MarktSchweinemarktMit dem LANDWIRT am Markt

Mit dem LANDWIRT am Markt

Quelle: agrarfoto.com

Unsere Marktexperten haben einen Rückblick auf die vergangenen Monate und einen Ausblick auf die kommenden Wochen für den Ferkel-, Schlachtschweine- und Sojamarkt für Sie zusammengestellt:

Ferkel: Teures Futter lässt Mäster zögern

Dass man zur Jahresmitte eine durchschnittliche Notierung von 2,50 Euro Basispreis oder ca. 70 Euro (ohne Zuschläge und UST) verzeichnen kann, war zu Beginn des Jahres kaum zu sehen. Die Folgen der Corona- Krise und vor allem der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland hatten die Märkte nachhaltig gestört. Im Gefolge der Erholung der Märkte kam man dann auch wieder rasch auf ein zufriedenstellendes Erlösniveau. Die Vermarktungslage war bis in den Mai hinein problemlos.

Hans-Peter Bäck ist Koordinator im VÖS- Ferkelausschuss.
Quelle: Styriabrid

Wie jedes Jahr kam es danach durch ein höheres Angebot wieder fallweise zu Rückstellungen, da durch das geringe Aufkommen ab Februar die Einstallkapazitäten verringert sind. Für Diskussionen sorgen derzeit die stark gestiegenen Rohstoffpreise, die die Frage offen lassen, ob sich das in den Schlachtschweine-Erlösen niederschlägt. Der Einfluss ist nicht von der Hand zu weisen, dass mancher Mastbetrieb in eine Ferkel: Teures Futter lässt Mäster zögern Warteposition geht. Gerade diejenigen, die ohnehin knappe Futterkapazitäten besitzen, haben derzeit wenig Motivation Fertigfutter zu kaufen, das sich seit Jahresbeginn um ungefähr 50 Euro/Tonne verteuert hat. Zusätzlich kommt wohl auch noch dazu, dass heuer die Ernte wohl etwas später beginnen wird. Da über die Sommermonate nicht mit einem rückläufigen Angebot zu rechnen ist, können nur gute Schlachtschweinepreise stabilisierend auf das Angebots- und Nachfrageverhältnis wirken. Dafür bieten gute Rohstoffpreise eine gute Voraussetzung, da das europäische Niveau maßgeblich von Regionen beeinflusst wird, in denen der Anteil an Fertigfutter – im Gegensatz zu Österreich – sehr hoch ist. Im Zuge der Rohstoffpreiserhöhung sollte aber auch nicht vergessen werden, dass ein Boom so schnell wie er gekommen ist, auch wieder zu Ende sein kann. In Summe ist es somit noch immer der beste Ansatz, kontinuierlich zu produzieren.

Schlachtschweine: Kampf um stabile Preise

Das erste Quartal kann man mit dem Übertitel „Hoffnung auf Normalisierung“ subsumieren. Gegen Ende des ersten Quartals wurde aufgrund der Sogwirkung der europäischen Exporte nach China eine Basispreissteigerung von einem sehr tiefen Niveau von 1,22 auf 1,52 Euro möglich. Darum ging man mit Optimismus in das zweite Quartal und hätte sich aufgrund der Öffnungen im Gastro-Hotellerie-Bereich eigentlich noch mehr erwartet. Diese Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt.  Dennoch: Realistisch betrachtet lag das Gesamtergebnis des ersten Halbjahres sehr wohl im Rahmen der Erwartungen – das erste Quartal etwas besser, das zweite ein bisschen schlechter.

Dr. Johann Schlederer ist Koordinator im VÖS-Mastausschuss.
Quelle: VLV

Die Gründe, warum es nicht so gut gelaufen ist wie erhofft: Man war der Hoffnung, dass die Gastro-Öffnung und der Start in die Grillsaison die Flaute beim Asien-Export überkompensieren könnte. Das ist nicht geschehen, weil erst die letzten zwei Wochen des zweiten Quartals wirklich grillfreundlich waren. Und: Offensichtlich ist die Bereitschaft der Leute, wieder mehr außer Haus zu verzehren, derzeit nicht so gegeben wie früher. Der Fleischhandel ist daher teilweise frustriert. Das lässt er uns spüren, indem er Preissteigerungen abblockt.  Gegen Ende des zweiten Quartals bestand eine massive Diskrepanz zwischen Lebendangebot und Fleischmarkt. Deutschland kann wegen der Afrikanischen Schweinepest nicht nach China exportieren, Spanien nicht wegen der Exportflaute. Diese zusätzliche Fleischmenge liegt wie eine Last am europäischen und damit auch auf unserem Schweinepreisniveau.  Unterm Strich ist der schwächelnde Absatz der Überproduktion ins Drittland schwergewichtiger als die unterdurchschnittliche Produktion.  Insgesamt ging es daher gegen Ende des Quartals eher darum, für ein Halten der Preise zu kämpfen, als Preiserhöhungen erzielen zu können.  Im optimistischen Fall wird China in der zweiten Jahreshälfte wieder wesentlich stärker in Europa ordern. Bei einer faktenbasierten Prognose, die ein weltweites Seuchengeschehen bei Mensch und Tier ausschließt, sollten der Markt und damit auch die Preise im zweiten  Halbjahr 2021 passen.

Sojaschrot: GVO-freie Ware wesentlich teurer

Die weltweite Produktion von Sojabohnen erreichte 2020/21 einen neuen Rekord.   Dementsprechend wurde auch so viel Sojaschrot vermahlen wie noch nie. Dennoch kam es bis zum Ende der Saison zu einem Abbau der Lagerbestände um 10 Mio. Tonnen.  Dafür waren Ernteergebnisse in den USA und in Argentinien ausschlaggebend, die nicht die erwarteten Niveaus erreichten, und gleichzeitig neuerlich gestiegene weltweite Importmengen. Insbesondere die chinesische Einkaufslust war enorm groß. Diese Verhältnisse ließen die Notierungen für Sojaschrot   auf die höchsten Werte seit sieben Jahren klettern. An der Produktenbörse Wien notierte gentechnisch veränderter Soja im Spätwinter bei rund 500 Euro/t. In der Zwischenzeit kam es zu einer Beruhigung und 44er-Sojaschrot GVO notierte zuletzt bei 395 Euro/t.

DI Marianne Priplata Hackl ist Marktreferentin
der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.
Quelle: LK NÖ

Eine andere Entwicklung nahmen seit dem Frühjahr die Notierungen für inländischen GVO-freien Sojaschrot mit 45 % Rohprotein. Die Preise stiegen weiter an und lagen zuletzt auf einem Niveau von 680 Euro/t. Damit   hat sich der Preisabstand zwischen den beiden Qualitäten vervielfacht. Betrug er im ersten Halbjahr 2020 rund 60 Euro/t, waren es im ersten Halbjahr 2021 210 Euro/t. Diese enormen Futtermittel-Preissteigerungen belasten die Tierhalter extrem. Für die kommende Ernte wird nicht nur weltweit mit einer neuerlichen Steigerung der Sojaproduktion gerechnet, sondern auch der Sojaanbau in Europa steigt. Erstmals soll auf mehr als einer Million Hektar Sojabohne angebaut worden sein (+10 % im Vorjahresvergleich). Diese Entwicklung wird u.a. als Resultat der wachsenden Nachfrage nach GVO-freiem Soja gesehen. Die österreichische Flächenauswertung weist für 2021 ebenfalls ein Plus   von über 7.000 ha (+10 %) beim Sojabohnenanbau aus. Dabei steigt die konventionelle Produktion   im gleichen Maß wie die biologische.

 

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