Proteine übernehmen zentrale Aufgaben im Körper und sind unter anderem für Muskulatur, Enzyme, Hormone und das Immunsystem notwendig. Nach Angaben von Ao. Univ.-Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu von der Medizinischen Universität Wien ist die Versorgung in Österreich im Durchschnitt ausreichend und liegt sogar über den Empfehlungen.
So viel Protein brauchen wir
Für Erwachsene gelten 0,8 g Protein je Kilogramm Körpergewicht als Richtwert. Bei älteren Menschen liegt der Schätzwert bei 1,0 g, bei Personen mit mehr als fünf Stunden Sport pro Woche bei 1,2 bis 2,0 g je Kilogramm Körpergewicht.
Eine abwechslungsreiche Mischkost decke den Bedarf in der Regel ab. Proteinangereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel seien für gesunde Menschen daher meist nicht notwendig.
Mehr Protein bringt nicht automatisch mehr Nutzen
Bei Krafttraining kann eine höhere Proteinzufuhr den Muskelaufbau unterstützen. Der Effekt erreicht laut Ekmekcioglu jedoch bei etwa 1,6 g je Kilogramm Körpergewicht ein Plateau. Deutlich höhere Mengen, wie sie teilweise in sozialen Medien empfohlen werden, bringen wahrscheinlich keinen zusätzlichen Nutzen.
Für die Verwertung sind auch Qualität und Verteilung entscheidend. Als hochwertige Proteinquellen gelten unter anderem Ei, Milchprodukte, Fleisch und Soja. Pflanzliche Kombinationen wie Hülsenfrüchte mit Getreide können die Proteinqualität verbessern.
Pro Mahlzeit reichen demnach etwa 20 bis 30 g Protein, um die Muskelproteinsynthese wirksam anzuregen. Eine gleichmäßige Verteilung auf mehrere Mahlzeiten ist günstiger als eine sehr hohe Zufuhr auf einmal. Bewegung verbessert zusätzlich den Einbau des aufgenommenen Proteins in die Muskulatur.
Pflanzliche Proteine stärker nutzen
Die Ernährungswissenschaftlerin Mag. Hanni Rützler vom futurefoodstudio Wien sieht im Proteintrend auch eine Chance für einen Wandel des Ernährungssystems. Derzeit steigt allerdings vielfach wieder der Konsum tierischer Proteinquellen wie Fleisch, Eiern und Milchprodukten.
Aus Gesundheits- und Umweltgründen sei eine stärkere Orientierung an pflanzlichen Proteinquellen notwendig. Rützler verweist auf neue pflanzliche Lebensmittel, die nicht nur als Fleischersatz, sondern als eigenständige Produktgruppe entwickelt werden.
Landwirtschaft unter Anpassungsdruck
Auch für die Landwirtschaft gewinnt die Proteinversorgung an Bedeutung. Klimawandel, Trockenperioden und Wetterextreme verändern die Produktionsbedingungen. Gleichzeitig ist Europa bei Eiweißfuttermitteln stark von Importen abhängig.
DI Georg Sladek vom Agro Innovation Lab der RWA nennt klimaresiliente Sorten und eine breitere Nutzung heimischer Proteinpflanzen als wichtige Ansätze. Neben Soja könne auch die Ackerbohne künftig eine größere Rolle spielen.
Weitere Möglichkeiten sieht Sladek in Fermentation, neuen Vermahlungstechnologien, alternativen Proteinquellen und der besseren Nutzung von Nebenströmen. Ziel sei eine stabilere Versorgung von Mensch und Tier.
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