LandlebenFamilieHeißes Thema Sozialversicherung

Heißes Thema Sozialversicherung

Falsche Einkommensermittlung

Ich habe Ihren Artikel in der Ausgabe vom 16. Jänner mit Aufmerksamkeit gelesen. Sie beschreiben die hohe SV-Belastung für die kleinen bäuerlichen Betriebe. Ich kann Ihnen nur beipflichten und möchte Ihnen von meinem Hof die SV-Belastung darlegen. Wir betreiben eine Landwirtschaft mit 28 Hektar. Davon 14 Hektar Landwirtschaft und 14 Hektar Forst. Der Betrieb liegt auf einer Höhe von 800 Meter. Wir haben einen EW von 11.500 Euro. Die Einnahmen aus der Direktvermarktung betrugen im Jahr 2020 (so wie auch in den letzten Jahren) rund 30.000 Euro und wurden auch der SV gemeldet. Insgesamt haben wir im Jahr 2020 10.000 Euro an SV-Beiträgen bezahlt. Ruft man im Internet den SV-Rechner für Selbständige auf, so ergibt sich bei einem Jahresgewinn von 40.000 Euro eine SV-Belastung von rund 10.000 Euro. Aber es ist eine Utopie, dass man bei einem Betrieb in meiner Größenordnung einen Gewinn von 40.000 Euro erzielen kann. Und genauso utopisch hoch sind die SV-Beiträge für meinen Betrieb und vergleichbare Familienbetriebe.

Laut Grünem Bericht beträgt das Durchschnittseinkommen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes im Jahre 2019 rund 28.000 Euro. Das ist der Durchschnitt aller Betriebe, auch die größten Betriebe sind darin enthalten – wie kann man dann bei einem Kleinbetrieb 40.000 Euro Jahreseinkommen erzielen?

Josef RAUNIG, Kärnten

Auswertung Grüner Bericht

Bezüglich Ihres Artikels kann ich dem Ganzen nur beipflichten. Ich beobachte seit meiner agrarischen Ausbildung die Entwicklung der Einkommen der Grünen Berichtsbetriebe und habe diese seit dem Jahr 2000 ausgewertet.

Im Jahr 2000 hatte der durchschnittliche Aufzeichnungsbetrieb für den Grünen Bericht einen Einheitswert von 18.450 Euro und bewirtschaftete 37,86 ha Kulturfläche. Die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft betrugen damals 19.588 Euro und die Beiträge zur SVB gesamtbetrieblich 3.906 Euro, was ca. 20 % der Einkünfte betrug. Der SVB-Beitrag je Hektar Kulturfläche lag bei rund 103 Euro. Im Jahr 2019 hatte der durchschnittliche Aufzeichnungsbetrieb für den grünen Bericht einen Einheitswert von 29.300 Euro und bewirtschaftete 48,77 ha Kulturfläche. Die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft betragen heute 27.966 Euro und die Beiträge zur SVS gesamtbetrieblich 9.350 Euro, was ca. 33,4 % der Einkünfte entspricht. Der SVS-Beitrag je Hektar Kulturfläche liegt heute bei rund 191 Euro und hat sich in diesem Zeitraum beinahe verdoppelt.

Josef Otter, Steiermark

575 Euro Rente

Das Leben in Deutschland wird leider immer ungerechter. Für unsere kleinen Betriebe ist das landwirtschaftliche Sozialsystem nicht mehr bezahlbar. Wenn ich bis 2026 weiter einzahle, habe ich 42 Beitragsjahre und bekomme eine Rente von 575 Euro. Das reicht natürlich nicht zum Leben. In der Landwirtschaft halst man dem eigenen Betriebsnachfolger einen Teil

unserer Alterskosten auf. Die Jungübernehmer haben dann uns Alte am Hals, auch mit Kosten und Risiken, und das bei Übernahme eines unrentablen Betriebes mit schlechten Zukunftsaussichten. Wieso soll ich das der jungen Generation antun?

Friedrich Bauer, Lichtenau, Deutschland

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