BioAus der KontrolleZusätzliche Kontrollen ärgern Bio-Bauern

Zusätzliche Kontrollen ärgern Bio-Bauern

Die Tierwohlpotenzialbewertung wird direkt am Tier durchgeführt.
Quelle: Vetta

Im März dieses Jahres erhielten Bio-Milchlieferanten, die am Hofer-Projekt „Zurück zum Ursprung“ beteiligt sind, von den Molkereien ein Schreiben. In diesem hieß es:

„…wir haben mit der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein ein neues, ganzheitliches Modell einer Tierwohlerhebung entwickelt. Die Tierwohlerhebung wird im Rahmen der Bio-Kontrolle 2021 durchgeführt. Eine Kontrolle dauert ca. 2 Stunden und kostet ca. 150 Euro je Betrieb. Um die Kosten in einem vernünftigen Rahmen zu halten, ist die Erhebung nur alle drei Jahre auf Ihrem Betrieb notwendig. Somit werden sowohl die Stärken als auch die Schwächen sofort sichtbar. Darauf kann gezielt durch Beratungsmaßnahmen und anschließend durch Adaptierungsmaßnahmen des Stalles eingegangen werden.

Der Nutzen der Erhebung liegt […] beim Landwirt, der im Zuge dessen Feedback bekommt, welches er für die Weiterentwicklung seines Stallsystems nutzen kann. Wir sind zuversichtlich, mit diesem Erhebungsmodell auch für unsere kleinbäuerlichen Familienbetriebe eine Perspektive im Projekt Zurück zum Ursprung zu schaff en und zugleich dem neuen gesellschaftlichen Trend nachzukommen.“

Zusätzliche Kosten für Kontrolle

Etliche Lieferanten ärgerten sich über die Vorschreibung einer zusätzlichen, kostenpflichtigen Kontrolle. Unabhängig voneinander erreichten uns zu diesem Thema einige Lesermeinungen. Erich Zahnt, Bio-Bauer aus Niederösterreich, schrieb:

„Bio-Bauern unterliegen grundsätzlich seit eh und je rigorosen Kontrollen. „Zurück zum Ursprung“-Lieferanten müssen zusätzliche Auflagen erfüllen. Und jetzt kommt auch noch die bäuerliche  Molkereigenossenschaft Berglandmilch, erhebt und bewertet, kontrolliert also zusätzlich im Rahmen der Bio-Kontrolle die „Schwachstellen“. Was hier den Bio-Bauern als Zukunftsperspektive verkauft wird, ist kein Beitrag zur bäuerlichen Einkommenssicherung, sondern eine zusätzliche Belastung, die das Korsett für Bio-Lieferanten noch enger schnürt.“

Bergland-Sprecher Georg Lehner erklärt, wie sich die Kosten zusammensetzen: „Der Betrag für die Kontrolle ist geschätzt und kann je nach tatsächlichem Aufwand variieren.“ Laufstallbetriebe, die einen geringeren Rechtfertigungsbedarf haben, sind dazu verpflichtet, die Kontrolle alle sechs Jahre durchzuführen. Die Kosten schlagen sich somit mit 25 Euro pro Jahr nieder. „Wem das zu viel ist, der hat die Möglichkeit, aus dem Projekt auszusteigen“, sagt Lehner.

Neues Schema zur Bewertung des Tierwohls

Die Tierwohlpotenzialbewertung – das System des sogenannten FarmLife-Welfare-Index – wird direkt im Stall mittels Tablet oder schriftlich anhand eines Erhebungsbogens durchgeführt. Zu Beginn der Erhebung werden allgemeine Herden- und Milchdaten abgefragt. Neben Tierwohlindikatoren, die direkt am Tier erhoben werden, werden Haltungsbedingungen sowie Tierbetreuung und Management am Betrieb evaluiert. Entwickelt wurde das System der Tierwohlpotenzialbewertung in Raumberg-Gumpenstein. Bei der Beurteilung steht das Tier im Fokus. „Es ist sowohl für Laufstall– als auch Kombinationsbetriebe anwendbar, der Bauer erhält im Anschluss ein Maßnahmenpaket mit einer Mängel- und Schwächeanalyse“, erklärt Elfriede Ofner-Schröck, Abteilungsleiterin in Raumberg- Gumpenstein.

Andreas Racz stört sich vor allem daran, dass Bio-Bauern immer wieder neue kostenpflichtige Kontrollen vorgeschrieben werden.
Quelle: Liebchen

Ein Bewertungskriterium ist beispielsweise die Sauberkeit der Tiere. Dabei sieht Andreas Racz, Lieferant der Obersteirischen Molkerei, in der Praxis ein Problem. Der Steirer hat seine 18 Kühe in einem Tieflaufstall untergebracht. „Auch wenn ich regelmäßig einstreue, kann ich nicht verhindern, dass eine Kuh, die brünstig ist, dreckig wird. Wenn es regnet und die Kuh im Freien im Gatsch liegt, wird das Haarkleid ebenfalls schmutzig. Kommt gerade dann der Kontrolleur, wird die Beurteilung nicht positiv ausfallen.“ Der Milchviehhalter stört sich aber vor allem daran, dass Bio-Bauern immer wieder neue kostenpflichtige Kontrollen vorgeschrieben werden.

Tierwohl nicht von Haltungsform abhängig

In der Zwischenzeit fanden mit jenen Landwirten, bei denen heuer im Rahmen der Bio-Kontrolle auch erstmals die Tierwohlerhebung durchgeführt wird, Informationsveranstaltungen statt. Dabei stellten die Verantwortlichen noch einmal die Notwendigkeit der neuen Maßnahmen dar. „Zurück zum Ursprung ist aufgrund der Kombinationshaltung massiv in die Kritik geraten. Andere Bio-Marken haben ausschließlich Laufstallbetriebe als Lieferanten“, fasst Lehner die Situation zusammen. Mit der wissenschaftlichen Methode des FarmLife-Welfare-Index soll es möglich sein, das Thema Tierwohl nicht auf die Haltungsform zu reduzieren. „Die Hälfte unserer Tiroler Lieferanten betreibt Kombinationshaltung. Ein reines Laufstallprojekt würde Zurück zum Ursprung im Berggebiet unmöglich machen“, ergänzt der Sprecher der Berglandmilch.

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