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Traktorprobleme: Eine lange Geschichte

Der als Pflegetraktor auf dem Hof eines Landwirtes in Bayern eingesetzte John Deere 5100 M, Baujahr 2015, mit ca. 2.000 Betriebsstunden hatte ein technisches Problem.

Das Problem mit dem Traktor:

“Der Allrad lässt sich nicht mehr ausschalten (Genauso gut könnte es aber auch sein, dass er sich nicht mehr einschalten lässt). Verantwortlich dafür soll eine kleine Feder (Ersatzteilnummer SU20008) im Getriebe sein, die gebrochen ist. Geschätzte Materialkosten rund 10 Euro. Für die Reparatur muss allerdings das Getriebe – und somit der Traktor – komplett zerlegt werden. Die Reparaturkosten dafür werden auf 4.000 Euro geschätzt. Die neu einzubauende Feder sieht völlig gleich aus, ist also nicht stärker dimensioniert. Die Recherche durch den betroffenen Landwirt ergab: Das Problem mit der gebrochenen Feder soll häufiger auftreten. Der Allrad wird ja bei jedem Tritt auf die Fußbremse zugeschaltet. Dieses Getriebe wird trotz dieses Problems nach wie vor in neue Traktoren eingebaut, auch mit dieser Feder. Die 5M-Traktoren werden seiner Recherche zufolge überdies in Mexiko gebaut, das Getriebe in China, die Hinterachse in Italien, der Motor in Frankreich.

Meine Fragen: Weil es so scheint, dass das ein häufiger auftretendes Problem ist, möchte der Landwirt eine Kulanzlösung erreichen und keine Reparaturkosten oder nur einen Teil davon übernehmen. Was bietet John Deere hier an? Was will John Deere tun, um dieses Problem generell zu beseitigen?“

Das obige Schreiben ging am 1. Oktober 2020 an die John Deere Zentrale in Deutschland. Eine Lösung im Sinne einer klaren Antwort und kulanten finanziellen Regelung war lange nicht in Sicht. Ein langer E-Mail-Verkehr mit Verzögerungen auf beiden Seiten war die Folge. Erst nach langen hin und her Anfang März dieses Jahres bekam ich von John Deere folgende klarstellende Nachricht:

Ausnahmefall?

„Es war uns wichtig, für den betroffenen Landwirt schnellstmöglich die Störung an seinem Traktor zu beheben und finanziell eine Regelung zu finden, die von allen Beteiligten mitgetragen wird. Das ist den Kollegen in Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner und dem Kunden gelungen. Sie zielen in Ihrer Anfrage darauf ab, ob der aufgetretene Schaden ein Einzelfall oder ein generelles Serienproblem ist. Die Auswertung unserer Kundendienstabteilung zum John Deere 5100M zeigt, dass die Schlepper sehr robust sind und extrem wenige Reparaturen auftreten. Auch bei der gebrochenen Feder handelt es sich um einen Ausnahmefall, der offenbar auf einen Fehler bei der Fertigung zurückzuführen ist. Wiederholungsfälle nach einer bestimmten Einsatzdauer sind nicht aufgetreten. Der Einbau einer veränderten, stärkeren, Feder ist somit nicht vorgesehen.

Für den Landwirt ist der Sachverhalt dennoch sehr ärgerlich, zumal das Getriebe für die Reparatur demontiert werden musste. Somit schlagen die Arbeitskosten stärker zu Buche, während der Materialwert vergleichsweise gering ist. Die Traktoren werden übrigens nicht in Mexiko sondern in den USA im John Deere Werk Augusta gefertigt. Übrigens haben wir für alle John Deere Werke sehr strenge Qualitätsrichtlinien und führen regelmäßige Audits durch, die an den Fertigungsstandorten eine hohe Zuverlässigkeit der Maschinen gewährleisten.“

Zum guten Schluss gab es auch ein finanzielles Entgegenkommen für den Landwirt punkto Reparaturkosten. Manchmal braucht es einen verdammt langen Atem, um eine Geschichte positiv zu Ende zu bringen.

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