Die Zahl der Lohnschlachter für Schaf und Ziege nimmt stetig ab. Wer kleine Wiederkäuer selbst schlachten möchte, muss tierschutzkonform vorgehen. Außerdem ist ein Sachkundenachweis oder eine entsprechende Ausbildung, wie sie landwirtschaftliche Fachschulen bieten, nötig. In Österreich ist bei der Schlachtung für den Eigenbedarf der Sachkundenachweis nicht verpflichtend. Eine stressfreie und saubere Schlachtung beginnt aber bereits vor der Betäubung mit einem angemessenen Umgang. Dazu müssen Sie über die grundlegende Eigenschaften kleiner Wiederkäuer Bescheid wissen.
Eigenschaften der Tiere
Schafe und Ziegen sehen im Vergleich zu Rindern recht gut. Auch ihr Gehör- und Geruchssinn sind gut ausgeprägt. Vermeiden Sie daher schnelle Körperbewegungen, laute Schreie sowie hallende Räumlichkeiten.
Durch den Herdentrieb fühlen sich kleine Wiederkäuer in der Gruppe am wohlsten. Eine Isolation bedeutet hingegen großen Stress für das Einzeltier. Gruppieren Sie die zur Schlachtung bestimmten Tiere bereits mehrere Tage vor dem Schlachttermin. Die Tiere gewöhnen sich aneinander, werden ruhiger und stellen eine neue Rangordnung her. Stress wird rechtzeitig vor der Schlachtung abgebaut.
Schafe und Ziegen sind Fluchttiere mit einem starken Folgeinstinkt. Die ganze Herde flieht meist geschlossen auf das Zeichen eines einzelnen Tieres hin. Einzelne Tiere, insbesondere Böcke und Widder, können unvermutet angreifen. In Panik geratene Schafe rennen „kopflos“ umher. Dabei können sie von Rampen stürzen, sich gegenseitig erdrücken oder zu Tode trampeln.
Schafe und Ziegen können Hindernisse bis zu 1 m Höhe einfach überwinden. Halten Sie bei Treibgängen und Abzäunungen eine Bauarthöhe von mindestens 120 cm ein.
Fleischschafrassen mit tonnenförmigem Körper, wie Texel oder Suffolk, fällt es oft schwer, das Gleichgewicht zu halten. Sie kippen beim Transport leicht um oder stürzen. Weiche Einstreu und eine angepasste Fahrweise helfen, Verletzungen vorzubeugen. Die relativ dünnen Beine der Tiere bergen zudem die Gefahr, leicht in Spalten zu geraten und darin hängen zu bleiben. Decken Sie Wassereinläufe und in den Boden eingelassene Führungsschienen ab.
Schafe werden häufig als „stille Dulder“ bezeichnet. Belastungen und Schmerzen sind ihnen nur schwer anzumerken. Das Ziehen am Fell ist für Schafe und Ziegen sehr schmerzhaft, da ihre Haut leicht einreißt. Versuchen Sie die Tiere mit Futter zu locken.
Bei einem Vlies von mehr als 2 cm Länge sind Schafe fast vollständig wärmeisoliert. Sie können Wärme dann nur durch Hecheln abgeben und brauchen mehr Wasser. Daher kann es bei Temperaturen über 20 °C häufig zu Wassermangel kommen. Achten Sie aus diesem Grund auch in den Sommermonaten auf die Temperatur im Wartestall. Ventilatoren samt Wasservernebelung können helfen die Temperatur zu senken. Dass Stresslevel der Tiere sinkt. Ist die Wolle allerdings durchnässt, isoliert sie nicht mehr so gut und es kann zum Auskühlen des Körpers kommen. Vor allem bei Tieren mit wenig Wolle, kurz nach der Schur kann das in der kalten Jahreszeit zu Kältestress führen.
Als täglicher Trinkwasserbedarf sind in Abhängigkeit vom Wassergehalt des Futters 2 bis 5 l pro Tier anzunehmen. Bei hohen Umgebungstemperaturen steigt der Wasserbedarf auf bis zu 15 l pro Tag. Achten Sie auch am Tag der Schlachtung darauf, dass dem Tier genug Wasser bereit steht. Durst verursacht unnötigen Stress.
Was der Artikel für Sie noch bereit hält:
- Angst erkennen
- Schlachtung vorbereiten
- Richtig betäuben
- Der Entblutungsstich
- Teilmobile Schlachtung
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