Wohin geht Bio?

Betrifft Leitartikel Bio: Nichts gelernt?

Ohne eigene Bio-Marke sind Landwirte nur Zulieferer. Meinungen von Lesern dazu:

Genau dieselben Gedanken gehen uns (Thomas Gschier, Obmann, und Josef Renner, Geschäftsführer) und dem gesamten Vorstand von Bio Ernte Steiermark seit zwei Jahren durch den Kopf.
Die Biolandwirtschaft hat vieles richtig gemacht mit von Anfang an sehr strengen, klar unterscheidbaren Richtlinien. Mit einem international anerkannten Regelwerk, der EU-Bio-Verordnung und dem „Grünen Blatt“ sind Bio-Lebensmittel mit dem Mindeststandard sehr klar definiert. Zudem bemüht sich in Österreich BIO AUSTRIA seit vielen Jahren die Bio-Bewegung mit einem Verbandssiegel mit höherem Standard zu bündeln. Bio Austria hat eine eigene Marke, die von 13.000 Höfen und rund 400 Biopartnerfirmen verwendet wird, wir müssen sie nur verstärkt unter die Menschen bringen.
Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat natürlich viel mehr Möglichkeiten und Ressourcen, um mit Eigenmarken möglichst unabhängig von bäuerlichen Organisationen zu bleiben. Realität ist aber auch, dass durch den LEH die Bio-Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten von der Nische in die Breite gekommen ist und viele, auch kleinere Betriebe über durchaus akzeptable Bio-Zuschläge in Projekte liefern können.

Wie kommen wir zu besseren, kostendeckenden Preisen in der Bio-Landwirtschaft? Eine Möglichkeit sehen wir im zusätzlichen Aufbau vieler kleiner, regionaler Projekte; konkret sind es in der Steiermark fünf bis sieben steirische Bio-Modellregionen, wo wir engagierte Bio-Höfe, die selber verarbeiten und vermarkten wollen, bündeln. Es geht darum, Kooperationen mit Fleischereien, Bäckereien, Gastronomiebetrieben usw. aufzubauen, aber auch die Zusammenarbeit innerhalb der Bio-Höfe in einer arbeitsteiligen Verarbeitung zu begleiten. Die andere Option liegt in der Bündelung des Angebotes auf Bauernseite, wie es z.B. den „Von Herzen“-Bio-Bauern in der Steiermark im Obstbereich gut gelungen ist. Es braucht aus unserer Sicht „eine gute Mischung“ – sozusagen das richtige Maß, bestehend aus guten Rahmenbedingungen über das neue ÖPUL-Programm, einem stärkeren Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten und der Bündelung des Angebotes auf Bauernseite in einzelnen Sparten, um den Bio-Landbau gut weiterzuentwickeln und als Chance für viele Höfe zu erhalten.
(Mag. Josef Renner, Leiter Bio Zentrum Steiermark, Geschäftsführer Bio Ernte Steiermark, Graz)

Mehr Absatz – weniger Einkommen

„Der Bio-Absatz hat in Österreich erstmals die Marke von 10 % erreicht, gleichzeitig ist das Einkommen der Bio-Landwirte um 10 % gesunken.“ Dieses Zitat aus der NÖ Kammerzeitung „Die Landwirtschaft“ (April 2021) macht deutlich, dass sich auch im Bio-Bereich die gleiche Entwicklung abzeichnet wie in der konventionellen Landwirtschaft. Mit niedrigen Produzentenpreisen und niedrigen Verbraucherpreisen können alle gut leben – bis auf die Bauern. Weil man es versäumt hat, eine eigene Bio-Marke aufzubauen, sind Biobauern mit Ausnahme der Direktvermarkter nur mehr Zulieferer – ohne Einfluss auf die Entscheidungen ihrer Abnehmer.
(Erich Zahnt, Gaming, NÖ) 

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