Weltweit gehen Forscher davon aus, dass knapp ein Drittel der Rinderherden von Mykoplasmen betroffen ist, mit starken regionalen Unterschieden. So kommt eine aktuelle Untersuchung der Veterinärmedizinischen Universität Wien zu dem Ergebnis, dass in etwa 5 % der österreichischen Herden Mykoplasmen-Antikörper nachgewiesen werden können.
In Deutschland wurden laut einer Untersuchung des Arzneimittelherstellers Zoetis 45 % der Tankmilchproben serologisch positiv auf Mycoplasma bovis getestet. Die Schweiz schätzt, dass Mykoplasmen in 30 bis 40 % ihrer Herden nachzuweisen sind. Eine finnische Studie, die Tankmilchproben über einen Zeitraum von zwei Jahren untersuchte, wies sogar in knapp 90 % der Herden Antikörper gegenüber Mykoplasmen nach, obwohl es nur wenige akute Erkrankungen gab.
Nachweis schwierig
Diese gravierenden Unterschiede ergeben sich daraus, dass Mykoplasmen deutlich schwieriger nachzuweisen sind als andere Erreger und es zudem verschiedene Nachweismethoden gibt.
Mykoplasmen zählen zu den kleinsten Bakterien, die wir kennen. Im Labor sind sie außerdem schwierig anzuzüchten. Sie brauchen ein optimales Umfeld, um in der Petrischale zu wachsen. Wenn sie sich dann einmal vermehren, geschieht dies äußerst langsam. Erst nach einer Woche Anzucht sind die Mykoplasma-Kolonien unter dem Lichtmikroskop zu erkennen.
Bedeutet im Umkehrschluss: Wenn man bei der bakteriologischen Untersuchung von Milchproben nicht explizit auf Mykoplasmen testen lässt, wird der Erreger auch nicht nachgewiesen. Selbst wenn Mykoplasmen die eigentlichen Verursacher von Euterproblemen sind. Der zuverlässigere Test, ob in der Herde Mykoplasmen vorkommen, ist der Nachweis von Antikörpern im Blut einzelner Tiere oder in der Tankmilch. Martin Kaske vom Schweizer Kälbergesundheitsdienst stellt aber klar: „In der Tiermedizin gilt: Man findet nur das, was man sucht.“
Dass es Mykoplasmen sind, die zu Problemen im Bestand führen, erkennt man deshalb meist eher an verschiedenen Krankheitssymptomen im Kälber- und Kuhstall. Der wichtigste Erreger der Familie, Mycoplasma bovis, verursacht Lungen-, Gelenks-, Ohren- und Euterentzündungen.
Das erfahren Sie noch in diesem Beitrag:
- Die Symptome von Mykoplasmen bei den verschiedenen Krankheitsbildern
- Sanieren und Vorbeugen
- wichtigste Quellen für Mykoplasmeninfektionen
Kommentare