RindRinderzuchtFleckviehPressekonferenz: Fleckvieh – der klimafitte Dauerbrenner

Pressekonferenz: Fleckvieh – der klimafitte Dauerbrenner

Pressekonferenz zur Fleckviehzucht
Quelle: Paul Gruber/ BML

Die heutige Konferenz stand unter dem Motto „Fleckvieh Changes“. Es wurde aufgezeigt wie die derzeitige Situation in der Fleckviehzucht in Österreich aussieht. Durch viele interessante Fakten wurde erläutert, warum diese Rasse einen derart hohen Stellenwert für die österreichische Landwirtschaft hat. Im Vordergrund standen die Thematik rund um den Klimawandel, die Effizienz der Rasse sowie Robust- und Gesundheit

Norbert Totschnig, Landwirtschaftsminister:

„Die Rinderhaltung erwirtschaftet rund 27 % der österreichischen Landwirtschaft. Rinder erzeugen aus nicht essbarer Biomasse, wie Gras oder Heu, hochwertige Lebensmittel, wie Milch und Fleisch, und tragen damit entscheidend zur Lebensmittelversorgung bei. Die Rinderhaltung trägt außerdem maßgeblich zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei. Rund 50 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche besteht aus Grünland. Wir haben in Österreich verschiedene Rinderrassen, die alle ihre Spezialisierung und Stärken haben. Der Kongress beleuchtet nun das Fleckvieh als beliebtes Zweinutzungsrind für die Fleisch- und Milcherzeugung.

Unsere heimische Rinderwirtschaft ist in Sachen Klimaschutz Vorreiter! Brasilien braucht 80 Kilo CO² Äquivalente je Kilogramm Rindfleisch, Österreich nur 14 Kilo. Daher einmal mehr Appell: Wer zu regionalen Produkten greift, stärkt unsere bäuerlichen Familienbetriebe, schont das Klima und die Wertschöpfung bleibt im Land!

Wie wichtig die Rinderzucht, die Tradition und die damit verbundenen Emotionen sind, zeigt sich auch immer bei den Zuchtschauen. Es ist daher eine besondere Freude, dass der Fleckvieh-Weltkongress nach mehr als 25 Jahren wieder in Österreich stattfindet.”

Stefan Hörtengruber, Universitätsdozent:

„Fleckvieh erzeugt mehr Milch und Rindfleisch aus nicht nahrungstauglichen Futtermitteln: Auswertungen aus Daten zeigen, dass die untersuchten Fleckviehkühe je kg Milch um 8 % weniger Kraftfutter brauchten als die anderen analysierten Rassen.

Die Berechnung mit den verfütterten Rationen ergab, dass die Fleckviehkühe im Durchschnitt eine um 24 % bessere Lebensmittelumwandlungseffizienz aufweisen. Wenn 1 kg Protein aus nahrungstauglichen Futtermitteln wie Getreide an die Fleckviehkühe verfüttert wird, machen diese daraus ca. 1,9 kg Protein in Form von Milch. Die Kühe der anderen Rassen konnten dagegen nur 1,5 kg Eiweiß in Milch je kg je 1 kg Eiweiß im Futter erbringen.

Die in Österreich vorherrschende Rasse Fleckvieh wies in den vergangenen Jahrzehnten stärkere Steigerungen der Milchleistung als andere Rassen auf und trug damit wesentlich dazu bei, dass trotz gesteigerter Milchmengen nun um über 40 % weniger Milchkühe als 1990 gehalten werden. Die direkten Treibhausgasemissionen der Milchrinderhaltung konnten damit um 32 % gesenkt werden.

