Bauernsprecher Hans MeisterKonkurrenz unerwünscht

Konkurrenz unerwünscht

Solange du erfolglos werkst, kannst du es mehr oder weniger tun, so wie du es glaubst und für richtig hältst. Man wird dich vielleicht bedauern und du bekommst auch Mitleid geschenkt. Das gilt auch, wenn du etwas Neues beginnst. Alle rundum werden dich bezüglich deines Fleißes, deines Einfallsreichtums und auch deines Mutes zum Risiko loben. Sie werden dir auf die Schulter klopfen, Kollegen, Funktionäre, Geschäftspartner –, solange du klein, unbedeutend und keine Gefahr für die Mächtigen der jeweiligen Branche bist.

Hast du Erfolg, bist du von heute auf morgen ein Konkurrent. Viele erfolgreiche Kleine, dezentral aufgestellt, können Branchenriesen wehtun. Die Platzhirsche der Branche beobachten die Situation genau. Sie studieren mit ihren Juristen die Gesetze, ob es denn da eine ganz legale Möglichkeit gäbe, diese lästigen Kleinen auszuschalten. Wenn das nicht gelingt, werden die politischen Netzwerke aktiviert, mediale Botschaften ausgesandt – mit oft erstaunlichen Ergebnissen. Plötzlich werden die rechtlichen Bedingungen sehr eng ausgelegt, neue Hygienebestimmungen verordnet oder die Vorgaben verkompliziert und verschärft. Oder man kommt mit der Verwirrtaktik und schiebt den Föderalismus der Länder an die Front, in jedem Bundesland, in jeder Gemeinde gilt etwas anderes. Das eine ist mit dem anderen nicht mehr vergleichbar. Nur wer den Durchblick behält, der kann sich noch in diesem Dschungel orientieren, und das sind in der Regel die Konzerne mit entsprechendem Personal und juristischen Abteilungen, und nicht die vielen kleinen Einzelkämpfer.

Auch das derzeit heiß diskutierte Thema mit den Selbstvermarktungsautomaten weist in diese Richtung. Selbstvermarktung auch mit Milchautomaten gibt es schon lange, ohne das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Handel groß gestört zu haben. Im Zuge der Pandemie hat sich die Anzahl der bäuerlichen Selbstbedienungsautomaten vervielfacht und sie werden als Konkurrenz wahrgenommen. Sofort sind Ladenöffnungszeiten, Gewerberecht etc. ein Thema, auf dessen genaue Einhaltung und Kontrolle der Handel pocht. Eine Handelskette überlegt sogar selbst, eigene Automaten mit regionalen Produkten aufzustellen. Der bäuerliche Erfolg wird nachgeahmt. Durchaus ein Kompliment, aber die Gesamtsituation wird komplizierter werden.

Auch im Photovoltaik-Geschäft, bei den sogenannten Feldanlagen, läuft einiges schief. Während im Land Agenten unterwegs sind, um landwirtschaftliche Grundstücke für mehrere Megawatt große PV- Anlagen für ihre Auftraggeber zu lukrieren, werden die Grundbesitzer mit zwar gut dotierten Pachtverträgen bedient, aber nicht an den Anlagen beteiligt. Ja, privaten Betreibern ist es meist gar nicht mehr möglich, bei der Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen und hochgeschraubten Auflagen, eine Genehmigung zu bekommen. Das schaffen inzwischen nur noch namhafte, kapitalstarke Investoren.

Eine Tendenz, die sich seit Jahren in vielen Branchen immer deutlicher erkennen lässt, ist die strategische Ausschaltung der Kleinen als lästige Konkurrenz. So zerstört die Macht des Kapitals von Wenigen die Chancen von Vielen.

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