AckerbauGetreideWintergersten für den Anbau 2022

Wintergersten für den Anbau 2022

Quelle: Böck

Mit 68 dt/ha lag der mittlere Ertrag der Wintergerste in Bayern dieses Jahr leicht über dem Zehnjahresmittel und geringfügig unterhalb des Vorjahres. Heuer wurden in den Landessortenversuchen (LSV) 23 zweizeilige und 13 mehrzeilige Gersten geprüft. Die Mehrzeiler standen aber an weniger Orten als die Zweizeiler, daher können die Erträge der beiden Sortimente nicht direkt miteinander verglichen werden. Betrachtet man nur jene Orte, an denen beide LSV stehen, so bringen die Mehrzeiler im Fünfjahresmittel 5 % mehr Ertrag.

Zwei Stufen

Alle Sorten im LSV werden bei intensiver (Stufe 2) und extensiver Bestandesführung (Stufe 1) geprüft. In den Intensivvarianten kommen Wachstumsregler und Fungizide nach Bedarf zum Einsatz. So lässt sich das Leistungsniveau der Sorten unter intensiven Produktionsbedingungen ermitteln. Mithilfe der extensiven Varianten, die keinen oder nur geringe Mengen Wachstumsregler und keine Fungizide erhalten, werden neben dem Ertrag Informationen über Krankheitsresistenzen, Lagerneigung, Strohstabilität und Reifezeit der Sorten gewonnen. Alle weiteren Maßnahmen sind in beiden Stufen einheitlich.

Die Tabellen zeigen die mehrjährigen Relativerträge der zwei- und mehrzeiligen Sorten in den vier bayerischen Anbaugebieten. Die Auswertung umfasst die Ergebnisse der zurückliegenden fünf Jahre aus LSV und vorangegangener Wertprüfung. Bei den neu in den LSV aufgenommenen Sorten ist zu beachten, dass noch deutlich weniger Versuchsergebnisse vorliegen. Deshalb werden Sie mit der Überschrift „vorläufige Bewertung“ versehen.

In den folgenden Sortenbeschreibungen wird vorrangig auf die Besonderheiten der Sorten eingegangen. Es werden somit in der Regel nur die Eigenschaften beschrieben, die deutlicher vom Versuchsmittel abweichen.

Zweizeilige Sorten

Sandra liefert mit Relativerträgen zwischen 95 und 98 % mittlerweile unterdurchschnittliche Ergebnisse. Positiv kann sich die früher reifende Sorte durch ihre hervorragende Sortierung von den anderen abheben. Sie besitzt auch ein gutes Hl-Gewicht, ein hohes TKG und ein schön ausgebildetes Korn. Wie die meisten früher reifenden Sorten wird sie als anfälliger für Ramularia eingestuft. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen Zwergrost ist unterdurchschnittlich.

California ist etwas ertragsstärker als Sandra. Sortierung, Hl-Gewicht und TKG liegen aber im niedrigeren Bereich des zweizeiligen Sortiments. Günstig sind ihre mittlere bis gute Standfestigkeit und Ährenstabilität sowie die geringe Neigung zu Halmknicken. Sie reift etwas später ab.

SU Ruzena bringt Relativerträge zwischen 95 und 99 %. In der Reife wie auch beim Ährenschieben ist sie eine der frühesten. Wegen der mittleren bis geringen Ährenstabilität sollte Überständigkeit vermieden werden. Für Ramularia zeigt sie sich etwas anfälliger. Ihr TKG ist im Vergleich zu den anderen Zweizeilern gering.

Valhalla liefert mittlere Erträge. Die Sortierung ist leicht unterdurchschnittlich, das TKG hoch. Standfestigkeit und Strohstabilität liegen im Bereich des Sortimentsmittels. Für Ramularia besteht eine höhere Anfälligkeit.

Bordeaux, mit Relativerträgen von 99 bis 102 %, zählt zu den Sorten mit höherem Hl-Gewicht. Standfestigkeit und Halmstabilität sind in Ordnung. Positiv ist ihre geringe Neigung zu Ährenknicken. Für Ramularia besteht eine erhöhte Anfälligkeit.

Almut bringt Relativerträge von 100 bis 103 %. Hervorzuheben ist die Kombination von guter Standfestigkeit und geringer Neigung zu Halmknicken. Gegen Rhynchosporium und Mehltau besitzt sie gute Resistenzen.

Lautetia, ertraglich im Mittelfeld, weist eine gute Sortierung auf. Sie ist im Ährenschieben und der Reife eine der frühesten. Bei der sehr gut gegen Mehltau resistenten Sorte ist auf Halmknicken zu achten.

