„Angefangen hat es damit, dass wir das Bauernhaus aus dem Jahr 1629 renoviert haben“, beginnt Vater August Pratter (67) auf der gemütlichen Hausbank sitzend zu erzählen. „Als wir hinter dem Wirtschaftsgebäude eine Bodenplatte für unsere Landmaschinen betonierten, meinten wir, dass eine solche auch hinter dem alten Kuhstall, in dem unsere 15 Mutterschafe standen, von Vorteil wäre“, erzählt sein Sohn Stefan Pratter weiter. Die Idee wurde ausgeführt, und so entstand an der Stelle, wo sich früher der Misthaufen befand, ein kleiner, aber feiner Tretmiststall für 25 Mutterschafe. „Den Kuhstall mussten wir damals mit Schaufel und Scheibtruhe händisch ausmisten. Jetzt kommt zweimal im Jahr der Nachbar mit dem Hoflader und die Arbeit ist in ein paar Minuten erledigt“, freut sich der 40-Jährige. Das ist aber bei weitem nicht die einzige Arbeitserleichterung, die die beiden Tüftler beim neuen Stall genießen.
Kreative Ideen
Beim Futtertisch hat Stefan eine klappbare Vorrichtung eingebaut, damit die Schafe beim Fressen das Kraftfutter nicht außer Reichweite schieben können. Das Heu wird vom Heuboden aus in einen Schacht gefüllt. Dieser kann durch ein kleines Schiebetor am Futtertisch geöffnet werden, wo das Heu herausgenommen und verteilt wird. Dank zweier Gegengewichte bleibt das Tor in der gewünschten Höhe stehen. Die großen Fenster und ein ehemaliges Werkstättentor wurden im Internet gebraucht gekauft und selbst eingebaut. Das lichtdurchlässige Tor mit extra Durchgangstür wird im Winter geschlossen. Zur Lammzeit werden aus selbst gebauten Eisentoren Ablammboxen eingebaut. Der ganze Stall ist mit Bastelarbeiten der drei (Enkel)Töchter Hannah (12), Leonie (10) und Paula (6) dekoriert, die begeistert bei der Stallarbeit helfen. Der alte Kuhstall blieb nicht ungenutzt, darin befinden sich nun eine Kühlzelle und ein Aufarbeitungsraum für das Lammfleisch. Auch hier sind viele kreative Ideen der beiden Tüftler zu finden, wie ein umgebauter Kleiderständer mit Rollen, mit dem die Schlachtkörper transportiert werden, oder ein Galgen, der die Schlachtkörper mittels Seilwinde und Übersetzung hochzieht. Lämmer, die nicht direkt vermarktet werden, werden lebend nach Wies zur Sammelstation des Steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbands geliefert. „In dem ganzen Stall steckt keine einzige Meisterstunde“, erzählt August Pratter stolz. Außer natürlich die eigenen. Es wurden etwa 15.000 Euro an Materialkosten in den neuen Stall investiert: für Bauholz (2.800 Euro) das Blechdach (5.000 Euro), den Fertigbeton (3.000 Euro) und für gebrauchte Materialien wie Fenster und Tore.
Weitere Infos und viele Fotos zu dem tollen Stall finden Sie in der neuen Ausgabe von Schafe & Ziegen aktuell! Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen!
Kommentare