Schafe und ZiegenZiegeZiegenstall aus eigener Hand

Ziegenstall aus eigener Hand

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Außenansicht des Stalles aus Süd-Ost. Die Tiere genießen fast den ganzen Winter über den Auslauf ins Freie.
Quelle: Konrad Liebchen

Susanne und Johannes konnten 2016 ein Grundstück mit einem alten Gehöft in Obergratschach im Kärntner Mölltal erwerben und beschlossen kurz darauf, einen neuen Ziegenstall zu bauen. Susanne bekam einst aufgrund einer Kuhmilchallergie eine Ziege geschenkt. Das war der Auslöser für den Beginn der Zucht von Toggenburger- und Gemsfarbigen Gebirgsziegen.

Etwa 20 Ziegen beider Rassen sowie je ein Bock stehen heute am Hof. Daneben hält die im Hauptberuf als Psychotherapeutin tätige Bäuerin auch einige Lamas im Ziegenstall. Die Lamas und Ziegen aber auch Hasen, Hühner, Meerschweinchen und Katzen werden für die tiergestützte Therapie mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

Einfacher Stall

Der neu gebaute 10 x 12 m große Stallraum wurde an ein bestehendes Altgebäude im Hang angebaut. Auch der gesamte Oberbau des Altgebäudes wurde neu aufgebaut, sodass die neue Tenne nun 19,4 x 12 m misst. Eine 30 cm starke Platte aus säurefestem Beton trägt das neue Stallgebäude.

Alle Planier- und Anschüttungsarbeiten mit dem Bagger konnten in Eigenregie erledigt werden. Dabei wurde vor dem Stall auch eine 22 m3 fassende Wasserzisterne aus Betonringen ins Erdreich versenkt, deren Inhalt im Sommer zum Bewässern der südseitigen Weide dienen kann. Mehr Praxisbeispiele zum Thema Ziegenstall finden Sie hier: Mehr zum Thema Ziegenstall-Umbau.

Futtertisch und Fressplätze

Der große Einraumstall wird durch den 1,5 m breiten Futtertisch in zwei Hälften geteilt. Ein schmaler Gang nach dem Futtertisch verbindet die beiden Stallhälften, erlaubt aber auch deren einfache Trennung. Die hölzerne Futtertischkonstruktion wird von liegenden 50 cm hohen Doka-Platten umgrenzt.

Die Futtertischhöhe dahinter beträgt 40 cm. So ziehen die Ziegen beim Fressen wenig Futter in den Stall. Aus Dreischichtplatten wurden Fresselemente ausgeschnitten und aufgeschraubt.

Sie messen oben 22 cm und unten 11 cm. Das Heu lagert in der Tenne und wird über ein Futterloch abgeworfen. Eingestreut wird händisch mit kleinen Strohballen.

Licht, Auslauf und Entmistung

Ost- und westseitig lassen 2,2 x 1,6 m große Holzfenster viel Licht in den Stall. Südseitig bieten zwei große Metallrahmen-Doppelflügeltüren mit Holzfüllung und Sichtfenster die Möglichkeit, die Tiere jederzeit ins Freie zu lassen und den Stall auf beiden Seiten mittels Traktor und Frontlader zwei bis dreimal jährlich auszumisten. Ein Türflügel steht fast den ganzen Winter über offen, wodurch die Ziegen stetig Sonne und Frischluft genießen können.

Mehr zur passenden Aufstallung am Futterplatz lesen Sie hier: Mehr zum Thema Fressgitter bei Ziegen.

Große Tenne ohne Säulen

Die Deckenkonstruktion basiert auf sechs Stahl-I-Trägern (30 cm hoch), die in der Raummitte auf 30 cm starken Stahlbetonsäulen ruhen. In diese drei quer über den Stall verlaufenden Trägerschienen wurden die tragenden Holztrame mit dem Maß 28 x 18 cm im Abstand von 60 cm eingeschoben. Wandseitig wurden die Trame nicht ins bestehende Mauerwerk, sondern in angeschraubte Metallschuhe eingelegt.

Als Deckenkonstruktion zur Tenne hin wurde eine zweischichtige Holzpfostenkonstruktion aufgenagelt, einmal 5 cm Lärche zur Untersicht und drüber 5 cm Fichte. Dieser Deckenaufbau erlaubt es, die gesamte Tenne mit dem Traktor zu befahren. Derzeit werden Heu und Stroh in Groß- oder Kleinballen sowie das Dachstuhlholz für das im Bau befindliche Wohnhaus dort gelagert.

Die Tenne wurde im Gegensatz zum Stall darunter ohne Säulen errichtet und ist daher im gesamten Ausmaß von 19,4 x 12 m wie eine Halle frei befahrbar. Die fünf betonierten Mauersäulen und die Ecken tragen insgesamt sieben Leimbinder, von denen fünf Stück 60 cm hoch und 20 cm breit sowie 13 m lang sind. Die anderen beiden Leimbinder über der Einfahrt und am Gebäudeende sind nur 30 cm hoch und ebenfalls 20 cm breit bei gleicher Länge.

Die Dachkonstruktion darauf wurde als Kaltdach ausgeführt und mit Bitumendachbahnen, genannt Alpinbahn, eingedeckt. Die Leimbinder werden von speziellen Metallschuhen auf den Mauersäulen zug- und drucksicher fixiert. Die freien Felder zwischen den tragenden Mauerelementen wurden mit Lärchenholzschalung außen und einer Fichtenholzkonstruktion innen verkleidet, was dem Stall ein ansprechendes äußeres Erscheinungsbild verleiht.

Johannes Glantschnig arbeitet im Hauptberuf als Tunnelbauer. Er verfügt über entsprechende Fähigkeiten im Bauwesen und hat vor allem beim Betonieren und im Holzbau zusammen mit Freunden und Verwandten viel Eigenleistung in diesen Stallbau eingebracht. Von den zuvor von der Landwirtschaftskammer geschätzten 200.000 Euro Gesamtbaukosten des Stalles blieben an der jungen Bauernfamilie dadurch nur rund 70.000 Euro hängen.

Ein weiterer Stallbericht mit Fokus auf Futtertisch und Stallkonzept: Mehr zum Thema Milchziegenstall.

Stallbau-Check: Gut gelöst

  • Helligkeit im Stall – große Fenster und Türen
  • Möglichkeit zum ständigen Auslauf für die Tiere
  • Tränkemöglichkeit für die Tiere außen und innen
  • Entmistung mit Traktor und Frontlader
  • große frei befahrbare Tenne ohne Säulen

Stallbau-Check: Verbesserbar

  • Aufstallung/Fressgitter – Problem: Manchmal Kitze am Futtertisch
  • zu wenig Tränken im Stall
  • Melkstand (derzeit Provisorium nur für eine Ziege)

Was dieser Artikel noch bereit hält:

  • Ziegenlaufstall planen: Anbau, Maße und Betonplatte
  • Futtertisch und Fressplätze: einfache Trennung im Einraumstall
  • Licht, Auslauf und Entmistung: Türen, Fenster und Arbeitsabläufe
  • Große Tenne ohne Säulen: Stahlträger, Leimbinder und Kaltdach

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