Unkraut – auch „Beikraut“, „Wildkraut“ oder „Kulturpflanzenbegleiter“ leistet ganz besondere Dienste für die Biodiversität: „Gstätten“ dienen als Wohn- und Rückzugsraum für viele Arten.
Wildkräuter wie Brennnessel, Giersch oder Löwenzahn sind essenziell für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten. Ohne sie verlieren viele Tierarten ihre Nahrungsquelle, etwa die Raupen des Tagpfauenauges, die fast ausschließlich von Brennnesseln leben. Und nicht nur das: Viele dieser „Unkräuter“ sind essbar und sogar heilkräftig!
Essbares Unkraut
Wir Menschen können die Blätter des Löwenzahns als Salat, die Blüten auf einem Dessert oder als Sirup genießen.
Die bekannteste Distel in unseren Breiten ist wohl die – mit der Artischocke verwandte – Gewöhnliche Kratzdistel. „Essbar sind die Blütenknospen, die jungen Blätter und die Stängel der Pflanze. Zudem kann die Distel Gallen- und Leberbeschwerden lindern“, weiß Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas. Breit- und Spitzwegerich sind ebenso gesunde Salatkräuter wie auch medizinisch sehr interessant, da sie Schleimhautreizungen lindern, das Gewebe stärken sowie entzündungshemmend und reizmildernd wirken.
Giersch ist ebenfalls eine Pflanze mit heilender Wirkung, kann aber auch zu Salat verarbeitet werden. Auch Raupen von Faltern naschen gerne am Giersch, Bestäuber an dessen weißen, zarten Blüten. Der Hahnenfuß ist für uns Menschen zwar giftig, dient aber als Futterquelle für Raupen und seine Blüten als Nahrung für heimische Falter, wie beispielsweise den Scheckenfalter.
Quecken bzw. insbesondere die weit auslaufenden Queckenwurzeln bieten wegen ihrem hohen Kohlenhydratgehalt vielen Tieren Nahrung in kargen Monaten. Die Queckensamen werden gerne von Vögeln wie z.B. Finken und Ammern verspeist, die jungen Blättchen im Frühjahr verleihen aber auch Salaten eine angenehme Geschmacksnote. „Der Ackerschachtelhalm ist ein traditionelles Heilkraut, speziell wirkt er sich positiv auf die Zellgesundheit aus. Sein Auszug wird von Gärtnern gerne als natürliches Pestizid gegen Blattläuse verwendet, stärkt durch den hohen Kieselsäuregehalt die Zellstruktur von damit behandelten Pflanzen und kann sogar als natürliches Scheuermittel für fettiges Geschirr verwendet werden“, so Trcka-Rojas. Die jungen Achterschachtelhalm-Triebe im Frühjahr sind auch essbar und kommen gerne in der asiatischen Küche zum Einsatz. Auch die Ackerwinde galt einst als Heilkraut, hat aber halluzinogene Eigenschaften und toxische Inhaltsstoffe. Insekten, insbesondere Nachtfalterarten wie beispielsweise der Windenschwärmer, besuchen jedoch gerne ihre Blüten. Ein schmackhaftes Wildgemüse ist auch das Franzosenkraut.
Ein verwilderter Garten ist keineswegs ein vernachlässigter Garten. Im Gegenteil: Er ist ein lebendiges Ökosystem, das die Biodiversität fördert und gleichzeitig weniger Arbeit macht.
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