Andreas und Michaela Tanzer haben 2007 einen landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Andreas‘ Elternhaus auf Leibrentenbasis übernommen. Der Betrieb verfügte über eine Gesamtfläche von 25 ha und im alten Gewölbestall standen acht Kühe, vier Kalbinnen, sechs Kälber und ein Stier der Rasse Fleckvieh in Anbindehaltung. Der Bauernhof hatte einen Einheitswert von 13.735 Euro, ein Milchkontingent von 13.923 kg, einen Sozialversicherungsbeitrag von 3.735 Euro und bekam Förderungen in Höhe von 15.057 Euro – laut Andreas: „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.“
2007 war das Milchkontingent ein großes Thema und es hieß, dass es sich nicht auszahlen würde, unter 100.000 kg Milchkontingent einen neuen Stall zu bauen. Die AfA (Absetzung für Abnutzung) betrug für das Wirtschaftsgebäude 3.802,03 Euro und für die Maschinen 6.471,11 Euro. Das Paar hat sich dann Gedanken gemacht, wie es den Betrieb am besten wirtschaftlich weiterführen könnte, und hat sich vier Szenarien durchgerechnet: Milchziegenhaltung, Milchviehhaltung konventionell, Bio-Mutterkuhhaltung und Stiermast. Die Milchziegenhaltung hat sich dann als interessanteste Option herausgestellt. Ein weiterer Vorteil war, dass der Umgang mit den Ziegen für Michaela einfacher war als der mit den großen Rindern. Mehr zum Thema Ziegenmilch wirtschaftlich produzieren
Stallbau für 200 Bio-Milchziegen
2007 wurde damit begonnen, einen neuen Stall für 200 Milchziegen zu bauen. Der Stall verfügt über ein Tieflaufsystem, einen Futtertisch, variable Elemente, um Boxen für einzelne Gruppen zu bauen, und eine direkte Verbindung zur Weide. Wenn Andreas den Stall heute noch einmal bauen müsste, würde er statt dem Futtertisch wahrscheinlich ein Futterband wählen.
Bodenplatte und Futtertisch wurden betoniert, darauf eine Holzkonstruktion von einer regionalen Zimmerei aufgebaut. Seitlich am Stall angebaut befinden sich der Melkstand, die Milchkammer, ein kleines Stallbüro und ein WC. Der Stall ist 32 m lang und 13 m breit.
Danach wurde der alte Milchviehstall reaktiviert und zu einem Aufzuchtstall für die Kitze umfunktioniert. Die Kitze werden ab dem fünften Lebenstag mit einem Tränkeautomaten mit Kuhmilch aufgezogen und sind in zehn Gruppen zu je 20 Kitzen eingeteilt. Dann wurde auch noch eine Rundbogenhalle für die weiblichen Jungziegen errichtet, was gut funktioniert, aber laut Andreas keine langfristige Lösung ist.
Betriebszahlen, Milchmenge und Inhaltsstoffe
Andreas präsentierte zuerst die Entwicklung seiner jährlichen Milchanlieferungsmenge und der Inhaltsstoffe und kommentierte Auffälligkeiten in den Kurven: „Wenn eine Ziege Stress hat, etwa wenn der Stall zu voll ist, zeigt sie das sofort in der Leistung.“
Dann wurden die Kitze in den renovierten Kuhstall ausgelagert und die Milchmenge stieg wieder. Beim Rückgang der Milchmenge in den Jahren 2020–2022 war die Futterqualität schuld, die aufgrund von Trockenheit und vielen Engerlingen schlechter war. Die Kurven für Fett und Eiweiß sind über die Jahre relativ konstant.
Die Erträge aus Bodennutzung sind in der Vollkostenauswertung vom Betrieb Tanzer die Erträge aus dem Ackerbau, öffentliche Gelder sind Förderungen. Viele übersehen laut Andreas bei der Kostenrechnung die AfA, also die Absetzung für Abnutzung für Maschinen und Gebäude, was bei ihm im Jahr 40.000 Euro ausmacht.
Der Stall wird auf 20 Jahre abgeschrieben und auch einige Maschinen wurden in den letzten Jahren angeschafft. Nach der Abschreibdauer sollte man laut Andreas wieder Geld übrig haben für neue Investitionen. Unter Sachaufwand fallen Strom, Wasser, Maschinen- und Gebäudeinstandhaltung.
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