AgrarpolitikÖsterreichische Bauern durch Bürokratie belastet

Österreichische Bauern durch Bürokratie belastet

Landwirt bei Büroarbeiten
Mehr als 80 % der österreichischen Bauern empfinden die Bürokratie als größte Belastung. Nur 5 % der Befragten geben an nur wenig oder gar nicht belastet zu sein.
Quelle: agrarfoto.com

Mehr als 80 % der österreichischen Landwirte empfinden die überbordende Bürokratie als größte Belastung am Hof. Von der L&R Sozialforschung wurde im Auftrag des Wiener Landwirtschaftsministeriums eine Studie erstellt. Auch externe Einflüsse wie die Preisentwicklung und Ernteschäden durch Wetterextreme werden von etwa 80 % der befragten Bauern als sehr oder eher belastend wahrgenommen. Etwas weniger als zwei Drittel geben an, dass arbeitsbezogene Aspekte der ständigen Bereitschaft, fehlende oder kurze Erholungszeiten sowie öffentliche Anfeindungen auf ihr Gemüt schlagen.

Hohes Belastungsniveau

Besonders auffallend ist von den 2.000 befragten Bauern geben nur 5 % an, nur wenig oder gar nicht belastet zu sein. Von einem hohen Belastungsniveau sprach etwa ein Drittel, zwei Drittel gaben ein mittleres Belastungsniveau an. Im Jahr 2024 waren 46 % der Befragten laut eigenen Angaben von mindestens einer psychischen Erkrankung oder Beschwerde betroffen. Damit ist dieser Anteil fast doppelt so hoch wie in der österreichischen Gesamtbevölkerung. Von einem insgesamt „beträchtlichen Belastungsausmaß“ berichten die Studienautoren. Fast allen Landwirten sind praktische Unterstützungsangebote wie Betriebshilfen des Maschinenrings oder Betriebsberatungen der Landwirtschaftskammer. Auch psychosoziale Beratungsangebote und das bäuerliche Sorgentelefon sind rund der Hälfte der Befragten ein Begriff. Wenn die Angebote genutzt werden, sind die Landwirte meist sehr zufrieden.

Hilferuf einer gesamten Berufsgruppe

Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, sieht in den Ergebnissen der Studie einen deutlichen und gemeinsamen Hilferuf einer gesamten Berufsgruppe. „Der ständige, schädliche Preiskampf auf Kosten der Bauern muss gestoppt und die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden“, fordert Moosbrugger. Laut dem Kammerpräsidenten sei es nicht überraschend, dass die Bürokratie als Hauptbelastungsfaktor genannt werde. EU-Kommission und nationale Behörden müssen von dem Ergebnis gleichermaßen wachgerüttelt werden. Moosbrugger verlangt: „Für jede neue Regelung sollten mindestens zwei andere, sinnlose wegfallen.“ Gerade für die im internationalen Vergleich kleinen österreichischen Familienbetriebe sei der Bürokratiedschungel nicht mehr zu bewältigen.

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