AgrarpolitikUmfrage: Bauern in Bevölkerung hoch angesehen

Umfrage: Bauern in Bevölkerung hoch angesehen

Wie sieht die Restbevölkerung Österreichs Bauern und wie schätzen diese das eigene Image ein? Dies legte eine Umfrage offen.
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In Österreich wurden erstmals zwei Umfragen in Auftrag gegeben, die das Bild der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung sowie die eigene Einschätzung der Bauern über ihre Arbeit und ihren Stellenwert in der Gesellschaft reflektieren. Die Ergebnisse des Marktforschungsinstituts Key-Quest zeigen, dass die Arbeit der Landwirte in der nicht-agrarischen Bevölkerung hoch angesehen ist. Man ist sich zudem der Relevanz des Berufsstandes Bauer für die künftige Lebensqualität in Österreich bewusst.

Die Studie zeigt aber auch auf, dass Selbst- und Fremdbild der österreichischen Landwirtschaft signifikant voneinander abweichen. Denn: Bauern schätzen das eigene Image in den Augen der Restbevölkerung wesentlich negativer ein, als dies tatsächlich der Fall ist. Ferner konnte die Umfrage ermitteln, dass sich 83 % der Bevölkerung “Landwirtschaft” als verpflichtendes Schulfach wünschen. Eine Kluft bestimmt zum Teil auch das Thema “Tierwohl”. In der Bevölkerung herrscht offenkundig noch wenig Bewusstsein, dass mit mehr Tierwohl auch die Produktionskosten für Bauern steigen. Um Vergleichbarkeit mit einer ähnlichen Umfrage aus Deutschland zu erzielen, konfrontierte man die Teilnehmer mit ebenso ähnlichen Fragestellungen wie im Nachbarland.

Selbstbild und Fremdbild klaffen auseinander

94 % der österreichischen Bevölkerung sehen Landwirtschaft als positiv an, davon 34 % sogar als sehr positiv. Damit stehen Bauern in den Augen der Bevölkerung weit besser da als in deren eigenen. Denn Landwirte glauben, dass nur 51 % der Restbevölkerung ein positives Bild von der Landwirtschaft hätten. Dieses Ergebnis zeige, so kommentierte Bundesministerin Elisabeth Köstinger, dass man noch stärker von der Wertschöpfung zur Wertschätzung kommen müsse. Es sei eine Frage des Bewusstseins: “87 % sind bereit, für Produkte mit höheren Tierwohlstandards mehr zu bezahlen. Entscheidend ist, dass sich dieser Trend in den Kaufentscheidungen niederschlägt”, so Köstinger weiter.

Indessen ist der Beruf Landwirt laut Umfrage höchst zukunftsträchtig. Von rund 1.000 Befragten gaben 85 % an, dass der Beruf für die Gesellschaft besonders wichtig sei. Damit nehmen Bauern vor Lehrern, Forschern und Polizisten den zweiten Platz ein. Nur Ärzte mit 89 % seien für die zukünftige Gesellschaft noch relevanter.

Ländervergleich: Österreich mit Imagevorteilen vor Deutschland

Bei der Konzeption der Studie wurde übrigens großer Wert auf die Vergleichbarkeit mit einer Erhebung in Deutschland aus dem Jahr 2017 gelegt. “Vergleicht man die Ergebnisse, so zeigen sich in sehr vielen Punkten ähnliche Resultate”, erläuterte Key-Quest-Geschäftsführer Johannes Mayr. Dies gelte für den Bereich Wichtigkeit der Landwirtschaft in der Gesellschaft ebenso wie für die Themen Tierwohl und Landwirtschaft im Schulunterricht.

In der Detailbetrachtung, so Mayr, zeige sich allerdings, dass die österreichische Bevölkerung der heimischen Landwirtschaft gegenüber deutlich positiver eingestellt sei. Während in Österreich 94 % der Bevölkerung ein positives Bild von der Landwirtschaft projizierten, habe die deutschen Studie nur einen Wert von 79 % erreicht.

In Auftrag gegeben wurde die Umfrage übrigens von der ARGE Bäuerinnen in Kooperation mit der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich. An den Befragungen haben 1.033 (Fremdbild) bzw. 3.200 (Selbstbild) Menschen teilgenommen.

