Schafe und ZiegenMineralstoffe: zwischen Mangel und Überversorgung

Mineralstoffe: zwischen Mangel und Überversorgung

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Der überwiegende Anteil an Mengen- und Spurenelementen wird über das Grundfutter aufgenommen.
Der überwiegende Anteil an Mengen- und Spurenelementen wird über das Grundfutter aufgenommen.
Quelle: Christina Hebesberger

Für Milchvieh gibt es seit 2023 ganz neue Empfehlungen für die Nährstoff- und Mineralstoffversorgung. Für Ziegen wurden diese zuletzt 2003 durch den Ausschuss für Bedarfsnormen (AfBN) der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) veröffentlicht. An einer Neuauflage wird bereits gearbeitet. Dennoch sind die Empfehlungen für eine ausreichende Versorgung von kleinen Wiederkäuern mit Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen wissenschaftlich gut abgesichert. Sie sind jenen der Milchkühe sehr ähnlich und nehmen auf die höhere Empfindlichkeit gegenüber Kupfer bei Schafen Rücksicht. In der Praxis besteht aber oft eine gewisse Unsicherheit, wie viel und welches Mineralfutter bei entsprechender Leistung gegeben werden sollte.

Grundfutter ist ausschlaggebend

Das Hauptfutter von Schafen und Ziegen ist Gras oder Konserven daraus, also Grassilage oder Heu. Der überwiegende Anteil an Mengen- und Spurenelementen wird über dieses Grundfutter aufgenommen. Die Mineralstoffgehalte im Grundfutter sind von vielen Faktoren wie Standort, Düngung, botanische Zusammensetzung oder Aufwuchs abhängig. Es ist daher immer sinnvoll, Grundfutter neben den Nährstoffen auch auf die Mineralstoffgehalte analysieren zu lassen. Tabellenwerte sind gute Mittelwerte, die Gehalte im Grundfutter weichen aber in der Praxis teilweise erheblich von diesen Werten ab. Die Abbildung 1 zeigt beispielsweise den Kalziumgehalt von Grassilagen aus ganz Österreich. Im Durchschnitt hat Grassilage 6,6 g Kalzium je Kilogramm Trockenmasse (g/kg TM). 75 % der Proben lagen zwischen 3,4 und 9,7 g, der niedrigste Wert in 15 Jahren lag bei 1,6 g, der höchste bei 19,7 g. Die Streuung ist daher gewaltig, eine Analyse unbedingt anzuraten. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei allen anderen Mengen- und Spurenelementen.

Überversorgung vermeiden

Eine Überversorgung mit einzelnen Mengen- oder Spurenelementen kann dazu führen, dass andere Elemente schlechter verwertet werden können. Dies wird als Antagonismus bezeichnet. In vielen Rationen wird besonders bei Kalzium und Phosphor massiv über dem Bedarf gefüttert. Zu viel Kalzium senkt aber die Verwertung von Kupfer und Zink, zu hohe P-Gehalte in der Ration senken die Aufnahme von Magnesium. Zusätzlich steigt die Gefahr der Bildung von Harnsteinen bei Bocklämmern. Magnesium ist wiederum ein Antagonist zu Kalzium und Phosphor. Derselbe Effekt tritt aber auch bei übertriebener Versorgung mit Spurenelementen auf. Zu viel Kupfer senkt die Verwertung von Eisen und Zink. Übertriebene Eisengehalte, die in der Praxis leider aufgrund von Futterverschmutzung sehr oft vorkommen, senken die Verwertbarkeit von Kupfer und Zink. Wird bei Zink zu viel gegeben, wirkt sich dies nachteilig auf die Kupfer- und Eisenaufnahme aus. Die richtige Gabe von Mineralfutter kann daher nur gelingen, wenn die Mineralstoffgehalte aus dem Grundfutter und dem Fertigfutter bekannt sind und die Ration berechnet wird! Mineralfutter sollte daher gezielt verabreicht werden. Ad libitum sollte es niemals vorgelegt werden, auch Leckschüsseln sind oft nur ein Kompromiss, die aufgenommenen Futtermengen sind nicht steuerbar.

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