AgrarpolitikSchnitzel made in Irgendwo

Schnitzel made in Irgendwo

Von Roman GOLDBERGER, LANDWIRT Chefredakteur

Was man bis April nur vermuten konnte, findet man jetzt bestätigt. Rund die Hälfte der Fleischpackungen im Gastronomie-Großhandel kommt aus dem Ausland. Zu dieser Schätzung kommt Schweinebörse-Chef Johann Schlederer. Seit 1. April kann nachvollzogen werden, woher verpacktes Fleisch kommt. Die neue EU-Verbraucherinformationsverordnung schreibt vor, dass auf dem Etikett das Land, in dem das Tier aufgezogen und geschlachtet worden ist, deklariert werden muss. Bei Rindfleisch gilt dies auch für offenes Fleisch, und zusätzlich muss das Geburtsland angegeben werden. Das hat sich ausgewirkt. Die Handelskette Lidl hat das deutsche Frischfleisch, das unter der Eigenmarke Metzgerhof verkauft worden war, mittlerweile aus den Kühlregalen genommen und durch AMA-Gütesiegel-Fleisch ersetzt. Laut Schlederer bieten damit die Lebensmitteleinzelhändler in Österreich ausschließlich heimisches Frischfleisch an. Ein Erfolg? „Ja“, sagt Franz Reisecker, „aber leider nur ein Teilerfolg.“ Der Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich fordert auch von der Gastronomie, auf heimische Fleischqualität zu setzen. Ein Blick auf das Konsumverhalten der Österreicher zeigt, dass mehr als die Hälfte des Fleisches außer Haus konsumiert wird. Fast 300.000 Tonnen Fleisch essen die Österreicher aus Großküchen, in Restaurants und in Imbissbuden. „Seit 1. April gibt es für die Gastronomie keine Ausrede mehr“, stellt Reisecker klar. Im Großhandel wird seither ausgelobt, woher das Fleisch kommt. Schlederer geht einen Schritt weiter: „Alle Wirte, die die Herkunft nicht deklarieren, verwenden Fleisch unterschiedlicher Herkunft.“ Das liege zum einen am Preis – heimische Ware sei um 20–30 % teurer – und zum anderen an der geringen Nachfrage. Tatsächlich stellen viele Gastronomen ein untergeordnetes Bedürfnis nach österreichischem Fleisch fest. Service, Ambiente und Kochkunst spielten bei vielen Kunden eine stärkere Rolle als die Herkunft des Lebensmittels, so der Tenor bei der LANDWIRT Recherche.

Kommentare