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Rubrik Schaf

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„Schafmilch und Lammfleisch sind ausverkauft“

Die Nachfrage nach Schafmilch und Lammfleisch steigt kontinuierlich und es wird nach Neueinsteigern gesucht. Wir haben die Geschäftsführerin der Weizer Schafbauern Genossenschaft, Juliane Wurzinger, zu den aktuellen Entwicklungen im Schafmilch- und Lammfleischmarkt befragt.

Juliane Wurzinger im Verkaufsraum der Weizer Genussmanufaktur mit Milch- und Fleischprodukten der Weizer Schafbauern. Quelle: Loibner

Paul Loibner 5 Min. Lesezeit

Die Weizer Schafbauern bestehen seit 1995. Welche Idee stand damals hinter der Gründung der Genossenschaft?

Die Bauern in Weiz und Umgebung waren auf der Suche nach einer Alternative zur Rinderhaltung, weil die schweren Rinder bei der Beweidung Pfade in die hügelige Landschaft machten, die dadurch noch schwieriger zu bewirtschaften wurde. Findige Bauern versuchten es mit Schafen, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Die Schafhaltung brachte und bringt wirklich Vorteile für die Betriebe und so stellten immer mehr Bauern in der Region auf Schafe um.

Die Schafbauern schlossen sich dann zu einer Genossenschaft zusammen, um ihre Produkte optimal zu vermarkten.

Wie haben sich die Genossenschaft und ihre Mitglieder in den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelt?

Aus den wenigen belächelten Pionieren sind knapp 320 Familienbetriebe geworden, die Delikatessen mit und aus Schafen herstellen. 2017 wurde in Weiz eine neue Molkerei mit Fleischverarbeitung und Vermarktungszentrum gebaut.

Wie viel Milch wird jährlich verarbeitet, wie viele Lämmer vermarktet?

Es werden ganzjährig rund 350.000 Liter Schafmilch und etwa 5.000 Lämmer im Jahr verarbeitet und vermarktet.

Welche Aufgaben übernimmt die Genossenschaft heute für ihre Mitgliedsbetriebe?

Die Genossenschaft bietet ein gutes Netzwerk und man versorgt sich gegenseitig mit Wissen, gerade in schwierigen Zeiten, wenn Seuchen und Dürre die Betriebe bedrohen. Man kennt sich untereinander, ruft sich gegenseitig an, wie in einer großen Familie. Aber auch der Auftritt nach außen ist durch die Genossenschaft viel stärker und die Vermarktung der Produkte einfacher.

Wie beurteilen Sie derzeit die Marktsituation für Schafmilch in Österreich?

Auf jeden Fall positiv. Die Nachfrage nach Schafmilch können wir bei Weitem nicht decken. Schafmilch ist sozusagen ausverkauft.

Woher kommt die große Nachfrage? Wen sehen Sie als die wichtigsten Nachfragetreiber?

Nachfragetreiber sind auf jeden Fall ernährungsbewusste Menschen, die hochwertige Milchprodukte zu sich nehmen wollen oder auf der Suche nach einer Alternative zur Kuhmilch sind. Mehr zur Schafmilchproduktion in Österreich

Wie viel Schafmilch könnte in Weiz zusätzlich verarbeitet werden?

Die Molkerei ist auf größere Mengen ausgelegt. 200.000 Liter mehr im Jahr könnten wir sofort, ohne Probleme, verarbeiten und wir hätten bereits den Absatzmarkt dazu. Wir müssen jetzt Kunden vertrösten und überlegen, wen wir wann beliefern, damit alle versorgt sind.

Trotzdem bekommt nicht jeder immer gleich das, was er gern hätte.

Welche Herausforderungen beschäftigen Ihre Milchlieferanten momentan am stärksten?

Momentan ist es natürlich die Futterversorgung, aber auch Krankheiten, Seuchen und die Rückkehr des Wolfes bereiten unseren Bauern Sorgen.

Wie entwickeln sich die Erzeugerpreise – und reichen sie aus, um die gestiegenen Produktionskosten abzudecken?

Wir haben zuletzt am 1. Juli die Preise für unsere Lieferbetriebe eklatant erhöht, damit diese kostendeckend und lukrativ arbeiten können.

Was bekommt heute ein Schafbauer, der an die Weizer Schafbauern liefert, für einen Liter Schafmilch?

Das hängt von der Qualität ab. Fett- und Eiweißgehalt sind preisrelevante Faktoren sowie auch die Keim- und Zellzahl. Wenn alles passt, kommt man aktuell auf bis zu 1,36 Euro pro Liter.

Wie präsentiert sich derzeit der Markt für Lammfleisch?

Damit sind wir auch sehr zufrieden. Lammfleisch wird uns förmlich aus den Händen gerissen. Die Kunden sind auf der Suche nach ordentlicher, verlässlicher Qualität und schätzen ganzjährige Verfügbarkeit.