SU Laubella bringt Relativerträge von 99 bis 103 % sowie hohe Hl-Gewichte und TKG. Ihre Halmstabilität ist unterdurchschnittlich. Abgesehen von der mittleren Einstufung bei Netzflecken kann sie mit einer guten Gesundheit aufwarten.

Regional geprüfte Sorten

SU Vireni liefert in Stufe 1 mit einem Relativertrag von 98 %, im Tertiärhügelland/Gäu, ein etwas besseres Ergebnis als in der Intensivvariante. Die sehr gute Standfestigkeit und die gute Halmstabilität dürften hierfür verantwortlich sein. Sie eignet sich deshalb besonders für Güllebetriebe und Standorte, die viel Stickstoff nachliefern. SU Vireni weist hohe Hl-Gewichte, Marktwareanteile und TKG auf. Auf Ramularia und Zwergrost ist zu achten.

Normandy, ertraglich etwa im Mittelfeld, weist eine gute Sortierung und ein hohes TKG auf. Ihr wird, wie den meisten etwas später reifenden Sorten, eine überdurchschnittliche Widerstandsfähigkeit gegen Ramularia bescheinigt. Die Resistenzen gegen Rhynchosporium und Zwergrost sind gut. Mit mittlerer Lagerneigung zählt sie nicht zu den standfestesten (wurde heuer nur im Tertiärhügelland/Gäu geprüft).

KWS Infinity verfehlt in Stufe 2 das Ertragsmittel knapp, in Stufe 1 mit
96 % jedoch deutlicher. Ihr Marktwareanteil ist unterdurchschnittlich. Die in der Standfestigkeit und der Halmstabilität mit mittel beurteilte Sorte wird etwas stärker von Ramularia befallen. Ihre Anfälligkeit für Mehltau ist hoch.

Valerie zählt zu den ertragsschwächsten Sorten, kann aber mit hohen Werten bei Hl-Gewicht, Sortierung und TKG aufwarten. Mit mittlerer Standfestigkeit und Strohstabilität gehört sie bei diesen Merkmalen zu den schlechteren Zweizeilern. Sie besitzt eine geringe Widerstandsfähigkeit gegen Ramularia und Zwergrost. Valerie ist sowohl gegen das bodenbürtige Gelbmosaikvirus Typ 1 als auch gegen Typ 2 resistent. An Standorten, die mit Virustyp 2 befallen sind – erkennbar daran, dass einfachresistente Sorten Befallssymptome aufweisen –, hat der Anbau dieser doppelresistenten Sorte Vorteile. In den zumeist nicht durch Virosen geschädigten Versuchen zahlt sich diese Resistenz jedoch nicht aus.

KWS Moselle liefert Relativerträge von 100 bis 103 % und hohe Hl-Gewichte. Bei Standfestigkeit und Halmstabilität zählt sie nicht zu den besten. Ihre Resistenzen gegen Mehltau und Zwergrost sind gut, die gegen Ramularia mittel bis gering.

Bianca bringt mittlere Erträge. Die schwächer bestockende Sorte bildet den Ertrag durch ein sehr hohes TKG. Sie gehört zu den längerstrohigen Zweizeilern. Standfestigkeit und Strohstabilität sind bei der etwas später reifenden Sorte in Ordnung. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen Ramularia ist mittel bis gut.

Idilic ist eine der wenigen in Deutschland zugelassenen Sorten mit einem Resistenzgen gegen das von Blattläusen übertragene Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Gegen das von Zikaden übertragene Weizenverzwergungsvirus (WDV) wirkt das Gen nicht. Bei Bedingungen, die Virusinfektionen im Herbst fördern (z.B. frühe Aussaat, milder Herbst, hohes Blattlausaufkommen), können solche Sorten deutliche Vorteile bringen. In den zumeist nicht von Verzwergungsviren beeinträchtigten Versuchen erzielt die Sorte Relativerträge von 96 und 97 % in den Intensivvarianten. In Stufe 1 verfehlt sie das Versuchsmittel deutlicher. Schwächen offenbart sie bei Lager und Halmknicken. Ihre Zwergrostresistenz ist gut, für Ramularia ist sie anfälliger. Hl-Gewicht und TKG sind hoch.

Einjährig im LSV geprüft

Arthene, eine etwas später reifende Sorte, lieferte heuer in den bayerischen LSV die höchsten Erträge. Mehrjährig zeigt sie sich vor allem in Stufe 1 mit Relativerträgen von 104 und 105 % ertragreich. Bei der Zulassung wurden ihr ein hohes Hl-Gewicht, eine gute Sortierung sowie ein sehr hohes TKG bescheinigt. Sehr positiv ist die Kombination aus guter Standfestigkeit und guter Halm- und Ährenstabilität. Ihre Resistenz gegen Rhynchosporium ist überdurchschnittlich, anfälliger erweist sie sich für Mehltau.

