Was meinen Sie: Sind Demonstrationen weiterhin ein probates Mittel, um auf Missstände in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen? Oder hat sich die Bevölkerung an Traktorkonvois, Misthaufen vor Regierungsgebäuden und Bauern, die den Aufstand proben, längst sattgesehen? Konnten die Protestaktionen der letzten Jahre politisch wirklich etwas bewegen? Oder sind die Anliegen der Landwirte am Ende im politischen Treibsand untergegangen?
Die Gründe, warum Bauern auf die Straße gehen, sind bekannt: Steigende Kosten, sinkende Preise und wachsender Druck sorgen zunehmend für Ärger, die Unzufriedenheit wächst. In Österreich rief zuletzt das „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“ zu einer Demonstration in Wien auf. „Mit den Bauern scherzt man nicht“ – so lautete, passend zum 1. April, der Appell. Die Landwirte forderten faire Wettbewerbsbedingungen, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, mehr Wertschätzung und einen spürbaren Abbau der Bürokratie. Auch internationale Entwicklungen wie das Mercosur- Abkommen standen, trotz oder gerade wegen dessen vorläufigen Inkrafttretens, in der Kritik.
Mit Demonstrationen alleine werden wir den Wandel in Gesellschaft, Politik, Klima und auf den Märkten nicht aufhalten. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auch in der Landwirtschaft auf neue Anforderungen einstellen und selbst Lösungen entwickeln. Dennoch halte ich die Proteste weiterhin für ein starkes Signal. An die Politik, dass Handlungsbedarf besteht. An die Gesellschaft, dass die Arbeit der Bauern nicht selbstverständlich ist. Und nach innen: Wir stehen vor gemeinsamen Herausforderungen, lasst sie uns gemeinsam anpacken. Denn am Ende geht es um die Existenz bäuerlicher Familienbetriebe.
Dafür ist kein Versuch zu schade.
Ihre Reinhild Jäger
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