KommentarUnfälle mit Weidevieh: Warum Eigenverantwortung wichtig ist

Unfälle mit Weidevieh: Warum Eigenverantwortung wichtig ist

Erschienen in: LANDWIRT 12/2026

Wenn Begegnungen zwischen Weidevieh und Wanderern mit Verletzungen oder gar Todesfällen enden, dann ist das zweifellos tragisch. Entsprechend intensiv werden solche Vorfälle in der Öffentlichkeit diskutiert. Dabei dreht sich die Debatte meist sehr schnell um die Frage, wer schuld ist. Mehr dazu lesen Sie im Kommentar von Christina Vetta. Aber unabhängig davon, wie ein Gericht die rechtliche Verantwortung letzten Endes beurteilt – kein Landwirt möchte die Last tragen, dass ein Mensch durch seine Tiere schwer verletzt wird oder gar ums Leben kommt.

Warum also sprechen wir nicht häufiger darüber, wie sich solche Unfälle überhaupt vermeiden lassen? Und da geht es unter anderem auch um die Eigenverantwortung. Natürlich dürfen Wanderer markierte Wege nutzen. Es ist aber auch nicht verboten, den eigenen Hausverstand einzusetzen. Muss ich mit meinem Hund tatsächlich knapp an einer Kuhherde vorbei gehen? Nein. Aber offenbar geht unserer Gesellschaft zunehmend das Gespür für Natur und Landwirtschaft verloren. Dazu passend habe ich erst kürzlich in einem steirischen Naturschutzgebiet erlebt, wie wenig manche Hundebesitzer von Leinenpflicht oder Badeverboten für Hunde halten. Stattdessen jagten ihre Vierbeiner unangeleint dem Stöckchen nach, das sie zuvor in den See geworfen haben.

Wir Bauern können nicht alle Wanderwege auszäunen und die gesamte Verantwortung für einen unfallfreien Almsommer übernehmen. Denn die Alm ist nicht nur Erholungsraum, sondern vor allem auch Betriebsfläche, wie kürzlich in einer Fernsehdiskussion treffend auf den Punkt gebracht wurde.

Wer die Natur nutzen will, muss auch bereit sein, Regeln zu respektieren. Solange Eigenverantwortung nicht zumutbar ist, werden wir über die Schuldfrage bei Unfällen mit Weidevieh diskutieren – und nicht darüber, wie wir solche Vorfälle verhindern. Denn kein Zaun, kein Warnschild und kein Gerichtsurteil können ersetzen, was früher selbstverständlich war: die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Ihre Reinhild Jäger

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