Mit Neuen Züchtungstechniken (NZT) erzeugter Raps auf britischen Feldern könnte bald Wirklichkeit werden. Im Vereinigten Königreich ist ein Forschungsprojekt gestartet, in dessen Rahmen die ersten präzisionsgezüchteten Rapssorten in den kommerziellen Anbau gebracht werden sollen. Ziel des Vorhabens ist es laut der Universität Hertfordshire, die Landwirte bei der Bekämpfung der Blattfleckenkrankheit zu unterstützen. Möglich macht den Einsatz der neuen Verfahren das im März 2023 in Kraft getretene Gesetz zur Präzisionszüchtung.
Laut Angaben der Universität Hertfordshire steht im Zentrum des Projekts ein neu identifiziertes Gen für die Krankheitsanfälligkeit von Pflanzen. Durch die Deaktivierung dieses Gens habe gezeigt werden können, dass die Infektionsfähigkeit des Erregers der Weißfleckenkrankheit reduziert werden könne. Dies biete einen nachhaltigeren Schutz als herkömmliche Resistenzgene, die von Krankheitserregern schnell überwunden werden könnten. Neben den Laborarbeiten des John Innes Centre und der Universität Hertfordshire integriert das Projekt Echtzeit-Krankheitsprognosen und Entscheidungshilfen für Landwirte.
Als ein Schlüsselelement wertet die Universität Hertfordshire die Kooperation mit dem US-Unternehmen Cibus. Dieses hat das sogenannte „Rapid Trait Development System (RTDS) entwickelt. Damit sei eine präzise, transgenfreie Editierung von Genomveränderungen direkt in der Zuchtlinie möglich. Auf diese Weise werde die Markteinführungszeit neuer Merkmale erheblich verkürzt. Die Technologie von Cibus kombiniert verschiedene NZT-Verfahren. Eine ebenfalls mit dem RDTS-System entwickelte herbizidresistente Rapssorte von Cibus hatte bereits vor mehr als zehn Jahren für Kontroversen in Deutschland gesorgt.
Den Wissenschaftlern zufolge hat sich die Blattfleckenkrankheit zu einer der größten Bedrohungen für den Rapsanbau im Vereinigten Königreich entwickelt. 2017 haben sich die Ertragsverluste durch die Pilzerkrankung auf schätzungsweise 94 Mio. Pfund (108 Mio. Euro) belaufen, 2022 waren es bereits mehr als 300 Mio. Pfund (344,6 Mio. Euro).
Neustart für die Branche
Projektleiter Tom Allen-Stevens wertete das Vorhaben als „bahnbrechend“. „In Kombination mit Risikoprognosen und einem neuen Entscheidungshilfesystem erhalten Landwirte eine effektive, risikobasierte und datengestützte Krankheitsbekämpfung“, erklärte Allen-Stevens. Aus seiner Sicht ist dies der dringend benötigte Neustart für die Branche und wird dazu beitragen, den Rückgang der Anbaufläche umzukehren.
Gemäß einer Auswertung des Europäischen Verbandes der gentechnikfreien Wirtschaft (ENGA) vom Juni letzten Jahres wurden seinerzeit weltweit drei mit den neuen Neuen Züchtungstechniken veränderte Nutzpflanzen im kommerziellen Anbau eingesetzt, zwei Maissorten und eine Tomate.
Zwei Sorten konnten sich nicht am Markt halten und sind wieder verschwunden. ENGA zufolge waren sowohl der herbizidresistente Raps von Cibus als auch die Sonnenblumensorte mit hohem Ölsäure-Gehalt des mittlerweile übernommenen Konkurrenten Calyxt „wirtschaftliche Flops“. Die Landwirte hätten aufgrund schlechter Erträge wirtschaftlich nicht von den Produkten leben können.

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