Bauernsprecher Hans MeisterBodenverschwendung

Bodenverschwendung

Sind Brachflächen auch Bodenverschwendung? Die direkte Antwort darauf gab die EU, in Anbetracht der herrschenden Umstände, mit ihrer Entscheidung in der Frage „Extensivieren oder Intensivieren?“.

„Wir begrüßen den Schritt der EU-Kommission, die Brachflächen für die Produktion von Getreide, Mais und Soja nutzbar zu machen. Damit können wir die Produktivität in der EU steigern und mögliche Ertragsausfälle, die durch den Russland-Krieg gegen die Ukraine entstehen, etwas abfedern“, sagt Österreichs Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. „Für Österreich bedeutet diese Maßnahme, dass wir die rund 9.000 Hektar Brachflächen für die Produktion nutzbar machen werden.“

Ich denke, in Krisenzeiten ist es legitim, Brachflächen als temporäre Bodenverschwendung zu sehen und darauf zu reagieren. Das ursprüngliche Ziel sollte man trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Wichtig scheint mir die Einsicht, dass es sich dabei nur um eine vorübergehende Beanspruchung handelt. Eben solange die Krise andauert.

Putins Krieg in der Ukraine wirbelt nicht nur die Märkte durcheinander, sondern zeigt auch, dass wir uns in den lebenswichtigen Bereichen keine großen Abhängigkeiten erlauben dürfen. Weder in der Energieversorgung noch in unserer Eigenversorgung mit Lebensmitteln. Überall, wo wir zu große und zu einseitige Abhängigkeiten haben, sind wir erpressbar. Das gilt insbesondere für die Lebensmittel- und Energieversorgung.

Verschwendung ist nicht nur der übermäßige Verbrauch.

Die mit Abstand größte Bodenverschwendung passiert im achtlosen Umgang mit Boden bei Verbauungen. In Deutschland werden täglich rund 60 Hektar Landschaft für Gewerbe, Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen bebaut. Das entspricht etwa einem Einfamilienhaus pro Minute. Vor 15 Jahren waren in Österreich laut Umweltbundesamt 16 Prozent des für die Besiedlung geeigneten Landes verbaut, heute sind es bereits 21 Prozent. Täglich werden bei uns mehr als elf Hektar Land verbaut, also 4.000 Hektar oder 40 Quadratkilometer Boden verschwinden jährlich aus der landwirtschaftlichen Produktion. In den vergangenen 15 Jahren waren das 60.000 Hektar Äcker und Wiesen. 40 Prozent davon sind mit Beton oder Asphalt versiegelt. An den Bevölkerungszuwächsen kann man das nicht festmachen. So ist beispielsweise im Bundesland Steiermark in den vergangenen 15 Jahren die Bevölkerung um 4,1 Prozent gewachsen, während der Bodenverbrauch um 19,5 Prozent zunahm.

Vielmehr sind es meiner Beobachtung nach schwerwiegende Fehler in der Raumordnung: ausufernde Einkaufstempel, es wird zu viel in die Breite statt auch in die Höhe gebaut, eine miserable Förderung von Revitalisierungen von Gebäuden oder die Nicht-Nutzung von Leerständen.

Das Umweltbundesamt schätzt allein die verbaute ungenutzte Fläche auf 400.000.000 Quadratmeter (= 40.000 Hektar) inklusive Gewerbeflächen und leer stehender Häuser. Hier steht ein riesiges Potenzial ungenutzt im Land, weil es immer noch billiger ist neu zu bauen als Bestehendes zu adaptieren.

Ob Leerstände oder Brachflächen – Verschwendung ist nicht nur der übermäßige Verbrauch, sondern auch die Nichtnutzung vorhandener Ressourcen. Beides können wir uns nicht leisten.

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