LANDWIRT: Rapid schrieb zuletzt Verluste. Wie soll die Rückkehr in die Gewinnzone gelingen?
Florian KAUFMANN: Die vergangenen zwei Jahre waren anspruchsvoll. Nach dem Corona-Boom ging die Nachfrage deutlich zurück, gleichzeitig belasteten Lieferkettenprobleme und hohe Beschaffungskosten das Geschäft.
Wir haben diese Zeit genutzt, um unsere Strukturen zu überprüfen und die Kostenbasis zu senken. Nun geht es darum, die vorhandenen Kapazitäten besser auszulasten und mit attraktiven Produkten zusätzliche Märkte zu erschließen. Damit sehen wir uns gut aufgestellt, wieder nachhaltig profitabel zu wirtschaften.

Florian Kaufmann
Florian Kaufmann (Jahrgang 1988) gehört seit 2013 dem Verwaltungsrat der Rapid Holding AG an und ist seit 2025 dessen Präsident. Seine Familie hält die Aktienmehrheit an der Rapid Holding AG.
Ihr Unternehmen ist eng mit der Berglandwirtschaft verbunden. Wie lassen sich diese Wurzeln mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit verbinden?
Der Produktionsstandort Schweiz und die damit verbundene Qualität sind ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Unsere Maschinen müssen unter besonders anspruchsvollen Bedingungen und in steilem Gelände bestehen. Dort zählen Stabilität, sichere Bedienung und eine hohe Lebensdauer.
Bewähren sich die Geräte unter diesen Bedingungen, sind sie auch für viele andere Märkte interessant. Diese Nähe zur Berglandwirtschaft ist deshalb keine Einschränkung, sondern ein wichtiger Teil unserer internationalen Positionierung.
Welche Innovationen sollen neues Wachstum bringen?
Ein Beispiel ist der neue „Worber“, ein Anbaugerät, das den Trocknungsprozess des Futters beschleunigt und damit die Futterernte effizienter machen soll.
Gleichzeitig investieren wir in Digitalisierung und Automatisierung. Der satellitengesteuerte, autonome Einachs-Motormäher „Cosmos“ zeigt, wohin die Entwicklung gehen kann. Besonders in der Futterernte sehen wir Potenzial, weil sich Arbeitsschritte wie Mähen, Kreiseln und Schwaden automatisieren lassen.
Welche Rolle spielt der Elektro-Einachser „Uri“?
Nach der Vorstellung gab es einen starken Elektro-Hype. Einige hundert Maschinen wurden verkauft, vor allem für lärmsensible Einsätze in Städten, Wohngebieten oder bei Krankenhäusern. Dort spielen niedrige Geräusch- und Abgasemissionen ihre Vorteile aus.
Danach ist die Nachfrage abgeflacht. Zuletzt haben wir auf Messen und Ausstellungen aber wieder mehr Interesse festgestellt. Elektromaschinen werden den Verbrenner nicht in jeder Anwendung ersetzen, können in bestimmten Einsatzprofilen jedoch eine sehr sinnvolle Lösung sein.
Mit KommTek und Brielmaier hat Rapid 2019 zwei Spezialisten übernommen. Was war das Ziel?
Mit den Funkraupen von KommTek haben wir neue Kundengruppen in der kommunalen Arealpflege, im Forst und im Straßenunterhalt erschlossen. Diese Anwendungen unterscheiden sich deutlich vom klassischen Einachsergeschäft und eröffnen uns zusätzliches Wachstum.
Brielmaier wiederum verfügte bei Breitspurmähern über einen hervorragenden Ruf und eine starke Marktposition. Durch die Übernahme konnten wir wesentlich schneller in dieses Segment einsteigen, als wenn wir eine entsprechende Baureihe vollständig selbst entwickelt hätten.
Digitalisierung und Automatisierung werden die Entwicklungen unserer Maschinen künftig entscheidend prägen.
Sind weitere Übernahmen geplant?
Derzeit setzen wir vor allem auf organisches Wachstum: durch Innovationen, neue Märkte und zusätzliches Potenzial bei den Raupenfahrzeugen. Dennoch halten wir Augen und Ohren offen, falls sich eine passende Gelegenheit ergibt.
Unter dem Namen Brielmaier ist inzwischen wieder ein Mitbewerber am Markt. Wie gehen Sie damit um?
Wettbewerb belebt das Geschäft und spornt uns an, technologisch und qualitativ voraus zu bleiben. Wir haben stark in die Weiterentwicklung unserer Brielmaier-Maschinen investiert – auch wenn man viele Verbesserungen nicht auf den ersten Blick sieht.
Dazu kommen ein breites Angebot an Anbaugeräten, ein leistungsfähiger Service und eine verlässliche Ersatzteilversorgung. Unsere Größe erlaubt uns, ein Gesamtpaket anzubieten, das nicht ohne Weiteres kopiert werden kann. Gleichzeitig nehmen wir jeden Mitbewerber ernst, gerade wenn er den Markt und die Technik gut kennt.
Wie hat sich die Partnerschaft mit Reform entwickelt?
Die seit 2010 bestehende OEM-Partnerschaft hat sich sehr positiv entwickelt. Reform verfügt in Österreich über eine starke Marktposition, ein dichtes Vertriebsnetz und viel Erfahrung mit Maschinen für das Berggebiet.
Je nach Gebiet werden unsere Geräte in grüner oder roter Lackierung angeboten. Für Rapid bringen die zusätzlichen Stückzahlen größere Produktionsserien und damit Skaleneffekte.
Zuletzt wurde die Zusammenarbeit von Rapid und Reform auf Brielmaier-Maschinen und Funkraupen ausgeweitet. Damit können wir in Österreich ein breiteres Angebot für Landwirtschaft, Kommunen und Spezialanwendungen abdecken.
Rapid ist heuer 100 Jahre alt geworden. Was ist vom Geist der Gründer noch spürbar?
Der Pioniergeist ist tief im Unternehmen verankert. Wie bei der Gründung wollen wir mit innovativer, zuverlässiger Technik die schwere Arbeit unserer Kundinnen und Kunden erleichtern.
Gleichzeitig hat sich Rapid immer wieder neu erfunden. Früher stand die Mechanisierung im Vordergrund. Heute beschäftigen uns Sensorik, Automatisierung, Ergonomie und Arbeitssicherheit. Das Unternehmen von heute ist mit der Rapid Motormäher AG von 1926 deshalb aber kaum noch vergleichbar.
100 Jahre Rapid
Rapid wurde 1926 als Rapid Motormäher AG gegründet. Mit dem Einachstraktor „Typ S“ legte das Unternehmen 1950 den Grundstein für sein bis heute prägendes Produktsegment.
2019 übernahm Rapid Brielmaier und KommTek, 2021 kam der vollelektrische Einachser „Uri“ auf den Markt. Heute entwickelt und produziert Rapid Einachs- und Raupenfahrzeuge für Landwirtschaft, Kommunen und Spezialanwendungen.
Mehr zum neuen Anbaugerät für die Futterernte: Rapid Worber, der Trocknungsbeschleuniger.

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