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Wieder Glyphosat

Quelle: Böck

Es ist wieder mal soweit. Mit 15. Dezember lief die reguläre Zulassung für das Glyphosat aus. Das Herbizid ist auf der einen Seite für viele Landwirte nahezu unersetzlich. Grund dafür ist seine einzigartige Eigenschaft als Totalherbizid. Auf der anderen Seite steht ein großer Teil der Bevölkerung dem Einsatz hingegen kritisch gegenüber – gelinde gesagt. Das führte in der Vergangenheit zu vielen kontroversen Diskussionen. Dementsprechend spannend ist auch der Prozess um die Wiederzulassung.

Ein Jahr verlängern

Damit es für die Entscheidung über eine mögliche Wiederzulassung eine Basis an wissenschaftlichen Daten gibt, hat die EU ein sehr umfassendes Bewertungsverfahren bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Auftrag gegeben. Beim Verfahren kam es nun aber zu Verzögerungen. Die EFSA konnte aufgrund der doch sehr umfassenden Untersuchung den Bericht nicht zeitgemäß vor Ablauf der Zulassung präsentieren. Derzeit plant die EFSA die Vorlegung des Berichts bis Mitte 2023. Aufgrund der Verzögerung der Bewertung hat die EU-Kommission nun einen Vorschlag vorgelegt, die Zulassung auf EU-Ebene um maximal ein Jahr zu verlängern, eben bis die umfassende Bewertung vorliegt. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung soll laut Johannes Fankhauser, Sektionsleiter des Bundesministeriums für Landwirtschaft, wissenschaftlich fundiert und faktenbasiert ablaufen.

Entscheidung

Der Vorschlag ist mittlerweile auch durch diverse Ausschüsse gewandert. Nirgendwo gab es eine qualifizierte Mehrheit für oder gegen eine Verlängerung der Zulassung. Somit blieb es der EU-Kommission, zu entscheiden. Die stimmte schlussendlich für ihren eigenen Vorschlag. Somit bleibt Glyphosat bis 15. Dezember 2023 zugelassen. Zum Wirkstoff selbst ist zu sagen, dass die Menge an Glyphosat, die verkauft bzw. angewendet wird, derzeit tendenziell zurückgeht. Während 2017 in Österreich noch 329 t des Wirkstoffs in Verkehr gebracht wurden, lag der Wert 2021 nur mehr bei 232 t – sprich knapp 100 t weniger. In Deutschland wurden 2021 rund 4.100 t verkauft. 2017 lag der Wert noch bei knapp 4.700 t. Ebenso geht die Anzahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, stetig zurück. Waren es 2017 noch 50 Produkte, so konnte man in den Regalen 2022 nur mehr 24 Produkte finden.

Schnell nachweisbar

Grundsätzlich werden Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln innerhalb der EU sehr genau untersucht. Dabei ist Glyphosat bereits in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar. Die AGES und die EFSA führen auch ständig Rückstandsuntersuchungen auf Glyphosat bei Lebensmitteln und Futtermitteln durch. Von den 2.952 Proben, die die AGES zwischen 2017 und 2022 analysiert hat, konnte man in 164 Fällen – sprich 5,5 % – Glyphosat nachweisen. In vier der Fälle lag der Wert über dem geforderten Grenzwert: bei zwei Honigproben, einmal bei Leinsamen und einmal bei Linsen. Dabei betonte Johann Steinwider, Leiter der Abteilung Risikobewertung der AGES, dass hier sowohl inländische als auch importierte Waren untersucht werden. So könne in rein österreichischen Produkten nur in 1,1 % und in Produkten der EU in 1,7 % der Produkte Glyphosat nachgewiesen werden.

Wenige Grenzüberschritte

Die EFSA hat europaweit 88.141 Proben analysiert. Hier wies man in 2,6 % der Fälle Glyphosat nach. 0,6 % der Proben überschritten den gesetzlichen Höchstwert. Davon betroffen waren Hirse aus Polen, Buchweizen und Pseudogetreide aus Polen und Litauen sowie Getreide aus Litauen. Steinwider geht davon aus, dass diese Überschreitungen von der Sikkation – sprich das Abtöten des Bestandes vor der Ernte – herrührt. Eine Maßnahme, die in Österreich bereits verboten ist.

Grundsätzlich kommt es bei Waren aus Österreich am seltensten zu Grenzwertüberschreitungen. Meist stammen die betroffenen Waren aus Ländern, in denen die Sikkation in der Praxis noch durchgeführt wird. Von Glyphosat selbst geht nur ein geringes Risiko aus. Steinwider betont, dass die meisten Beanstandungen im Lebensmittelbereich bei der Kennzeichnung, der Hygiene und dem Verderb entstehen.

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