Ein um 1,5 °C zu warmer April, gefolgt von einem 1,6 °C zu kühlen Mai, sorgte für gesunde Bestände ohne Pilzbefall. Ende Juni beschleunigte eine kurze Hitzewelle die Abreife der Wintergerste, die innerhalb weniger Tage gedroschen wurde. Seit Anfang Juli jedoch fallen wöchentlich ergiebige Niederschläge – in Linz summierten sich bereits 210 mm, doppelt so viel wie im langjährigen Schnitt. Die Befahrbarkeit ist vielerorts nicht mehr gegeben, das Korn trocknet kaum ab und Auswuchs droht. In den Gunstlagen konnten trotzdem bis zur dritten Juliwoche Weizenerträge von bis zu 10 t/ha mit Proteinwerten jenseits der zwölf Prozent geborgen werden.

Globale Rekorde
Der Internationale Getreiderat (IGC) erwartet 2025/26 eine Weltgetreideproduktion von 2,376 Mrd. t – so viel wie nie zuvor. Allein Russland könnte dank einer aufgehobenen Exportsteuer 42,9 Mio. t Weizen ausführen, während die EU im Vorjahr nur etwa die Hälfte exportierte. Zeitgleich sinkt der chinesische Importbedarf um rund 20 Mio. t und der Euro notiert auf Mehrjahreshoch. Ergebnis: Der Absatz österreichischen Weizens auf den klassischen Märkten Nordafrika und Asien wird zusehends schwieriger.
Kostenlawine durch Dünger
Mit dem Ausstieg aus russischem Stickstoff– und Phosphordünger weichen die EU-Länder auf teurere Quellen aus. Phosphor aus Marokko kostet mittlerweile um 170 €/t mehr als in Brasilien. Für Stickstoffdünger greifen ab 1. Juli 2025 EU-Schutzzölle, die bis 2028 auf 315 €/t (Harnstoff, NAC) bzw. 430 €/t (Mehrnährstoffdünger) ansteigen. Zusätzlich wird Dünger ab 1. Jänner 2026 dem CO₂-Grenzausgleich (CBAM) unterworfen; Experten rechnen allein daraus mit einem Plus von 80 – 100 €/t bei NAC.

Deckungsbeiträge im Sturzflug
Während 2021/22 der Deckungsbeitrag bei Weizen noch rund 2.000 €/ha betrug, bleibt aktuell bei einem Bruttopreis von 200 €/t und acht Tonnen Ertrag kaum mehr als 400 €/ha übrig – vor Fixkosten, Pacht und eigenem Lohn. Gerste liegt zwei Drittel unter dem Vorkrisenniveau. Selbst ein Ertragsplus kann die Preis- und Kostenmisere nicht auffangen.
AMA-Gütesiegel als Hoffnungsschimmer
Seit Jahresbeginn gibt es erstmals durchgängig verbindliche Richtlinien für AMA‑Gütesiegel‑Ackerfrüchte. In Oberösterreich haben 1.470 Betriebe knapp ein Viertel der Weizenfläche – rund 11.000 ha – unter Vertrag. Bundesweit stehen 450.000 t Gütesiegelweizen zur Verfügung. Die LK OÖ fordert den Lebensmittelhandel auf, das Angebot verstärkt in Mehl, Brot und Gebäck zu platzieren, um heimischen Produzenten einen fairen Zuschlag zu sichern.
Flächenverschiebungen 2025
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bleibt die Getreidefläche mit 168.808 ha nahezu stabil. Rückgänge bei Winterroggen (–4 %) und Wintergerste (–2 %) werden durch mehr Sommergetreide (+8 %) kompensiert. Körnermais erreicht mit 54.709 ha einen neuen Höchststand (+6 %), Sojabohne legt zweistellig zu (+10 %), während die Zuckerrübe nach Preissturz und Werksschließung in Leopoldsdorf um 37 % einbricht.
Erste Ernteergebnisse

- Wintergerste: Ø 8 t/ha (+9 % ggü. Ø)
- Winterraps: Ø 4,1 t/ha
- Winterweizen: Ø 8 t/ha (+7 %), 60–70 % Mahlweizenqualität
- Bio-Wintergerste: 4,5–5 t/ha, Preis 320 €/t netto
Risikoabsicherung durch Hagelversicherung
Bis 10. Juli haben sich die Hagelschadensmeldungen gegenüber 2024 verdoppelt. Neun von zehn Ackerbauern sind gegen Hagel, Frost, Dürre und Sturm versichert; 55 % der Prämie werden öffentlich bezuschusst. Mit modernem Satelliten‑ und Radar‑Monitoring werden Schäden binnen weniger Tage erhoben – ein Modell, das international als Best Practice gilt.
Ausblick Herbstkulturen
Mais und Soja präsentieren sich dank Juli‑Regen vital; GeoSphere Austria prognostiziert Produktionszuwächse von +9 % bzw. +27 % gegenüber dem Fünfjahresmittel. Engerlingbefall im Grünland erfordert punktuelle Nachsaat, dürfte jedoch die Grundfutterversorgung nicht gefährden. Bei Zuckerrüben bleibt der Ertrag wegen schlechter Feldaufgänge hinter der Vorjahresrekordfläche zurück

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