BioBiodiversitätSumpflebensräume vor dem Kollaps: Blaukehlchen bedroht

Sumpflebensräume vor dem Kollaps: Blaukehlchen bedroht

Nur noch 150 Blaukehlchen-Brutpaare nisten in Österreich.
Quelle: Jean Theisen

Blaukehlchen leben meist versteckt im Gebüsch und sind darum ohnehin ein seltener Anblick. Begradigte und befestigte Flüsse haben diesen Anblick noch seltener gemacht. Und so bewohnen in Österreich nur noch rund 150 Brutpaare kleinere Feuchtgebiete mit Schilf und offene Bodenstellen. Damit nicht genug droht hierzulande das völlige Aussterben der Bekassine als Brutvogel, weil nur noch eine Restpopulationen von rund 25 Brutpaaren existiert. Dieses dramatische Sterben der Sumpfvögel sei menschlich verursacht, wie die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich an den Pranger stellt.

Rückzug ins letzte Refugium

Dafür verantwortlich seien etwa die Entwässerung von Feuchtwiesen, die Anlage von Drainagegräben und Dämmen sowie die intensive Nutzung von Niedermooren. Dies habe, verstärkt seit den 1950er Jahren, zu schwerwiegenden Lebensraumzerstörungen sowie zum Abdrängen der Tierwelt in letzte Rückzugsgebiete geführt. Darüber hinaus konstatiert BirdLife, dass ehemals baumlose, offene Feuchtwiesen vielerorts verwalden und verbuschen. Denn oftmals werde die wenig rentable Bewirtschaftung einfach aufgegeben.

Auch der Wildbestand der Bekassine in Österreich ist bedroht.
Quelle: Peter Friesser

Unter dem Strich gehen so wertvolle Bruthabitate dieser seltenen Arten verloren. Als Konsequenz ziehen sich die wenigen verbliebenen Sumpfvögel in besagte letzte Refugien zurück – wie etwa die Bekassine ins Ibmer Moor. “Daher ist es uns ein dringendes Anliegen“, so Gábor Wichmann von BirdLife Österreich, „diese wichtigen Rückzugsräume zu erhalten.” Um das zu erreichen, so der Geschäftsführer, müsse man inzwischen verbuschte Flächen freiräumen, ausgetrocknete vernässen und wiederherstellen sowie neue Feuchtgebiete schaffen.

Wie ein Kartenhaus zusammenbrechen

Moore und Feuchtwiesen sind übrigens nicht nur wichtige Nist- und Brutstätten für Vögel, sondern tragen als CO2-Speicher auch zum Klimaschutz bei. Angesichts augenscheinlich vorherrschender Wetterextreme könnten Feuchtgebiete aber als natürliche Regulatoren fungieren. Darum mahnt Wichmann: “Auch wir sind von der Stabilität unserer Ökosysteme abhängig. Wenn wir aber Karte um Karte aus dem Spiel nehmen, wird das Kartenhaus zusammenbrechen.”  Dann, so der Geschäftsführer, drohe nicht nur den Vögeln, sondern auch dem Mensch der Kollaps.

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