Fleckvieh stellt eine robuste Rasse dar, die Kühe weisen längere Nutzungsdauer oder geringere Kälberverluste als andere wichtige Rassen der Milcherzeugung in Österreich auf. Da sie im Durchschnitt nicht so hohe Milchleistungen aufweisen, sind sie am Anfang der Laktation auch weniger anfällig. Fleckvieh leistet entgegen dem weltweiten Trend zu einseitigen Rassen einen Beitrag zur genetischen Vielfalt.“

Sebastian Auernig, Obmann Fleckvieh Austria:

 “Fleckvieh ist eine Rinderrasse, die es uns Bäuerinnen und Bauern ermöglicht Milch und Fleisch in hervorragender Qualität, nachhaltig, wirtschaftlich und ökoeffizient auf unseren Familienbetrieben zu erzeugen. Die großen Zuchtfortschritte der letzten Jahre in den Bereichen Gesundheit und Effizienz werden wir beim Fleckvieh-Weltkongress vorstellen und unsere Erfahrungen weltweit austauschen. Bei der Bundesfleckviehschau in Freistadt wollen wir nicht nur die besten Tiere aus Österreich, sondern auch das Herzblut, das die Züchter in ihre Arbeit stecken, zeigen.”

 Josef Moosbrugger, Präsident LK:

 „Die Haltung von Rindern ist in vielen Regionen unserer grünlandbasierten Alpenrepublik die einzig sinnvolle Bewirtschaftungsform. Diese auf natürliche Kreisläufe aufbauende Landwirtschaft entspricht genau dem, was sich die Gesellschaft wünscht und fordert. Durch grünlandbasierte Fütterung ist unsere Rinderhaltung nicht nur klimafreundlicher, sondern erweist sich auch in den aktuellen Krisenzeiten als deutlich widerstandsfähiger gegenüber Preisschwankungen. Nichts desto trotz setzen die Kostensteigerungen auch die heimische Rinderwirtschaft massiv unter Druck und machen Erzeugerpreisanpassungen erforderlich.

Wir sind sehr stolz auf die heimische Rinder- bzw. Fleckvieh-Zucht, die durch den geplanten Weltkongress eindrucksvoll unterstrichen wird.”

Zahlen und Fakten rund um die Fleckviehzucht:

  • In Österreich gibt es knapp 1,4 Millionen Fleckviehtiere
  • Bezogen auf den Rassenanteil ist Österreich Fleckviehland Nummer Eins.
  • 75 % aller Rinder in Österreich sind Fleckviehtiere
  • Circa 14.000 Zuchtherden mit Fleckvieh werden auf österreichischen Betrieben gehalten
  • Durchschnittliche Herdengröße liegt bei 20 Tieren pro Betrieb
  • Weltweit gibt es rund 40 Millionen Fleckviehtiere, davon rund 10 Millionen Tiere in Europa

Rinderrassen in Österreich
Quelle: Paul Gruber/ BML

 

Infos zum Kongress und der Bundesfleckviehschau:

  • Die Veranstaltungen finden heuer am 30. August bis 4. September 2022 satt
  • Austragungsort des Fleckviehkongresses ist Wien
  • 9 hochkarätige Fachreferate zu Zukunftsthemen werden geboten
  • Die Teilnehmer können an 8 Fachexkursionen zur österreichischen Zuchtbetrieben und Besamungsstationen teilnehmen
  • Über 220 Verantwortungsträger und Züchtern aus insgesamt 30 Ländern der Erde werden zum Kongress in Wien und zur Bundesfleckviehschau in Freistadt erwartet.
  • Austragungsort der Bundesfleckviehschau ist Freistadt in Oberösterreich
  • Von knapp 1,4 Millionen Fleckviehtieren schaffen es nur die 150 besten Tiere auf die Bundesschau zur Kür der Bundessieger
  • Mit der Integration eines nationalen Jungzüchterwettbewerbs soll die Motivation der bäuerlichen Jugend gefördert werden
  • Das hochkarätige Angebot der Eliteversteigerung wird nationales und internationales Interesse auslösen
  • Gleichzeitig zur Bundesfleckviehschau findet am Schaugelände in Freistadt der traditionelle Rindfleischkirtag des Rinderzuchtverband Oberösterreich statt. Ziel ist es einer breiten Öffentlichkeit an Konsumenten die Qualität des österreichischen Rindfleisches näherzubringen.