KommentarTrotz harter Zeiten nicht nur schwarzmalen

Trotz harter Zeiten nicht nur schwarzmalen

Erschienen in: LANDWIRT 11/2026

Zuletzt haben mir zwei Leser eine Rückmeldung auf meine Editorials gegeben. Beide meinten einstimmig: Ich schreibe zu positiv. Natürlich, Grund zum Jammern gäbe es genug. Das ist mir als aktiver Bäuerin bewusst. Ich wüsste keine landwirtschaftliche Sparte, in der es derzeit wirklich rund läuft. Im Grünland und am Acker kämpften die Landwirte das ganze Frühjahr über mit fehlenden Niederschlägen. Die Waldbauern blicken mit Sorge auf die Borkenkäferentwicklung. Schweinehalter sollen ihre Ställe kostspielig umbauen. Die Rinderbauern fürchten die nächste Tierseuche und die Existenz vieler Schaf- und Ziegenhalter wird durch den Wolf bedroht.
Kurzum: Die Land- und Forstwirtschaft steht vor so vielen Herausforderungen, dass ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Von den Bauern wird das nahezu Unmögliche erwartet. Wir sollen Tierwohl verbessern, das Klima schützen, günstige Lebensmittel produzieren. Und das alles in einem Markt mit steigenden Betriebskosten und sinkenden Erzeugerpreisen. Einfach und sorgenfrei wirtschaften geht anders.

Und trotzdem habe ich keinen Grund, nur schwarzzumalen. Denn es gibt nach wie vor etwas, das mir Mut macht: junge, motivierte Menschen mit starkem Bezug zur Landwirtschaft. Menschen, die Verantwortung übernehmen, Ideen haben und Freude an ihrer Arbeit ausstrahlen. Das erleben wir gerade wieder in der Redaktion bei der Wahl zum „Beliebtesten Landwirt des Jahres“, der sich 2026 56 Kandidaten stellen.

Schreibe ich also tatsächlich zu positiv? Mag sein. Aber ich finde es wichtig, neben allen Problemen auch jene Menschen sichtbar zu machen, die in der Land- und Forstwirtschaft trotz allem mit Herzblut weitermachen.

Ihre Reinhild Jäger

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