PflanzeGrünland„Wir brauchen auch Tiefwurzler“

„Wir brauchen auch Tiefwurzler“

Markus Humer ist Grünlandreferent der LK OÖ.
Quelle: Moser

LANDWIRT: Welche Schäden konnten Sie in der Beratung im Jahr 2026 bisher beobachten?

Markus HUMER: Da ich in meiner Beratung hauptsächlich in Oberösterreich unterwegs bin, kann ich am besten für dieses Gebiet sprechen. Im unteren Mühlviertel und in der Gegend rund um Braunau sind die Schäden im Raum Oberösterreich am stärksten. Manche Gebiete kamen glimpflicher davon, hier war nur das Pflanzenwachstum eingeschränkt, in anderen Gebieten verloren Landwirte ganze Schnitte. Wenn man einen Blick auf den Pflanzenbestand wirft, stellt man fest, dass Wiesenlabkraut, Ampfer, Löwenzahn und andere tiefwurzelnde Kräuter mit geringem Futterwert heuer übermäßig häufig auftreten.

Welche Gräser verschwinden zuerst aus dem Bestand?

Die Gemeine Rispe ist die erste Graspflanze, die sich verabschiedet. Das ist grundsätzlich wünschenswert, denn diese Pflanze wollen wir alle nicht im Grünland wegen der geringen Schmackhaftigkeit. Weidetiere spucken dieses Gras aus, da es muffig schmeckt. In Silage und Heu mindert es den Futterwert, da es das Risiko für erdige Futterverschmutzungen erhöht. Neben der Gemeinen Rispe ist aber auch Englisches Raygras der Trockenheit heuer zum Opfer gefallen, da es sehr flach wurzelt.

Welche wertvollen Futterpflanzen kommen besser mit Trockenheit zurecht und sollten daher in Nachsaatmischungen enthalten sein?

Trockenheitstolerante Arten sind beispielsweise Knaulgräser. Ich habe heuer häufig Flächen gesehen, wo die gesamte Fläche braun war, das Knaulgras war aber noch grün. Bei Wiesenlieschgras in Nachsaatmischungen rate ich zur Vorsicht. Dieses ist zwar relativ tolerant gegenüber Trockenheit, hat aber eine langsame Jugendentwicklung und hat deswegen häufig Probleme, bei einer Nachsaat aufzukommen. Eine sehr gute Komponente in Nachsaatmischungen ist Rotklee. Er hat eine Pfahlwurzel und ist dadurch trockenheitstolerant. Als Leguminose bringt er zusätzlich Stickstoff in den Boden und ist enorm schmackhaft. Außerdem hat Rotklee eine hohe Nutzungsspanne, was es erleichtert, den optimalen Schnittzeitpunkt zu erreichen.

Das erfahren Sie noch in diesem Interview:

  • So sollten Sie jetzt bei der Grünlandsanierung vorgehen
  • Düngung bei Dürre
  • Wie sollen wir langfristig den Pflanzenbestand entwickeln?

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