Arkona bringt Relativerträge von 100 bis 103 %. Sie neigt stärker zu Lager und auch die Halmstabilität ist leicht unterdurchschnittlich. Resistenzausstattung und Qualitätsparameter bewegen sich im Mittelfeld.

Heroic erreicht Relativerträge von 97 bis 99 %. Hl-Gewicht und Marktwareanteil liegen bei der kurzstrohigen, später reifenden Sorte im besseren Bereich. Hervorzuheben sind die guten Einstufungen bei Standfestigkeit, Halm- und Ährenknicken.

Aros, eine eher später reifende Sorte, erzielt mittlere Erträge. Die Resistenzen gegen Rhynchosporium, Zwergrost und Mehltau sind gut. Mit mittlerer Lagerneigung zählt sie nicht zu den standfestesten.

Royce weist Relativerträge zwischen 100 und 102 % auf. Marktwareanteil und TKG werden als hoch beschrieben. Die eher später reifende Neuzulassung zeigt überdurchschnittlich gute Resistenzen gegen Ramularia und Zwergrost. Mit mittlerer Standfestigkeit gehört sie zu den lageranfälligeren Zweizeilern.

SU Xandora liegt im Ertrag im Mittelfeld. Hl-Gewicht, Marktwareanteil und TKG erreichen hohe Werte. In der Standfestigkeit sind etliche Zweizeiler besser. Ähren- und Halmstabilität sind dagegen gut. Die Blattgesundheit ist, bis auf Netzflecken, überdurchschnittlich.

LG Calvin liefert mittlere Erträge. Die eher später abreifende Sorte verfügt über eine gute Halmstabilität sowie über eine ausgewogene Resistenzausstattung.

KWS Tardis weist mit Relativerträgen von 102 bis 104 % ansprechende Ergebnisse auf. Hl-Gewicht, Sortierung und TKG sind auch überdurchschnittlich. Ebenfalls gut beurteilt wurden Standfestigkeit und Ährenstabilität. Die Blattgesundheit ist jedoch, bis auf die gute Rhynchosporiumresistenz, auf schwächerem Niveau.

Winterbraugerste

An drei LSV-Orten wurden auch Winterbraugerstensorten geprüft. Von der staatlichen Beratung wird KWS Somerset zum Anbau empfohlen. Sie besitzt gute Mälzungs- und Braueigenschaften, liegt im Ertrag aber – wie die anderen zweizeiligen Winterbraugersten auch – rund 10 % unter dem Sortimentsmittel. Wird die Stickstoffdüngung etwas reduziert, um die geforderten niedrigen Proteingehalte zu erreichen, vergrößert sich der Ertragsabstand weiter. Die Produktion von Winterbraugerste ist deshalb nur empfehlenswert, wenn Preisaufschläge für die Ware gezahlt werden. KWS Somerset weist eine gute Sortierung auf. Mit ihrer mit „mittel“ eingestuften Standfestigkeit gehört sie zu den lageranfälligeren Zweizeilern.

Mehrzeilige Sorten

KWS Higgins kann mit Relativerträgen von 101 % in den Intensivvarianten aufwarten. In Stufe 1 schneidet sie etwas schlechter ab. Aufgrund der guten Sortierung und des mittleren bis hohen Hl-Gewichts zählt sie zu den Mehrzeilern mit besserer Kornqualität. Auch das TKG liegt im höheren Bereich. Weniger günstig sind die mittlere bis geringe Standfestigkeit und Halmstabilität sowie die sehr hohe Zwergrostanfälligkeit.

KWS Orbit liefert in den Intensivvarianten Relativerträge von 97 bis 100 %: In Stufe 1 verfehlt sie das Ertragsmittel deutlicher. Neben einer mittleren Standfestigkeit und Halmstabilität besteht eine stärkere Anfälligkeit für Rhynchosporium und Zwergrost.

Die Hybridsorte SY Galileoo, die wie alle Hybriden auf Wunsch des Züchters um 25 % dünner gesät wurde, zeigte sich heuer in den meisten Anbaugebieten ertragsstark. Mehrjährig bewegen sich die Relativerträge zwischen 99 und 102 %. Mit ihrem mittleren Hl-Gewicht erreicht sie nicht ganz das Niveau der schwächsten zweizeiligen LSV-Sorten. In der Standfestigkeit und der Ährenstabilität zeigt die längerstrohige Sorte Schwächen. Überdurchschnittlich ist dagegen ihre Widerstandsfähigkeit gegen Ramularia und Mehltau.

