vor diesem Hintergrund legte auch der österreichische Außenhandel im ersten Halbjahr 2022 im Export wertmäßig um 18,9 und bei Importen um 14,3 % zu. Dies ist vor allem auf Preissteigerungen zurückzuführen.

Im Einkaufsverhalten der Konsumenten ist eine höhere Preissensibilität feststellbar. Umso wichtiger sind sozial treffsichere, öffentliche Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der hohen Teuerungsraten, um die Kaufkraft für hochwertige Lebensmittel zu gewährleisten. “Bedenklich sind die Aktivitäten der Handelsketten, wenn diese die aktuelle Krise dafür nutzen, die Anteile ihrer Eigenmarken mit höheren Wertschöpfungsanteilen und Spannen für die Handelsketten zulasten der Erzeugermarken weiter auszubauen und Importprodukte mit geringeren Standards zu forcieren. In dieser schwierigen Zeit ist die Loyalität der Handelspartner besonders gefragt“, sagt Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter.

Die monatlichen Haushaltsausgaben belaufen sich im Durschnitt auf ca. 44 Euro.
Quelle: VÖM

Einführung einer Herkunftskennzeichnung zurückgezogen

Das Gesundheitsministerium hat die Vorschläge zur Einführung einer Herkunftskennzeichnung zurückgezogen. Man wartet hier jetzt auf entsprechende Vorschläge der EU. Diese sind für den heurigen Herbst angekündigt, bedeuten aber eine weitere Verzögerung. Von der EU wurden auch Umfragen durchgeführt, die den dringenden Wunsch der Konsumenten nach einer gesicherten Herkunftsinformation zeigen. Seitens der Milchwirtschaft und auch anderer Sektoren erwarten wir hier ehest baldige, brauchbare Vorschläge. Zumal unter dem Vorwand der Kostenreduktion der Druck zu billigen Lebensmitteln aus dem Ausland, welche heimische Standards nicht erfüllen, wieder steigt. Vor allem dann, wenn über die Herkunft und damit über die dahinterstehenden Produktionsstandards nicht informiert werden muss, so Petschar.