Schafe und ZiegenZiegeAuf einem Ziegenhof in Polen

Auf einem Ziegenhof in Polen

Kasia und Bartek Czyż haben vor zwölf Jahren mit zwei Ziegen begonnen.
Quelle: Cecile Jouffrey

Die Ziegenzüchterin Cécile Jouffrey (32) hatte am 1. April 2024 mit ihrem Hund Lula ihre Heimat in Frankreich verlassen, um mit dem Fahrrad quer durch Europa von einem Ziegenhof zum nächsten zu reisen. Am 01.01.2025 hatte Cécile nach 11.832 km und 279 Tagen bereits 15 Länder durchquert. Am 23. August des Vorjahres war sie in Polen angekommen und hatte den Hof Kozia Polana. Dieser liegt in Gliczyn, einem kleinen Dorf in der Region Masowien im Osten Zentralpolens, 50 km südlich von Warschau. Das Klima dort ist kühl-gemäßigt mit langen, oft schneereichen Wintern und milden Sommern. Der Boden ist sandig und die Wälder bestehen aus Birken, Weiden, Erlen und Buchen. Die Landwirtschaft ist geprägt durch intensiven Roggen-, Kartoffel-, Gemüse- und Apfelanbau sowie intensive Schweine- und Rinderzucht. „Es ist schwierig, Weide- und Ackerland zu finden“, sagen Kasia und ihr Mann Bartek Czyż, die Cécile Ende August 2024 für einen Monat auf ihrem Bauernhof aufnahmen.

Es begann mit einem Witz

Kasia (41), ihr Mann Bartek (36) und ihr Sohn Nikolaj (11) begannen ihr Abenteuer vor zwölf Jahren. Sie kündigten ihre Hoteljobs in Warschau, um sich auf dem Land niederzulassen. Bartek überlegte, wie er das Gras auf seinem Rasen nutzen könnte und kam auf die Idee, sich ein paar Ziegen zuzulegen. An seinem nächsten Geburtstag bekam er von Kasia zwei Ziegen geschenkt. Allein diese beiden Ziegen produzierten etwa fünf Liter Milch pro Tag. Die Familie konnte so viel Frischmilch nicht verbrauchen, deshalb begann Kasia die Milch zu Käse zu verarbeiten. Ihren Freunden schmeckte der Käse so sehr, dass sie meinten, Kasia und Bartek könnten ihren Käse auch verkaufen. „Es war ein Witz, der Wirklichkeit wurde, und nun arbeite ich wie ein Esel“, lacht Bartek. Nach und nach vergrößerten sie die Herde durch Nachzucht und Zukauf und kümmern sich heute um etwa 100 Milchziegen. Bartek entschied sich für einen Rassenmix, um die Leistung und die Widerstandskraft seiner Ziegen zu verbessern. So finden sich in seiner Herde Gebirgs-, Saanen-, Anglo-Nubier- und spanische La Mancha-Ziegen. Das Paar richtete das als Stall genutzte Gebäude dementsprechend ein und baute einen Melkstand sowie eine Käserei. Verkauft werden die Produkte mittwochs, freitags und samstags auf den Warschauer Märkten. Lebensmittelgeschäfte, die lokale Produkte verkaufen, und Privatpersonen, die auf der Website vorbestellen, holen ihre Bestellungen ebenfalls an den Markttagen ab. Einen kleinen Teil der Milch verkauft Bartek an Hundezüchter, da sich Ziegenmilch positiv auf das Wachstum der Welpen auswirken soll.

Eigenes Futter

Für Bartek ist die Futtermittelautonomie für die Rentabilität des Betriebs von entscheidender Bedeutung. Er produziert das benötigte Heu sowie auch die Hälfte der 66 t Gerste pro Jahr selbst. Dafür erntet er im Jahr 3 t Gerste/ha auf 11 ha Anbaufläche. 1 bis 1,5 kg Gerste braucht er pro Tag und Ziege für eine Spitzenlaktation von 2,7 l pro Ziege und eine Jahresproduktion von 600 l pro Ziege. Jeden Monat fressen Barteks Ziegen 5 t Gerste. Zusätzlich weidet er die Ziegen auf 15 ha. Die Kitze bekommen Kraftfutter und grasen auf einer 2 ha großen Weide. Die Böcke kommen im September in die Herde, die Kitze werden im März geboren und die Laktationszeit geht von Anfang März bis Dezember. Außer Bartek arbeiten auf dem Hof noch seine Frau Kasia, sein Schwager Rafa sowie die Mitarbeiter Jola und Bashia. Kasia und Rafa kümmern sich hauptsächlich um die Käseherstellung, während Jola und Bashia morgens und abends melken. Die Mitarbeiter haben einen Stundenvertrag, sie verdienen 23 Złoty/h (5,41 Euro), was über dem Durchschnitt von 18 Złoty/h (4,23 Euro) liegt. Bartek hat sich dafür entschieden, die Melktage unter ihnen aufzuteilen, um die Arbeitsbelastung zu verringern und Ausfälle wegen Urlaubs und Krankheit besser zu bewältigen. Bashia sagt dazu: „Ich arbeite drei Tage lang auf dem Bauernhof und die restliche Zeit vor dem Computer. Während dieser vier Tage vor dem Bildschirm beginne ich, die Ziegen zu vermissen und freue mich wieder auf meine Arbeit in Stall und Melkstand.“ Bartek ergänzt: „Es erfordert gutes Management und das Personal muss gut eingeschult werden, um einheitliche Qualität zu erzeugen.“

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