Esprit konnte heuer erneut mit hohen Erträgen aufwarten. Bei mehrjähriger Betrachtung bringt sie Relativerträge von 101 bis 103 %. Die etwas später reifende, längerstrohige Sorte liefert hohe Marktwareanteile. Standfestigkeit und Halmstabilität liegen im Bereich des Versuchsmittels. Abgesehen von der höheren Anfälligkeit für Zwergrost ist ihre Blattgesundheit mittel bis gut.

Viola überzeugt mit Relativerträgen zwischen 96 und 99 % nicht. In der Sortierung, dem Hl-Gewicht und beim TKG nimmt sie einen der hintersten Plätze ein. Sie ist eine der kurzstrohigsten Mehrzeiler. In den bayerischen Versuchen waren Standfestigkeit und Halmstabilität durchschnittlich. Viola zählt zu den krankheitsanfälligeren Sorten.

Teuto bringt durchschnittliche Erträge sowie mittlere bis hohe Hl-Gewichte. In der Reife ist die längerstrohige Sorte etwas später. Standfestigkeit und Strohstabilität sind nicht auffällig. Überdurchschnittlich resistent zeigt sich die schwächer bestockende Sorte gegen Ramularia und Zwergrost.

SY Dakoota, eine Hybride, liefert Relativerträge zwischen 97 und 103 %. Sie weist das höchste Hl-Gewicht im mehrzeiligen Versuch auf. Die Sortierung ist leicht unterdurchschnittlich. Standfestigkeit und Halmstabilität liegen im besseren Bereich, die Blattgesundheit ist durchschnittlich.

KWS Morris erreicht Relativerträge zwischen 96 und 100 %. Im Zulassungsverfahren wurden unterdurchschnittliche Marktwareanteile und TKG gemessen. Sie ist eine mittel bis gut standfeste Sorte. Die Blattgesundheit ist ausgewogen auf besserem Niveau.

SU Midnight bringt Relativerträge von maximal 100 %. Mit mittlerem Hl-Gewicht erreicht sie nicht das Niveau der Zweizeiler. Sie zählt zu den standfesteren Mehrzeilern mit mittlerer Strohstabilität. Sie besitzt, wie auch die zweizeilige Valerie, eine doppelte Gelbmosaikvirusresistenz (BaYMV 1 und 2).

Einjährig im LSV geprüft

Winnie erzielt mittlere Erträge. Bei der Zulassung wurde ihr eine gute Sortierung und ein hohes TKG bescheinigt. Die langstrohige Sorte verfügt bei mittlerer Standfestigkeit und Ährenstabilität über eine überdurchschnittliche Halmstabilität. Die Resistenzen gegen Zwergrost und Ramularia liegen bei der später reifenden Sorte im besseren Bereich.

Avantasia brachte heuer mittlere Ergebnisse. Aufgrund der hohen Erträge im vorangegangenen dreijährigen Zulassungsverfahren schneidet sie bei mehrjähriger Betrachtung trotzdem gut ab. Die Sortierung ist gut, das Hl-Gewicht mittel. Schwächen zeigt sie in der Halmstabilität und der Zwergrostresistenz. Gegen die bodenbürtigen Gelbmosaikvirustypen 1 und 2 (BaYMV) ist sie resistent, nicht jedoch gegen das Milde Gerstenmosaikvirus (BaMMV), das nach jetzigem Kenntnisstand weniger ertragswirksam als die beiden erstgenannten Typen ist.

Der letzte Satz trifft auch auf Julia, eine Schwestersorte von Avantasia, zu. Die standfestere Neuzulassung bringt mit Relativerträgen von 103 bis 108 % vor allem in Stufe 1 sehr ansprechende Ergebnisse. Ihr Marktwareanteil ist ebenfalls hoch, das Hl-Gewicht mittel.

KWS Exquis, die – wie die zweizeilige Sorte Idilic – eine Resistenz gegen das von Blattläusen übertragene Gerstengelbverzwergungsvirus hat, verfehlt in den Intensivvarianten mit 95 bis 97 % das Ertragsmittel. In den zumeist nicht durch Virosen beeinträchtigten Versuchen schneidet sie in Stufe 1 etwas besser ab. Bei Bedingungen, die Virusinfektionen im Herbst fördern (z.B. frühe Aussaat, milder Herbst, hohes Blattlausaufkommen), können solche Sorten jedoch deutliche Vorteile bringen. Die Sortierung von KWS Exquis ist gut. Der Ertrag wird durch eine hohe Bestandesdichte bei eher geringem TKG und niedriger Kornzahl/Ähre gebildet. Sie weist einen kürzeren Halm auf – vergleichbar mit den Zweizeilern. Die Strohstabilität sowie die Resistenzen gegen Ramularia und Zwergrost sind überdurchschnittlich.