Bereits seit Oktober 2024 macht die Universität Bonn auf ihrem Versuchsgut Klein-Altendorf die Komplexität der Ziele in der Pflanzenzüchtung deutlich. Dazu wurden auf Kleinparzellen insgesamt 19 historische und moderne Weizensorten nebeneinander angepflanzt, wobei die älteste bereits rund 140 Jahre alt ist. Die Sorten sollen einen kleinen Ausschnitt der Vielfalt, die durch Pflanzenzüchtung geschaffen wird und die der Landwirtschaft Lösungen für regionale Anbau- und Vermarktungsbedingungen bietet, zeigen. Der Schauversuch wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) und dem Getreidefonds Z-Saatgut organisiert.
Um vor Ort zu verdeutlichen, welche Vielfalt allein dieses Nebeneinander der Sorten bietet, lud der BDP am Montag (16.6.) Branchenvertreter zu einem Austausch über die Bedeutung der Pflanzenzüchtung ein. Ulrike Avenhaus, Weizenzüchterin beim Unternehmen W. von Borries-Eckendorf, ging auf die Komplexität der Züchtungsziele ein und erläuterte, wie diese sich im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert haben. So sei beispielsweise die in Bäckereien verfügbare Brotvielfalt ein Ergebnis langwieriger Züchtung, die die Inhaltsstoffe in Weizen verändert und damit Backeigenschaften verbessert habe.
Avenhaus wies darauf hin, dass die Züchtung einer neuen Sorte – von der ersten Kreuzung bis zur vermarktungsfähigen Sorte – bis zu 15 Jahre dauere. „Wir Züchterinnen und Züchter müssen deshalb schon heute die Bedürfnisse von Landwirtschaft und Konsumenten der Zukunft und damit viele Züchtungsziele gleichzeitig im Blick behalten“, betonte Avenhaus. Züchtung sei mehr als nur Ertrag, und auch der Ertrag setze sich aus vielen kleinen Stellschrauben zusammen.
Dr. Agim Ballvora von der Universität Bonn stellte den sogenannten Rain-out Shelter vor, eine Anlage zur Simulierung von Trockenstress. Dort prüften Forschende der Uni Bonn bereits seit mehr als zehn Jahren, wie sich verschiedene Weizensorten bei länger werdenden Trockenphasen während der Vegetation verhielten. „Mit unseren Versuchen gewinnen wir wertvolle Einblicke, welche genetischen und physiologischen Merkmale entscheidend für die Anpassungsfähigkeit an Dürreperioden sind“, hob Ballvora hervor. Diese Erkenntnisse seien ein zentraler Baustein, um klimaresiliente Sorten zu züchten und die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen. Zugleich werde mit der Anlage die Bedeutung einer engen Verzahnung von Forschung und Praxis deutlich.

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