Ackerbau80 % weniger Käferbohnen geerntet

80 % weniger Käferbohnen geerntet

2024 ist das schlechtestes Jahr aller Zeiten für steirische Käferbohne.
Quelle: Alwera/steirerkraft

In der Steiermark fiel die Käferbohnenernte 2024 katastrophal aus. Wegen extremer Wetterbedingungen mussten die Landwirte bis zu 80 % weniger ernten als in den Vorjahren. Sommerhitze schädigte die Blüte. Später erschwerten starke Regenfälle Reifung und Ernte. Andreas Cretnik und Gerhard Merdonik, Vorstände der Alwera-Gruppe („Steirerkraft“), betonen, dass die Situation alle bisherigen Krisen übertreffe. So massive Wetterextreme habe es in der Käferbohnenproduktion noch nie gegeben.

In der Steiermark fiel die Käferbohnenernte 2024 katastrophal aus.
Quelle: Alwera/steirerkraft

Landwirte kämpfen mit Ausfällen

Über 120 Vertragslandwirte von Steirerkraft bewirtschaften mehr als 520 ha Käferbohnenflächen. Einer davon ist der Betrieb Janisch in Großsteinbach. Denise und Matthias Janisch berichten, dass sie mitten in der Verarbeitung viele faule Bohnen aussortieren müssten. Denise Janisch erklärt, dass pro Hektar diesmal kaum 100 kg, oft sogar weniger, geerntet werden konnten – statt der üblichen 750 bis 800 kg. Sie hält eine dauerhafte Umstellung für notwendig: „Durch den Klimawandel müssen wir wohl die Kulturen anpassen.“ Deshalb hat ihr Betrieb bereits auf Edamame, eine ostasiatische Sojabohne, erweitert, die besser mit Hitze klarkommt.

Tiefpunkt bei Großbetrieben

Auch Raphael Eitljörg aus St. Ruprecht an der Raab, der 75 ha Käferbohnen bewirtschaftet, spricht von der schlechtesten Ernte aller Zeiten. Er sagt, die Käferbohne sei bisher eine tragende Säule seines Betriebs gewesen. Doch künftig müsse er wirtschaftlich umdenken und alternative Kulturen prüfen: „Wenn sich die Bedingungen nicht ändern, bleibt uns langfristig nichts anderes übrig.“

Ernteausfälle bis zur Totalverlust

Christian Hochenegger aus Albersdorf berichtet von ähnlich dramatischen Verlusten. Auf manchen Flächen habe sich die Ernte gar nicht mehr gelohnt: „Einen Hektar haben wir nicht geerntet, da war nichts zu holen.“ Der Nebenerwerbslandwirt warnt, dass ähnliche Verluste bei anderen Kulturen existenzbedrohend wären. Franz Bauer vom Dorfhof Bauer in Riegersburg zieht eine bittere Bilanz: „Wir haben teilweise mehr Saatgut ausgebracht, als wir am Ende geerntet haben.“ Auf 30 ha habe er im Schnitt nur 100 kg/ha erzielt – statt sonst bis zu 800 kg/ha. Sein Sohn Dominic Bauer befürchtet, dass die Käferbohne als Kulturgut aussterben könnte, wenn sich das Klima nicht stabilisiert.

Für die Konsumenten bedeutet die eingeschränkte Verfügbarkeit der Käferbohne tendenziell steigende Preise.
Quelle: Alwera/steirerkraft

Neue Sorten und mehr Anbaufläche

Um die Käferbohne zu retten, setzt Steirerkraft auf neue Strategien. Vorstand Andreas Cretnik erklärt, dass gemeinsam mit der Saatzucht Gleisdorf an hitzetoleranten Sorten gearbeitet werde, die auch bei Extremwetter stabil blühen. Zudem will Steirerkraft die Anbaufläche auf 700 ha ausweiten, wie Gerhard Merdonik ergänzt. Die Käferbohne sei nicht nur ein regionales Kulturgut, sondern auch ein wertvolles “Superfood”, das zur regionalen Wertschöpfung beiträgt.

Knappheit und steigende Preise

Für Konsument:innen bedeutet die schlechte Ernte steigende Preise und geringere Verfügbarkeit. Cretnik und Merdonik betonen, wie wichtig es sei, regionale Lebensmittel bewusst wertzuschätzen: „Die steirische Käferbohne ist ein Symbol für nachhaltige Landwirtschaft – gerade in schwierigen Jahren zeigt sich, wie wichtig regionale Produktion ist.“

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