HubJagdHerausforderungen für Almen

Herausforderungen für Almen

Die Almbauern leisten durch die Offenhaltung der Landschaft einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung des ländlichen Raumes.
Quelle: Vetta

Im Jahr 2000 hatten 859 Auftreiber 4.935 Rinder auf die Almen gebracht, 2020 waren es 636 Betriebe, die 4.653 Tiere zur Alpung brachten. Bei den Rindern sind weniger Kühe auf den Almen als weibliche Jungrinder mit dem Schwerpunkt Zuchtvieh. Wichtig für die Pflege der Almen sind auch Pferde, Schafe und Ziegen aufgrund ihres andersartigen Fressverhaltens. Im Jahr 2000 waren 1.330 Pferde, Schafe und Ziegen auf den Almen, 2020 rund 1.000 Tiere. Heuer kann nach einem Jahr Corona-bedingter Pause auch wieder der traditionelle OÖ Almwandertag stattfinden – er führt am 15. August auf die Graumandlalm. Der Festakt beim Schobersteinhaus beginnt um 10.30 Uhr.

„Die Abnahme der Auftreiber reduziert die Zahl der benötigten Arbeitskräfte für die viele Handarbeit auf den Almen im schwierigen Gelände. Die oberösterreichischen Auftreiber schaffen einen Tierbesatz auf der förderfähigen Futterfläche von knapp einer Großvieheinheit (GVE) pro ha und einen Tierbesatz von 0,1 GVE pro ha Katasterfläche. Die Futtergrundlage könnte eine höhere Tierzahl versorgen, allerdings ist das mit den vorhandenen Arbeitskräften nicht machbar. Auch das Wetter ist für die Almwirtschaft immer wieder eine Herausforderung: Das heurige Frühjahr hat weniger Niederschläge in den Bergen gebracht und somit den Futteraufwuchs geringer ausfallen lassen. Trotzdem ist die Futterversorgung für die Tiere gewährleistet”, betont Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer (LK) OÖ.

In Oberösterreich sind rund 36.500 ha als Alm-Katasterflächen erfasst. 3.900 ha davon gelten als förderfähige Almfutterfläche, es werden 210 Almanträge über den Mehrfachantrag abgewickelt. Seit heuer muss die Alm-/Weidemeldung über das elektronische Erfassungstool eAMA online erfasst werden.

Weidepflege ist von großer Bedeutung

„Die Almbauern sind bemüht, wirtschaftlichen Ertrag über Viehhaltung, Waldnutzung und touristische Nutzung zu erzielen. Auch andere Sparten der Wirtschaft und Gesellschaft profitieren von den Almen – der Skisport ebenso wie der Wander- und Bergtourismus. Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es auf den heimischen Almen einen noch regeren Zulauf. Die Almbauern leisten durch die Offenhaltung der Landschaft einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung des ländlichen Raumes, deswegen ist es absolut gerechtfertigt, den Fortbestand der Almen durch Alpungsprämien und andere Ausgleichszahlungen nachhaltig zu sichern”, betont Langer-Weninger. Das Freihalten der Almflächen sei durch die Weidenutzung nicht garantiert. Der Bewirtschafter müsse aktiv eingreifen, um den Waldanflug durch Schwendmaßnahmen zu bereinigen.

Wolf wird immer mehr zur Bedrohung

Der Wolf ist mittlerweile auch in Oberösterreich angekommen, auf den Almflächen wird er zu einer zunehmenden Bedrohung. „Bereits im heurigen Frühjahr wurden in der Almregion des Nationalparks Kalkalpen Wölfe nachgewiesen. Dies konnte mittlerweile auch über DNA-Tests an Kratzspuren bei Weidetieren nachgewiesen werden. Darüber hinaus wird Panik unter den gealpten Tieren registriert. Die Tiere haben Zäune durchbrochen und sich daran verletzt. Es musste das Weidevieh mit mehreren Helfern gesucht und zurück zur Weide getrieben, die zerstörten Zäune mussten repariert werden”, berichtet Johann Feßl, Obmann des Vereines OÖ Alm und Weide.

„Nur durch eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene werden wir das Problem lösen können – der Abschuss eines Wolfs darf kein Tabuthema sein, sondern ist für uns ein wesentlicher Teil des Herdenschutzes, so wie es Zäune auch sein können”, erklärt Langer-Weninger. Die Landwirtschaftskammer OÖ bietet aber auch eine eigene Herdenschutzberatung an. Ziel ist es, die Bewirtschafter dabei zu unterstützen, auf möglichst vielen Flächen die Almwirtschaft zu erhalten und die Flächen offen zu halten.

Die Rückkehr der Wölfe stellt die Weidetierhalter vor große Herausforderungen.
Quelle: Nadezda Murmakova/shutterstock.com

 

Wertvolle Lebensmittel von der Alm

„Auf den Almen werden Lebensmittel mit höchster Natürlichkeit produziert. Der Almausschank auf den Hütten bringt Produzenten und Konsumenten zusammen. Die hohe Besucherfrequenz in der Almregion bietet ein enormes Wertschöpfungspotenzial, jedoch sind die Arbeitskapazitäten speziell zu den Erntezeiten begrenzt, sodass ein Almausschank nicht immer machbar ist. Die Berggastronomie ist bemüht, regionale Lebensmittel einzusetzen. Somit soll die geleistete Landschaftspflege über die Vermarktung in der Ausflugsgastronomie ihre Wertschätzung finden”, so Langer-Weninger. „Auch der Vertragsnaturschutz ist eine wichtige Grundlage für die Abgeltung von Umweltleistungen”, ergänzt Feßl.

Auf vielen Almen werden wertvolle Lebensmittel erzeugt.
Quelle: Vetta

Auf der Alm eigenverantwortlich handeln

Mit der Novelle des Tierhalterhaftungsgesetzes 2019 wurde die verstärkte Eigenverantwortung der Besucher von Almen und Weiden festgeschrieben. Konkret sehen die Verhaltensregeln vor, dass Wanderer Kontakt zum Weidevieh vermeiden und Tiere nicht füttern sollten. Bei einer Begegnung mit Mutterkühen, die ihre Kälber schützen wollen, sind Hunde an der kurzen Leine zu führen. Man sollte auch die Wanderwege nicht verlassen und Weidevieh, das den Weg versperrt, in großem Abstand umgehen. „Leider gibt es auch manchmal Unbelehrbare, die unsere Anstrengungen um ein gutes Miteinander wieder zunichtemachen. Wir können an die Besucher nur appellieren, auch auf die Alm den Hausverstand mitzunehmen”, so Feßl. Die wichtigsten Regeln zum Verhalten auf der Alm wurden deshalb zusammengefasst und werden auch in kurzen Videos anschaulich erklärt.

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