Ihre unterschiedlichen Auffassungen zur künftigen Düngepolitik haben der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Dr. Holger Hennies, und der Agrarwissenschaftler Prof. Friedhelm Taube bekräftigt. In einem Streitgespräch bezeichnet der Landesbauernpräsident die Abschaffung der Stoffstrombilanz als „überfällig“. Sie habe erhebliche Mängel aufgewiesen und für die Bauern zusätzliche Bürokratie und keinerlei Nutzen gebracht. Demgegenüber sieht Taube in der Entscheidung der Bundesregierung einen fundamentalen strategischen Fehler. Mit einer schlanken belegbasierten Bilanz hätte die Chancen bestanden, mittelfristig auf die Düngeverordnung zu verzichten.
Hennies fordert die Bundesregierung dazu auf, weiterhin schnell zu handeln. Sie müsse überzogene Dokumentationspflichten massiv reduzieren, Rote Gebiete rechtskonform ausweisen und dort geltende Regelungen vereinfachen. Schwieriger werde es, gewässerschonend wirtschaftende Betriebe in Roten Gebieten zu entlasten. Eine Voraussetzung dafür sei eine Bilanzierung auf betrieblicher Ebene unter Berücksichtigung der regionalen Verhältnisse. Das könnte sowohl bei den Landwirten Zuspruch finden, als auch auf mittlere Sicht gegenüber der EU-Kommission vermittelbar sein, so der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV).
Dem stimmt Taube zu. Daneben erhofft er sich von der Bundesregierung eine klare Orientierung, wohin die Reise gehen muss. Die „Tierhaltung“ werde nicht auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben können. Für den Wissenschaftler steht außer Frage, dass die Transformation des Agrar- und Ernährungssystems hin zu weniger Produkten tierischer Herkunft konsequent weitergehen muss.

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