RindKälberPraxistest: Hitzeschutzfolie für Kälberiglus

Praxistest: Hitzeschutzfolie für Kälberiglus

Kälberiglu Hitzeschutz
Im Sommer sollten Sie die Iglus nach Nord bis Nordost ausrichten, um ein zu starkes Aufheizen zu vermeiden.
Quelle: Vetta

Die Nachmittagssonne brennt auf die Kälberiglus. Kein Baum, kein Vordach steht den Tieren zur Verfügung, um sich vor der Hitze zu schützen. Das Material der Kälberhütten heizt sich so stark auf, dass die Tiere trotz der hohen Temperaturen lieber außerhalb der Iglus liegen. Eine gefährliche Situation für die Kälber. „An schwülen Tagen mit hoher Luftfeuchte beginnt Hitzestress bereits bei 25 °C, da die Feuchtigkeit der schwitzenden Kälber schlechter verdunstet und der Körper nicht abkühlen kann“, erklärt die Arbeitskreisberaterin Alina Kofler. Je wärmer es ist, je höher die Luftfeuchte und je stärker die Sonneneinstrahlung, desto eher leiden Kälber somit an Hitzestress. Außerdem begünstigt Wärme das Bakterienwachstum und die Vermehrung von Fliegen in den Iglus und führt zu hygienischen Problemen. Eine reflektierende Folie soll Abhilfe schaffen. Über das Iglu gespannt, bietet sie laut Hersteller Schutz gegen die Hitze.

Einfache Montage

Die amerikanische Firma Cool Calf Covers, zu Deutsch kühlende Kälberabdeckungen, entwickelte in Zusammenarbeit mit der Agrarwirtschaftlichen Universität Texas Hitzeschutzfolien für Kälberiglus. Bestellt haben wir die mit Alu beschichtete Polyethylen-Folie über die Homepage www. quidee.de. In einem kleinen Paket kam die silberne Folie wenige Tage später bei uns an. Die mitgelieferte Montageanleitung in englischer Fachsprache ist wenig aufschlussreich. Die Bilder, die als zusätzliche Erklärung dienen sollten, sind quasi unkenntlich. Wir behalfen uns mit einem Video des Herstellers, das auf dessen Homepage zu finden ist. In diesem wird die Verwendung anschaulich demonstriert. Obwohl das Video in englischer Sprache ist, versteht auch ein nicht-englischsprachiger Anwender, was zu tun ist. Mit dem Fixieren der Hitzefolien hatten wir keine Probleme.

Zwei Personen benötigen etwa zehn Minuten, um die Folie über ein Iglu zu spannen und zu befestigen. Dafür wird die Folie über das Iglu gezogen und an jeweils zehn Stellen rechts und links angeschraubt. Die Schrauben und Unterlegscheiben aus Gummi sind im Lieferumfang enthalten. Mit einem Aluklebeband klebten wir die Folie an der Hinter- und Vorderseite an. Die Foliengröße passt für Einzeliglus gut. Ein kleiner Nachteil der Folie: Die Kälberiglus müssen, werden sie laut Montageanleitung befestigt, angebohrt werden – kleine Löcher bleiben zurück. Wichtig ist es, die Folie straff zu spannen und gut anzukleben, damit sie nicht vom Wind beschädigt werden kann. Verfügt das Iglu über Öffnungen und Lüftungsschlitze, sollten diese laut Hersteller vollständig mit der Folie bedeckt und nicht ein- bzw. ausgeschnitten werden. Ein Windstoß könnte sonst den Hitzeschutz zerstören. Eine Folie für ein Iglu mit Schrauben, ohne Klebeband kostet 26,10 Euro (inkl. MwSt.).

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Hohe Qualität

Mit der Qualität der Folien waren wir sehr zufrieden. Vereinzelt knabberten Kälber die Folie an. Die Neugier ließ aber bereits nach kurzer Zeit wieder nach. Die Löcher konnten wir mit Aluklebeband gut verschließen. Weder Regen, Wind oder sogar Hagel schädigten die Hitzefolie im Laufe unseres Testsommers. Laut Hersteller kann die Folie mindestens acht Monate lang verwendet werden. In unserem Fall ist diese, bei ordnungsgemäßer Verstauung und sorgfältiger Abnahme, auch in diesem Sommer noch benutzbar. Nach mehreren Monaten saß die Folie noch, wie bei der Erstmontage, gut auf den Iglus.

Werden die Iglus nach jedem Kalb gereinigt, ist der Aufwand dafür nicht unerheblich. Der Hersteller empfiehlt, die Folie abzunehmen, die Kälberhütte zu reinigen und danach den Hitzeschutz wieder zu montieren. Ein Testbetrieb schraubte die Folie auf abgekantete Holzlatten, die dann an der Längsseite des Iglus auf dem Boden lagen. Über dem Eingang und an der Rückseite befestigten sie die Folie mit dem Alu-Klebeband. So konnten sie die Folie nach jedem Kalb zeitsparend einrollen und das Iglu mit dem Hochdruckreiniger waschen.

Folie kühlt Kälberiglu

Unsere Messungen ergaben, dass vor allem an heißen Tagen, bei direkter Sonneneinstrahlung, beträchtliche Temperaturunterschiede zwischen Folieniglus und Iglus ohne Folie bestehen. Folieniglus waren demnach an heißen Tagen zeitweise um mehr als zehn Grad kühler als Iglus ohne Schutz. Die optimale Luftfeuchte für Kälber liegt zwischen 50 und 80 %. Diesen Werten näherten sich bzw. erreichten die Folieniglus bedeutend öfter als jene ohne Schutz. Bei Iglus ohne alubeschichtete Polyethylen-Folie lag die Feuchtigkeit öfters darunter, da die Feuchtigkeit durch die Hitze schneller trocknete.

Trotz dieser Werte, die für die Folie sprechen, konnten unsere Tester subjektiv nicht beobachten, dass sich die Kälber bei starker Sonneneinstrahlung öfters in den Iglus mit Hitzeschutz aufhielten als in denen ohne Schutz. Die Kälber hatten allerdings nur das eigene Iglu zur Verfügung. Sie konnten nicht wählen, ob sie sich in ein Iglu mit oder ohne Folie legen wollten. Irene Mösenbacher- Molterer von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gibt zu bedenken: „Eine Überdachung der Iglus ist der beste Schutz vor Hitze, Kälte, Wind und Niederschlägen.“ Bei Iglus ohne Wetterschutz kann die Hitzeschutz-Folie eine Möglichkeit sein, den Hitzestress der Kälber zu reduzieren.

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