Landwirtschaft braucht Gesicht und Stimme

Weiters erhob die Umfrage, dass sich mehr als die Hälfte (58 %) der Landwirte in den Medien “zu negativ“ dargestellt sieht. Zum Vergleich: 68 % der nicht-agrarischen Bevölkerung orten eine “ausgewogene” mediale Berichterstattung. Geprägt wird das Bild der heimischen Bauern aber ohnehin nicht vorrangig durch traditionelle Medien, sondern vielmehr ist die Hauptinformationsquelle laut Umfrage das persönliche Gespräch. Dieses Ergebnis vermag freilich zu überraschen. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten (53–55 %) gab nämlich an, seine Vorstellungen von der Landwirtschaft seien durch direkte Kommunikation mit Bauern, Bekannten und Verwandten geprägt – sei es beim Direkteinkauf oder Besuchen am Bauernhof. Fernsehen, Internet & Co. spielen hier offenbar nur eine untergeordnete Rolle.

“Keiner kann über Landwirtschaft und das Leben und Wirken auf einem Bauernhof besser informieren, als die Betroffenen selbst”, erklärte darum Andrea Schwarzmann, Vorsitzende der ARGE Österreichische Bäuerinnen. Während Direktvermarkter im Dialog mit dem Konsumenten oft bereits “versiert” seien, so bestehe bei Erzeugern in der Urproduktion aber noch Nachholbedarf. Es gelte für sie zu lernen, der Landwirtschaft ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Um das zu erreichen, brauche es ein entsprechendes Bildungs- und Beratungsangebot.

Direktvermarkter pflegen bereits oft versierten kaufmännischen Umgang mit Konsumenten.
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Pflichtfach in der Schule gewünscht

Um die “unterschwellige Vertrauenskrise” zwischen Bauern und Konsumenten zu lösen, müssten Bauern aber nicht nur die Sprache der Konsumenten sprechen lernen. Umgekehrt sei es auch notwendig, “Aufklärungsarbeit” in Schulen zu leisten. Dass überwiegende Teile der Bevölkerung mehr Bildung zum Thema Landwirtschaft wünschen, geht aus der Umfrage jedenfalls klar hervor. Unter dem Strich wünscht sich 83 % der Bevölkerung “Landwirtschaft” als Pflichtfach in der Schule sowie einen pädagogischen Schwerpunkt in puncto Ernährung und Konsumbildung. Als primäre Inhalte nannte man dabei die Themen Herkunft von Lebensmitteln, Umweltschutz, verantwortungsvoller Konsum sowie die Grundlagen der Ernährung.

Zudem meinen 49 % der Bevölkerung, in den Schulen werde ein unrealistisches Bild der heimischen Landwirtschaft vermittelt. 96 % der Befragten unterstützen daher auch die Idee der “Besuche von Schulklassen auf Bauernhöfen“.

Was man unter Tierwohl versteht

Artgerechte Haltung, der Umgang mit Tieren: Die Bevölkerung sieht Tierwohl in der landwirtschaftlichen Produktion gleich nach der Lebensmittelqualität am zweitwichtigsten. Für 75 % der Befragten ist dieser Bereich “interessant”. 87 % seien bereit, mehr dafür zu bezahlen, bereits 83 % kaufen schon jetzt bewusst Produkte mit höheren Tierwohlstandards. Ausbaufähig erscheint indessen die entsprechende Kennzeichnung solcher Lebensmittel: Nur 52 % finden, dass diese ausreichend ist.

Wenig Zusammenhang sieht die Bevölkerung laut Umfrage aber zwischen mehr Tierwohl und höheren Produktionskosten für Bauern. Während 90 % der Befragten mit “Tierwohl” eine artgerechte Haltung und 85 % mehr Platz für Tiere verbinden, denken nur 41 % daran, dass gesteigertes Tierwohl auch Mehrkosten für Bauern verursacht. Um hier entsprechendes Bewusstsein zu schulen, brauche es wiederum eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft, erklärte dazu Josef Fradler von der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich.

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