Besonders in der Vorweihnachtszeit wirbt die Caritas sehr öffentlichkeitswirksam dafür, eine Ziege in Afrika zu spenden. Seit wann gibt es dieses Projekt?
„Schenken mit Sinn“ gibt es seit 15 Jahren. Je nach persönlicher Vorliebe kann man verschiedene Hilfspakete, aber auch Tiere wie z.B. eine Ziege, ein Schaf, einen Esel, Hühner oder einen Bienenstock spenden. Caritas-intern ist das Projekt auf Schwerpunktländer aufgeteilt. Für die Steiermark wären das etwa Burundi und der Südsudan. Nicht jedes Nutztier ist für jede Region gleich gut geeignet. Nach Burundi passt eben die Ziege am besten.
Weil es in Burundi sehr trocken ist?
Eben nicht. Burundi ist ein Hochland und ist klimatisch und landschaftlich mit der Steiermark durchaus zu vergleichen. Es fehlt jedoch der Wald. Burundi ist so groß wie die Steiermark und Kärnten zusammen, es leben dort jedoch 13 Millionen Menschen, das ist mehr als in ganz Österreich.
Leben diese vielen Menschen dort großteils in Städten?
Nein, es gibt relativ wenig Städte. 90 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Man kann sich das Land wie einen großen Garten vorstellen. Bis auf wenige Nationalparks ist alles Kulturlandschaft.
Warum ist die Not in Burundi so groß?
Es gibt mehrere Gründe. Einerseits der jahrzehntelange Bürgerkrieg zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Hutu und Tutsi, der rund 300.000 Menschen das Leben kostete. Dazu kommen Korruption und Misswirtschaft, die zu einer extremen Wirtschaftskrise und hoher Inflation geführt haben, Treibstoff ist seit drei Jahren rationiert und kaum erhältlich. Rund die Hälfte der Bevölkerung sind Kinder unter 15 Jahren, davon sind über 50 % chronisch unterernährt.
Was macht eine Ziege in Burundi so wertvoll?
Das wichtigste Produkt der Ziegen ist dort der Dünger, was bei einer Ziege natürlich nicht viel ist. Darum wird jeder Köttel zusammengekehrt und aufgesammelt, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Eine Ziegenherde ist in Burundi auch eine lebende Sparkasse. Wenn man schnell Geld braucht, kann man eine Ziege verkaufen.
Welchen finanziellen Wert hat eine Ziege in Burundi aktuell?
Vor zwei Jahren war eine Ziege noch umgerechnet 40 Euro wert, mittlerweile sind es etwa 60 Euro, Burenziegen kosten das Doppelte oder gar Dreifache. Der Verdienst eines Tagelöhners beträgt 1 Euro.
Wer kann in Burundi eine gespendete Ziege erhalten?
Überwiegend sind es Frauen, die eine Ziege bekommen. Ursprünglich waren es die vielen Kriegswitwen, jetzt sind es auch oft Frauen oder bedürftige Familien, welche eines der vielen Waisenkinder aufgenommen haben. Unsere Partner sind lokale Caritasvereine und ein katholischer Schwesternorden. Bedingung für den Erhalt einer Ziege ist, dass das erste weibliche Kitz an eine Frau einer anderen Ethnie weitergegeben werden muss. So wird die Versöhnung zwischen den ehemals verfeindeten Ethnien gefördert. Die männlichen Kitze werden meist verkauft und mit weiblichen Tieren wird weitergezüchtet.
Woher die gespendeten Ziegen kommen, wie eine Ziegen-Übergabe abläuft und mehr spannende Einblicke in die Landwirtschaft Burundis erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe von Schafe & Ziegen aktuell (hier gratis Probeheft bestellen) oder im Podcast „Mit Ziegen zum Frieden“.
Eine Ziege schenken und Gutes tun: https://shop.caritas.at/ziege-schenken
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