Hitzestress bei Ziegen lässt sich anhand verschiedener Merkmale erkennen. Typische Anzeichen sind eine erhöhte Atemfrequenz bis hin zu Hecheln, gesteigerte Körpertemperatur und erhöhte Herzfrequenz. Auch das Verhalten verändert sich: Die Tiere suchen vermehrt Schattenplätze auf, stehen häufiger, bewegen sich weniger und trinken mehr. Gleichzeitig sinkt die Grundfutteraufnahme – mit direkten Folgen für Milchleistung und Milchqualität.
Studie zu Hitzestress bei Milchziegen
In einer Untersuchung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurden Daten von 30 Saanenziegen ausgewertet. Die Ziegen wurden in drei Gruppen zu je zehn Tieren eingeteilt. Alle Tiere erhielten dieselbe Grundfutterration, bestehend aus Gras- und Maissilage sowie Heu, vorgelegt als Mischration.
Ergänzt wurde dies – je nach Versuchsgruppe – mit Kraftfutteranteilen von <10 %, 20 % oder >40 %. Erfasst wurden Futteraufnahme, Milchleistung und Milchinhaltsstoffe von bis zu fünf Laktationen pro Tier – insgesamt 22.000 Tagesdatensätze.
Diese wurden mit den jeweils aktuellen Wetterdaten verknüpft, um den Einfluss von Hitzestress auf die Leistung der Tiere zu untersuchen. Als Maß für die Hitzebelastung wurde der sogenannte Temperature-Humidity Index (THI) berechnet, der sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit berücksichtigt.
Ein Anstieg von Temperatur und/oder Luftfeuchtigkeit führt zu einem höheren THI – und damit zu potenziell mehr Hitzestress. Da sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Tagesverlauf verändern, schwankt der THI.
Üblicherweise wird dieser alle zehn Minuten berechnet. Für diese Auswertung wurde jedoch ein Tagesmittelwert verwendet.
Futteraufnahme unter Hitzestress
Die Auswertung zeigt, dass mit steigendem THI die Grundfutteraufnahme sinkt – insbesondere bei Tieren mit hohem Kraftfutteranteil. Gleichzeitig steigt die Aufnahme von Kraftfutter, sofern dieses nicht limitiert ist. Der Grund: Die Verdauung von Grobfutter erzeugt Wärme.
Um eine zusätzliche Wärmeproduktion zu vermeiden, bevorzugen Ziegen unter Hitzestress leicht verdauliches Kraftfutter. Diese Anpassung ist kurzfristig sinnvoll, birgt jedoch Risiken. Ein hoher Kraftfutteranteil kann zu Pansenazidosen führen.
Ein Indikator dafür ist der Fett-Eiweiß-Quotient (FEQ) in der Milch. Sinkt dieser unter 1, deutet das auf eine beginnende Acidose hin. In der Untersuchung fiel der FEQ bei einem Kraftfutteranteil von >40 % bereits ab einem durchschnittlichen THI pro Tag von 60 unter diesen kritischen Wert.
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