Mit dem Inkrafttreten des CO₂-Grenzausgleichssystems (CBAM) steigen die Importkosten für Düngemittel in die Europäische Union. Besonders betroffen ist Harnstoff, der weiterhin überwiegend importiert wird. Je nach Herkunftsland erhöhen sich die Kosten laut Branchenangaben um 45 bis 55 Euro pro Tonne.
Bei Nitratdüngern ist die Versorgungslage innerhalb der EU vergleichsweise stabil, wodurch stärkere Preissprünge abgefedert werden könnten. Deutlicher fallen die Aufschläge bei Ammoniumsulfat aus China aus, wo von Mehrkosten in Höhe von rund 75 Euro je Tonne berichtet wird. Auch Mehrnährstoffdünger (Nitrat, Phosphor und Kali) aus Russland und Marokko verteuern sich demnach um etwa 60 Euro pro Tonne.
Kalkulation der Folgekosten erschwert
Derzeit werden in der EU überwiegend Düngemittel gehandelt, die bis Ende 2025 importiert oder verzollt wurden. Die Lagerbestände, insbesondere bei Harnstoff und Phosphaten, gelten als weitgehend abgebaut.
Importeure sehen sich nach eigenen Angaben mit Unsicherheiten bei der Kalkulation der künftigen Kosten konfrontiert. Hintergrund sind unter anderem ein neu eingeführter sektorübergreifender Korrekturfaktor, dessen Höhe erst Ende 2026 festgelegt werden soll, sowie die Preisermittlung auf Basis nachträglich veröffentlichter Quartalsdurchschnittswerte. Branchenvertreter berichten, dass internationale Produzenten und Händler ihre Lieferungen nach Europa zunehmend zurückhaltend disponieren.
Lagerbestände decken Bedarf nur teilweise
Nach aktuellen Schätzungen decken die vorhandenen Lagerbestände in der EU rund 45 bis 50 Prozent des Düngemittelbedarfs für die Ernte 2026. Der Bedarf für die Anbausaison 2026/2027, die im Herbst beginnt, ist dabei noch nicht berücksichtigt.
Die Landwirtschaftskammer fordert eine Verschiebung der Umsetzung des CO₂-Grenzausgleichs für Düngemittel sowie eine Überarbeitung bestehender Zölle. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat nach Angaben der Kammer im EU-Agrarministerrat eine Initiative zur Aussetzung der Regelungen angestoßen. Auf EU-Ebene wird nun über mögliche Anpassungen diskutiert.

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