Der Steirische Schaf- und Ziegenzuchtverband und die Weizer Schafbauern sind die beiden wichtigsten Vermarktungsorganisationen für Lämmer in der Steiermark. Konkurrieren die beiden Organisationen um dieselben Lämmer oder arbeiten sie zusammen?

Wir arbeiten gut zusammen und schauen gemeinsam, wann welche Lämmer verfügbar sind und wie diese optimal vermarktet werden können. Der Schwerpunkt beim Verband liegt ja in der Lebendtiervermarktung, bei uns im Betrieb geht es darum, dass wir die Schlachtkörper entsprechend zerlegen und vermarkten.

Sind mit 1. Juli auch die Erzeugerpreise für Lammfleisch bei den Weizer Schafbauern gestiegen? Was bekommt ein Bauer für ein erstklassiges Lamm pro Kilo?

Am Schlachthof in Weiz werden einmal in der Woche Lämmer geschlachtet. Anschließend werden die Schlachtkörper von einer unabhängigen Stelle klassifiziert, dann wird abgerechnet. Bei den meist sehr guten Qualitäten bekommt man auf jeden Fall gut 200 Euro für ein Lamm.

Hat sich das Konsumverhalten von Lammfleisch in den vergangenen Jahren verändert?

Es wird nun nicht mehr nur in der Karwoche Lammfleisch gegessen, sondern ganzjährig. Darum soll Lammfleisch auch ganzjährig verfügbar sein. Die Kunden wurden kreativer und verwenden nun gern verschiedene Teilstücke und probieren andere Schnitte aus.

Auch die Küchenausrüstung hat sich verändert und es wird immer mehr gegrillt.

Welche Absatzkanäle gewinnen an Bedeutung?

Gerade der Online-Verkauf gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wenn Sie heute etwas bestellen, wird Ihnen morgen das gekühlte Paket zugestellt.

Es gab immer wieder Nachrichten in den letzten Jahren, dass es mehr oder weniger starke Turbulenzen bei den Weizer Schafbauern gibt. Was können Sie dazu sagen?

Das stimmt, es war nicht leicht in den letzten Jahren. Der Bau des neuen Gebäudes war sehr kostspielig, Fehler im Management führten dazu, dass einige Bauern aus der Produktion ausgestiegen sind, andere gingen in Pension und es gab auch tragische Todesfälle.

Das führte dazu, dass der teure, moderne Betrieb nicht ausgelastet war. Anfang 2024 war die wirtschaftliche Lage äußert prekär.

Ist die Genossenschaft durch die Kooperation mit dem Fleischhof Raabtal Anfang dieses Jahres nun in ruhigerem Fahrwasser angekommen?

Der Fleischhof Raabtal ist spezialisiert auf den Schwein- und Rindfleischmarkt und war auf der Suche nach einem Platz, wo die Rinderzerlegung stattfinden soll. Wir haben dafür Platz gehabt und wir haben von Anfang an sehr gut zusammengearbeitet. Darum haben wir die Zusammenarbeit intensiviert, der Fleischhof Raabtal hat den Betrieb mit allen Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern als „Weizer Genuss Manufaktur GmbH“ übernommen und vertreibt alle Produkte unter der Marke „Weizer Schafbauern“. Die Genossenschaft besteht weiterhin, konzentriert sich auf ihre ursprünglichen Aufgaben, wie Vernetzung und Organisation, und liefert Fleisch und Milch exklusiv an die Weizer Genuss Manufaktur.

Welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit den Mitgliedsbetrieben?

Wir garantieren den Mitgliedsbetrieben ganzjährige und sichere Abnahme der Produkte, verlässliche und gute Zahlungskonditionen und somit eine positive Zukunftsperspektive.

Wie möchten Sie junge Betriebsführer für die Schafhaltung begeistern?

Besonders für Bäuerinnen im Nebenerwerb ist es leichter, mit den handlichen Schafen als mit den großen Kühen zu arbeiten. Weiters können Steilflächen und bestehende Gebäude gut für die Schafhaltung genutzt und Milch und Lämmer gut vermarktet werden.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Schafe & Ziegen aktuell! Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen.

Kontakt zum Autor

Paul Loibner

LANDWIRT Redaktion

Studierte Agrarwissenschaften und Naturraummanagement an der BOKU Wien. Nach verschiedenen Praktika und drei Almsommern als Senner ist er seit August 2020 Redakteur der Zeitschrift „Schafe&Ziegen aktuell“. Er wohnt mit seiner Familie in Studenzen, hält dort Kleinvieh und bewirtschaftet mit seinem Vater den elterlichen Betrieb mit Ackerbau und Forst in St. Martin im Sulmtal.

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